Junge Familie stirbt in Albstadt "Es war surreal" - so haben Anwohner die Explosion des Wohnhauses erlebt

Drei Menschen starben durch die Explosion in Albstadt. Foto: Holger Much/Stadtverwaltung Albstadt

Die Bewohner in Albstadt-Tailfingen haben die Explosion eines Wohnhauses in der Josefstraße unterschiedlich wahrgenommen. Die Sorge und Anteilnahme im Stadtteil ist groß.

Viele Einwohner des Zollernalbkreises wurden am Donnerstagmorgen mit Meldungen geweckt, dass es in Albstadt zur Explosion eines Wohnhauses gekommen sei. Die Nachricht verbreitete sich schnell im Ort. Was ist geschehen? Wie konnte es dazu kommen? Wurden Bewohner verletzt? Das waren die ersten Fragen, die sich die Menschen stellten.

 

Lange Zeit konnten die Rettungskräfte nichts Genaues mitteilen. Schließlich ging es auch zunächst darum, sich um die direkten Nachbarn zu kümmern, zu helfen und zu ermitteln. Das Aufgebot an Einsatzkräften war groß, die Zufahrt zum Wohngebiet in Tailfingen weiträumig abgeriegelt.

Frühaufsteher und Nachbarn

Während manche Bewohner Tailfingens nichts vom Unglück mitbekommen haben, schildern andere ihre Wahrnehmungen. Dabei wurde recht schnell deutlich: Wer weiter vom Explosionsherd entfernt wohnt und eventuell einen guten Schlaf hat, der hat tatsächlich nichts bemerkt. Wessen Haus sich in der Nähe der Josefstraße befindet und wer schon früh auf den Beinen ist, der hat durchaus etwas vom Geschehen mitbekommen.

Erdbeben erster Gedanke 

So schildert Anwohnerin Ingrid Wahl dem "Schwarzwälder Boten", sie sei kurz vor 5 Uhr wach geworden, weil sie zur Toilette musste, habe sich wieder schlafen gelegt und dann eine Erschütterung gespürt. Ihr erster Gedanke sei ein Erdbeben gewesen, das es in Albstadt ja öfter mal in verschiedenen Intensitäten gibt. Da sie selbst das schwere Beben im Jahr 1978 miterlebt hat, ließ sie sich durch das „leichte Ruckeln“ nicht aus der Ruhe bringen und sei tatsächlich wieder eingeschlafen.

Ganzes Haus wackelt

In der Katzensteige war Bernd Jablonski schon um 4.30 Uhr wach und saß auf seinem Sofa. Sein Haus liegt vis-à-vis des betroffenen Hauses in der Josefstraße. in einer Entfernung von etwa 150 Metern. Der Frühaufsteher schildert, dass gegen 5 Uhr für kurze Zeit sein gesamtes Haus gewackelt habe – und das sei massiv gebaut. Mehrere Gegenstände seien aus den Regalen gefallen und die Glasscheibe an der Haustür zersplittert. Durch die Erschütterung sei auch seine Ehefrau aufgewacht, die auch sofort ein Erdbeben vermutet habe.

Anwohner berichtet von gewaltigem Knall 

Allerdings war sich Bernd Jablonski sicher, dass sich ein Beben anders anfühle, zumal auch er sich noch gut an das Erdbeben vor 47 Jahren erinnern kann. Er vermutete hinter dem gewaltigen Knall gleich eine Explosion, eventuell eine Gasexplosion.

„Es fühlte sich an wie eine Bombenexplosion“, sagt er. „Ich konnte es nicht zuordnen. Draußen herrschte plötzlich Totenstille. Ich sah eine riesige Staubwolke und es hat gestunken“, so Bernd Jablonski.

Recht schnell habe er die ersten Feuerwehrfahrzeuge gesehen. Zunächst nur wenige und dann immer mehr. Doch ein Feuer konnte er nicht erkennen, weshalb er vermutete, dass es sich nicht um einen Brand handeln konnte. Sein Eigenheim wurde auf alle Fälle von einer massiven Druckwelle erfasst.

In der Josefstraße selbst, nur ein paar Häuser vom Unglücksort entfernt, wohnt eine Familie, die das Geschehen noch intensiver miterlebt hat. Die direkten Nachbarn wurden evakuiert, weil ihre Gebäude als einsturzgefährdet eingestuft wurden. Man hat die betroffenen Familien in einer Halle untergebracht, die polizeilich abgesperrt wurde, da die Menschen unter Schock standen.

Es war surreal

Aber jene Frau, einige Häuser weiter, schildert: „Wir sind alle um 5.04 Uhr wach geworden durch einen lauten Knall und wussten zunächst nicht, was los ist.“ Weihnachtsdeko an den Fenstern und andere Gegenstände seien zu Boden gefallen. Im Erdgeschoss seien alle Fenster zerborsten.

Als man auf die Straße ging, habe man aufgrund der Dunkelheit zunächst nichts erkennen können, so die Anwohnerin: „Überall war Rauch. Wir wussten nicht, was passiert ist. Es war surreal.“

Gedanken an Betroffene

Nach und nach seien dann Einsatzfahrzeuge eingetroffen. Zwar sei man später wieder seinem Arbeitsalltag nachgegangen, als das gesamte Wohngebiet von Fahrzeugen der verschiedenen Rettungskräfte völlig überfüllt war. Aber in Gedanken sei man doch bei den betroffenen Nachbarn.

Bekannte erkundigen sich

Überhaupt ist das Mitgefühl in Tailfingen groß. Immer wieder hört man, dass sich Freunde und Bekannte nach Bewohnern erkundigt haben, die rund um das Wohngebiet der Josefstraße leben. Per Telefon und Kurzmitteilung wollte man wissen, ob es den jeweiligen Freunden und Angehörigen gut gehe.

Trauer um Bewohner

Im Laufe des Vormittags wurde deutlich, dass soweit alle in Tailfingen wohlauf sind, man aber nichts von den Bewohnern des betroffenen Wohnhauses weiß. Deshalb konzentrierte sich die Sorge in Albstadt stundenlang auf die vermisste Familie.

Dann entstand große Trauerr: Am Nachmittag wurde offiziell bekannt gegeben wurde, dass alle drei Bewohner nur noch tot aus den Trümmern geborgen werden konnten.

Hinweis: Dieser Artikel ist zuerst im "Schwarzwälder Bote" erschienen.

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