Junge Familien im Stuttgart-West Von den kurzen Wegen überzeugt

Von Riccarda Stiritz 

Dass junge Familien dem Stuttgarter Westen den Rücken kehren, ist lange her. Längst hat sich der Trend umgekehrt – und die Stadt macht auch einiges für diese Klientel.

Die Elisabethenanlage soll aufgewertet werden. Foto: Sandra Hintermayr
Die Elisabethenanlage soll aufgewertet werden. Foto: Sandra Hintermayr

S-West - Freitag ist gut, ich bin von acht bis 16 Uhr im Merlin mit kurzer Mittags-Döner-Unterbrechung. So ist das mit dem Arbeiten und den Kindern . . .“, schreibt Annette Loers, Leiterin des Kulturzentrums Merlin im Westen. Den Job und die Kinder unter einen Hut zu bringen ist nicht immer einfach – aber im Westen möglich. „Mich haben die kurzen Wege überzeugt hierher zu kommen“, so die alleinerziehende Mutter, die 2010 herzog. Die Kinder sind mittlerweile elf und 13 Jahre alt, doch die Vorteile bleiben. „Man kann abends einfach und schnell weggehen, ich brauche kein Auto und man ist trotzdem schnell im Grünen“, so Loers weiter.

Höchste Geburtenkennzahl in der Stadt

Mit ihrer Meinung steht sie nicht alleine da, denn der Anteil an jungen Familien im Stuttgarter Westen scheint zu wachsen, wie man den Zahlen des Statistischen Amts der Stadt Stuttgart entnehmen kann. Demnach ist die Geburtenkennzahl (GKZ) mit 12,71 Geburten pro 1000 Einwohner im Innenstadtbezirk West am höchsten im Stadtgebiet Stuttgart. Hierfür entscheidend sei der hohe Anteil der 15- bis 40-Jährigen Frauen, der bei über 40 Prozent liegt.

„Es ist eine erfreuliche Nachricht, dass immer mehr junge Familien hier leben wollen“, findet Bezirksvorsteher Reinhard Möhrle. Im letzten Jahrhundert habe der Bezirk massiv an Familien verloren, aber seit 2003 wachse die Einwohnerzahl wieder. „Die Menschen sehen die Vorteile der Innenstadt, wie die gute Infrastruktur, die Einkaufs- und Begegnungsmöglichkeiten“, erklärt Möhrle. Zu den negativen Aspekten würden vor allem der Mangel an Grün, teurer Wohnraum und das hohe Verkehrsaufkommen zählen. Auch gibt es nicht ausreichend Kitaplätze. Von 2009 bis 2016 ist laut Möhrle die Zahl der unter Dreijährigen im Westen von 1350 auf 1600 und der Drei- bis Sechsjährigen von 1050 auf 1300 gestiegen. Bei Letzteren ist der Betreuungsbedarf gedeckt, während es Defizite bei den Kleinsten gibt. Es fehlen knapp 380 Plätze.

Angebote werden verbessert

Die Stadt ist dran. Im Rahmen des „Sanierungsgebiet Stuttgart 28“ sollen die Angebote an der Bismarckstraße verbessert werden. „Auf dem Olgäle-Gelände entstehen unter anderem ein Familienzentrum und eine sechsgruppige Kindertagesstätte. Ein Teil des Gesundheitsamtes wird ebenfalls zu einer sechsgruppigen Kita“, so Möhrle. Außerdem sollen die Schwabschule auf ein Ganztagesangebot erweitert und die Elisabethenanlage für Kinder und Jugendliche aufgewertet werden.

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