Junge Handwerkerin 21-jährige Stuttgarterin beeindruckt sogar Habeck

Die Malergesellin Rachel Knorr verzichtet in den nächsten dreieinhalb Jahren auf Gehalt, weil sie eine weitere Ausbildung macht. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Rachel Knorr ist für ihren Traum nach Stuttgart gekommen. Die 21-jährige Handwerkerin kann hier eine Ausbildung machen, die es sonst nirgends gibt. Was sie sich davon verspricht und worüber sie mit Robert Habeck getuschelt hat.

Klima & Nachhaltigkeit: Judith A. Sägesser (ana)

Hermann Blattner dürfte nicht lange überlegt haben, wen er fragt. Recht spontan hatte der Stuttgarter Stuckateur erfahren, dass Robert Habeck und Winfried Kretschmann zu ihm auf den Hof kommen. Beim rund einstündigen Rundgang Anfang Juli war eine Station ein Mitarbeiter-Trio, das Rede und Antwort stand. Ganz vorne mit dabei: Rachel Kno rr. „Ein kleines Persönchen mit wahnsinnig Power“, sagt die Chefin Iris Blattner. Das ist dann auch dem Minister schnell aufgefallen.

 

Rachel Knorr ist 21 Jahre jung und knapp 1,60 Meter groß. Sie ist Malergesellin und kam aus Hessen nach Stuttgart, weil sie hier eine besondere Ausbildung machen kann: die zur Ausbaumanagerin. Nach dreieinhalb Jahren hat sie den Gesellen- und den Meisterbrief sowie Expertise im Stuckateurhandwerk, beim Trockenbau, der Wärmedämmung und der Energieeffizienz. Rachel Knorr ist dann eine Allrounderin, die es in dieser Transformation dringend braucht.

Habeck hat Einzelfoto von ihr geteilt

Beim Minister-Termin stand Rachel Knorr direkt neben Habeck. Und anstatt den Ausführungen des Chefs zu Dämmstoffen zuzuhören, tuschelte Habeck kurz mit ihr. Worum ging’s? „Er wollte wissen, ob ich dann wieder in die Schule muss“, erzählt sie. „Dass er mich so anspricht, damit habe ich nicht gerechnet.“ Überhaupt die ganze Begegnung. „Das hat man ja nicht alle Tage.“ Dass Habeck dann in den sozialen Netzwerken ein Einzelfoto von ihr gepostet habe, „ist schon eine kleine Ehre“. Abgesehen davon habe sie mit Politik aber nicht viel zu schaffen, sagt sie.

Ihre Triebfeder, zu lernen, wie man Bestandsgebäude energetisch saniert, ist nicht der Klimaschutz, sondern die Freude am Arbeiten mit den Händen. Und: „Ich will am Ende des Tages sehen, was ich geschafft hat“, sagt sie. Im Obertürkheimer Betrieb Christian Gröber hat sie auf der Baustelle noch eine Kollegin, der Rest sind Männer. Der Umgangston ist anders als im Büro. „Aber ich war noch nie ein Mimöschen“, sagt sie. Um sich durchzusetzen, habe sie von Anfang an Vollgas gegeben. „Ich sage immer: Leute, schont mich nicht.“

Ausbildung zur Ausbaumanagerin ab Oktober

Für die Kunden ist die Gesellin trotzdem in aller Regel die Auszubildende. Und damit haben sie bald sogar recht. Die Ausbildung zur Ausbaumanagerin beginnt am 1. Oktober, Rachel Knorr ist bereits im April aus der Nähe von Frankfurt hergezogen. „Ich wollte mich schon einmal auf den Betrieb einstellen.“ Für die Ausbildung, die es nur hier gibt, ist sie sogar bereit, auf Einkommen zu verzichten. Als angehende Ausbaumanagerin bekommt sie erst einmal etwa die Hälfte weniger als jetzt als Malerin. „Die Entscheidung ist eher für die Zukunft“, sagt sie.

Ihr Vater sei Innenausstatter. Als Jugendliche habe sie ihr Zimmer selbst tapeziert und gestrichen. „Da hat man so einen Vorher-Nachher-Effekt“, sagt sie. Weil sie das mag und weil sie „etwas in der Hand haben“ wollte, hat sie sich nach der Realschule für die Malerlehre entschieden. Worauf sie sich in ihrem neuen Berufsfeld freut: zu sehen, wie sich die Häuser verwandeln.

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