Junge Künstler stellen in der Ludwigsburger Karlskaserne aus Die Wege sind das Ziel

Der Künstler Andreas Arndt Foto: factum/Weise
Der Künstler Andreas Arndt Foto: factum/Weise

Die neue Ausstellung in der Ludwigsburger Karlskaserne beschäftigt sich mit dem Thema Wege. Gezeigt werden Gemälde, Fotos, Videos und Installationen, die sich auch damit befassen, was passiert, wenn ein Weg vorzeitig endet.

Ludwigsburg - Für Charlie Stein besteht der Weg aus 28 Blättern weißem Papier. In zwei Reihen hat die Künstlerin aus Stuttgart die Bögen an eine Wand in der Ludwigsburger Karlskaserne gehängt, ganz symmetrisch. Auf das Papier hat Stein mit Tusche geschrieben, gezeichnet, notiert – alles, was sie mit dem Tod ihres Vaters verbindet. „Roadmap – Eine kurze Wegbeschreibung“ nennt Stein das Skizzenbuch, in dem sie Gedanken, Erinnerungen, aber auch Träume nach dem Krebstod ihres Vaters vor einem Jahr festhält. Auf einer der Seiten hat die 27-Jährige beispielsweise all jene Dinge aufgelistet, die ihr Vater zum Zeitpunkt seines Todes besaß: 28 Schuhe und 17 USB-Sticks, einen VW-Bus und 3 Ohrringe. Auf der Liste stehen aber auch zwei Kinder und eine Ehefrau. „Rest“, hat Charlie Stein diese Seite überschrieben.

Zu sehen sind Gemälde, Videos, Installationen und Fotos

Steins Installation ist Teil einer Ausstellung, die an diesem Donnerstag in der Karls­kaserne eröffnet wird. Für die Schau „different ways“ hat die Kuratorin Isabell Ohst vier junge Künstler aus Baden-Württemberg nach Ludwigsburg eingeladen. Neben Charlie Stein stellen auch Sophie Innmann, Andreas Arndt und Ralf Witthaus aus. Sie alle beschäftigen sich mit dem Thema Wege – einem Motto, das „nicht einfach zu fassen ist“, wie die Kuratorin Ohst sagt. Vor allem bestehe die Gefahr, das Thema plakativ oder oberflächlich anzugehen. Daher hat sie für die Ausstellung vier Künstler ausgewählt, die sich auf ganz unterschiedliche Weise den „Wegen“ nähern.

Der Crailsheimer Ralf Witthaus zum Beispiel schafft die Pfade, die auf seinen Fotografien zu sehen sind, einfach selbst: Er zieht sie mit einem Mäher in grüne Rasenflächen. Mit Teams von bis zu zehn Leuten entstehen so gewissermaßen Gemälde auf einer grünen Leinwand, zum Beispiel vor dem Völkerschlachtdenkmal in Leipzig. Grundriss für die Wege und Schriften, die Witthaus hinterlässt, sind häufig Pläne von Bauwerken, die niemals verwirklicht wurden, im Rasen nun aber sichtbar werden.

Mit einem ganz persönlichen Weg beschäftigt sich der Karlsruher Künstler An­dreas Arndt: „Boattrip Home“ heißt die Arbeit, die Arndt nicht zu Ende bringen konnte – und die trotzdem Teil der Schau in der Karlskaserne ist. Mit dem Boot wollte Arndt von Amsterdam nach Schweden fahren, ein Sturm verhinderte das aber. Im Ausstellungsraum hat der Künstler nun eine große Leinwand aufgebaut, auf der ein Interview-Video läuft: Die Kuratorin Isabell Ohst hat ihn zu den Eindrücken auf dem missglückten Trip befragt. Daneben liegt der zweite Teil des Kunstwerks, ein Kajak aus Leinen und Holz, das die Reise versinnbildlichen soll.

Besucher werden Teil der Installation

Einen Roadtrip der eher klassischen Art hat Sophie Innmann unternommen. Mit vier Freundinnen ist sie durch die USA gefahren. Ihre Erlebnisse und Eindrücke hat Innmann auf Video festgehalten und präsentiert sie den Besuchern in der Karlskaserne nun in einem gemütlichen Wohnzimmer mit Sofa, Lampe und einer Kiste Bier. Während der Film vor allem die Sehnsucht nach neuen Wegen zeigen soll, repräsentiert die Umgebung für Innmann das typisch amerikanische Wohnzimmer und den „american way of life“. Besucher, die auf dem Ledersofa Platz nehmen, werden so ganz nebenbei ein Teil der Installation.

Der wohl auffälligste Teil der Schau sind fünf Bilder von Charlie Stein, die eine komplette Seite des Ausstellungsraums einnehmen. Auf den überlebensgroßen Acryl-Gemälden setzt sich Stein genereller mit dem Tod auseinander – und mit den fünf Stufen der Trauer, die ihm folgen: Leugnen, Verhandeln, Wut, Depression und Akzeptanz. Gehalten sind die Bilder in einer Comic-Optik, um „die Schwere des Themas zu brechen“, sagt Stein. Für sie ist die Schau „sehr viel persönlicher als normalerweise“. Wie auf den Blättern aus dem Skizzenbuch verarbeitet sie auch in den Gemälden den Tod ihres Vaters: „Doch ich will nicht, dass die Leute deswegen Mitleid haben“, sagt sie.




Unsere Empfehlung für Sie