Junge Liberale zum Wahldebakel der FDP „Es tut verdammt weh“

Helena Herzig aus Ditzingen, Mitglied im Landesvorstand der FDP, hat mit einem schwierigen Wahlkampf gerechnet. Foto: Simon Granville

Die FDP verpasst den Einzug in den Bundestag und verliert vor allem bei jungen Wählern an Zustimmung. Zwei junge Liberale aus der Region Stuttgart sind der Meinung, dass die Partei einen Neuanfang braucht – personell wie inhaltlich.

Die FDP geht als großer Verlierer aus der Bundestagswahl. Mit nur 4,3 Prozent der Stimmen scheiterte sie an der Fünf-Prozent-Hürde – das parlamentarische Aus. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass vor allem junge Wählerinnen und Wähler der Partei den Rücken gekehrt haben.

 

Vor vier Jahren sah das Ganze noch anders aus. Bei der Bundestagswahl 2021 galt die FDP als Hoffnungsträgerin der jungen Generation. Besonders bei Erstwählern war sie stark und erreichte mit 23 Prozent gemeinsam mit den Grünen die Spitzenposition. Doch diesmal blieben viele junge Stimmen aus. Bei den Erstwählern schafft es die FDP nicht über die fünf Prozent. Ein entscheidender Faktor für das schlechte Abschneiden. Schon vor dem Wahlkampf sah es in den Umfragen düster aus, während der Ampelkoalition verlor die Partei mehrere Landtagswahlen.

Helena Herzig ist 25 Jahre alt und kommt aus Ditzingen. Vier Jahren ist sie schon Mitglied der FDP, seit Januar sogar im Landesvorstand. Herzig hatte mit einem schwierigen Wahlkampf gerechnet. „Allerdings fühlt es sich am Wahlabend, wenn man das Ergebnis schwarz auf weiß sieht, deutlich schmerzhafter an, als man es sich hätte vorstellen können.“ Wochenlang habe sie mit ihren Parteikollegen für Stimmen gekämpft, bis zur letzten Minute. Am Wahlabend zu sehen, dass es trotzdem nicht reicht, dass tue verdammt weh.

Warum junge Menschen der FDP den Rücken kehren

Die FDP hat es verpasst, junge Wähler zu erreichen. Lag der Fokus im Wahlkampf auf den falschen Themen? Steuersenkungen oder Staatsverschuldung sind möglicherweise für viele junge Menschen etwas abstrakt. „Ich denke, dass unsere Inhalte weniger das Problem sind. Aber es hat sich gezeigt, dass eine reine Fokussierung auf das Thema Wirtschaft wohl nicht breit genug ist“, sagt Herzig. Die Inhalte seien nicht das Hauptproblem gewesen, viel mehr habe ein gravierender Mangel bestanden: „Es scheint, als hätten junge Menschen kein Vertrauen in uns und haben vielleicht sogar eine Antipathie gegenüber der FDP entwickelt.“ Besonders schmerzhaft sei, dass viele zu politischen Extremen abgewandert seien.

Sara-Jane Zagorac meint, die FDP brenötigt einen Neuanfang. Foto: Julis Böblingen

Sara-Jane Zagorac, 22 Jahre alt, ist zusammen mit Maximilian Stahl Co-Kreisvorsitzende der Jungen Liberalen in Böblingen. Auch sie ist seit 2021 Mitglied der FDP. „Ich habe mich bereits vorab mit diesem möglichen Wahlausgang beschäftigt. Trotzdem ist die Realität nun bitter und schwer zu ertragen“, so Zagorac. Es muss ein Neuanfang her. Zagorac sagt, die FDP muss sich umstellen, sowohl personell als auch inhaltlich. Außerdem muss an der Kommunikation gearbeitet werden, insbesondere auf Social Media.

Auch die Rolle der Jungen Liberalen könnte in dieser Neuaufstellung an Bedeutung gewinnen. Als eigenständige Jugendorganisation sehen sie sich nicht nur als Nachwuchsschmiede der FDP, sondern auch als kritische Stimme innerhalb der Partei. „Unser Anspruch ist es, weiterhin der Stachel im Fleisch der Mutterpartei zu sein und die Anliegen unserer Generation einzubringen“, betont Zagorac. Gerade jetzt, nach dem schlechten Abschneiden, sei es entscheidend, dass die FDP wieder stärker auf die Themen junger Menschen eingehe.

Herzig sieht das ähnlich: „Die Julis bleiben das wichtigste Vorfeld der FDP und werden ihren Beitrag dazu leisten, Vertrauen und Begeisterung für den Liberalismus zurückzugewinnen.“ Die FDP müsse jungen Menschen wieder zeigen, dass sie „der Garant für eine Zukunft ihrer individuellen Lebensführung und der persönlichen Freiheit“ sei. Bildungspolitik, Digitalisierung, Klimaschutz – all das seien Themen, die für junge Menschen wichtig seien und die im Wahlkampf zu kurz gekommen sind. Und dafür zahlt die Partei jetzt einen hohen Preis.

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