Wer nicht an die Existenz von Flussgeistern glaubt, wird bei einer Fahrt mit der MS Stuttgart eines Besseren belehrt: 35 junge Nixen entführen in eine musikalische Unterwasserwelt.

Leben: Erik Raidt (era)

Stuttgart - Die Nixen kommen aus dem Staub. Sie gehen an Baggern, Baugruben und Absperrbändern vorbei. Dort, wo sich in der Nähe der Wilhelma die unromantische Baustelle des Rosensteintunnels ausbreitet, soll für die Nixen ein Märchen beginnen. Ein Schiff erwartet sie. Der Neckar-Kapitän trägt einen Cowboyhut, aber das wundert die meisten Nixen nicht, Wesen aus einer Fantasiewelt gehören für sie zum Alltag. Sie haben in den vergangenen Monaten eine Waldhexe kennengelernt, einen Prinzen und einen Wassermann, und sie wissen jetzt auch, was das Schicksal für alle diese Figuren bereithält.

Jeans statt Fischschwänzen

Die Nixen müssen das wissen, sie besingen ein Schicksal, das nicht von dieser Welt ist. Sie selbst sind irdische Wesen: 35 Nixen im Alter von neun bis 23 Jahren gehen an diesem Samstagmittag an Bord der MS Stuttgart, die sie vom Wilhelma-Anleger nach Ludwigsburg bringen wird. Von Mitte April an werden sie im Chor der neuen Produktion „Nixe“ der Jungen Oper Stuttgart singen, die im Forum Ludwigsburg fünf Vorstellungen gibt. Mehr als 150 Mädchen hatten sich für eine Rolle im Chor beworben und beim Casting vorgesungen, 40 von ihnen wurden ausgewählt. Die ersten Proben begannen im November, jetzt biegt die Produktion auf die Zielgerade ein, die Fahrt auf dem Neckar stimmt sie auf die Premiere ein.

An Bord sind keine schuppigen Fischschwänze zu sehen. Die Nixen tragen Jeans und Sneaker, sie tippen in ihre Smartphones Whats-App-Botschaften. Sie lästern und kichern, tratschen und gackern. Noch scheint die Sonne über dem Neckar, die MS Stuttgart gleitet am Kraftwerk in Münster vorbei, ein Entenpärchen landet auf dem Wasser. Charlotte, 17, und Jana, 12, sitzen mit ihren Freundinnen an Bord und erzählen davon, wie sie zu Nixen wurden.

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