Ich sehe es sehr kritisch, dass die Mitglieder im Durchschnitt 58 Jahre alt sind. Ich habe deshalb nur ein begrenztes Vertrauen, dass sie ein gutes Rentensystem für die Zukunft entwerfen können. Die Interessen der jungen Generation werden in der Rentenkommission zu wenig abgebildet. Aber wir werden unserer Generation in der Debatte, die auf die Vorschläge folgen wird, Gehör verschaffen.
Sind bei Mütterrente oder Rente mit 63 die Interessen der Jungen unter den Tisch gefallen?
Ja, das sind sie. Allerdings ist das wenig überraschend. Bei der Bundestagswahl 2021 werden 60 Prozent der Wähler über 50 Jahre alt sein. Viele Parteien fokussieren sich auf diese Altersschicht mit neuen Wahlgeschenken. Dabei ist es nicht so, dass ich den Müttern oder Menschen, die lange und hart gearbeitet haben, die Leistungen nicht gönne. Aber wir stellen die Frage, wer das alles bezahlen soll. Es kann nicht sein, dass wir am Ende diejenigen sind, die viel ins System einzahlen, für die aber die Zukunftsinvestitionen ausbleiben.
Wie groß ist aus Ihrer Sicht der Reformbedarf?
Wir haben drei Stellschrauben, die wir politisch neu justieren müssen. Die Einnahmeseite, das Renteneintrittsalter und das Rentenniveau. Aus meiner Sicht müssen wir bei der nächsten Rentenreform an allen drei Stellschrauben drehen.
Was heißt das konkret? Länger arbeiten?
Jedes zweite heute geborene Kind hat eine Lebenserwartung von durchschnittlich 100 Jahren. Wir wissen auch, dass sich das durchschnittliche Renteneintrittsalter seit den 1960er Jahren nicht verändert hat. Insofern kommen wir um längeres Arbeiten nicht herum, wobei ich um die Unterschiede zwischen den Berufen weiß. Zwar kann ein Dachdecker mit 70 wahrscheinlich nicht mehr auf dem Dach stehen, aber ein Professor kann vielleicht noch lehren. Wir wollen das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung koppeln, gleichzeitig aber individuelle Lösungen ermöglichen.
Und wie stehen Sie zu höheren Beiträgen?
Wir haben in Deutschland schon jetzt mit die höchsten Lohnnebenkosten der Welt. Wir können die Beiträge nicht beliebig erhöhen, ohne den wirtschaftlichen Erfolg unseres Landes zu gefährden.
Damit sänke das Rentenniveau.
Das lässt sich kaum vermeiden, weshalb wir meines Erachtens die private wie die betriebliche Säule der Altersversorgung stärker ausbauen müssen. Da hat die Koalition mit Steuerfreibeträgen für Betriebsrenten gerade den Anfang gemacht. Wenn dann aber ein SPD-Bundesfinanzminister mit einer Finanztransaktionssteuer um die Ecke kommt, die klar zulasten derer geht, die privat fürs Alter vorsorgen, spielen wir „rechte Tasche, linke Tasche“.
Muss nicht doch die Basis verbreitert werden, indem auch Selbstständige und Beamte einzahlen?
Das würde allerdings zunächst ein teurer Systemwechsel. Denn wir müssten denjenigen, die ihre Altersvorsorge über Versorgungswerke geplant haben, Bestandsschutz gewähren. Zudem müssten wir bereits erworbene Pensionen der Beamten weiter finanzieren, während parallel die Beiträge für neue Beamte einzuzahlen wären. Das Geld würde an anderer Stelle in den Haushalten der Kommunen, Länder und des Bundes fehlen. Ich bin dafür, das alles einmal genau durchzurechnen. Ein Allheilmittel für unser Rentenproblem ist die Einbeziehung von Freiberuflern und Beamten aber nicht.
Bei all Ihren Bedenken: Was stellen Sie sich vor?
Langfristig werden wir zu einer steuerfinanzierten Basisrente kommen. Darüber hinaus wird es dann die Leistungen geben, die man sich selbst gesetzlich, privat oder betrieblich erarbeitet hat. Schon jetzt bezuschussen wir die Rentenkasse mit gut 100 Milliarden Euro jährlich. Das ist ein knappes Drittel des Haushalts und kann nicht immer weiter ansteigen. Irgendwann muss es einen Schnitt geben, der dann den Grundsockel der künftigen steuerfinanzierten Altersvorsorge darstellt.
Berlin - Die Interessen der jungen Generation werden in der Rentenkommission zu wenig abgebildet, kritisiert Tilman Kuban, Vorsitzender der Jungen Union. Viele Parteien seien nur fokussiert auf die Altersschicht der über 50-Jährigen.