35, Unternehmerin, Aufsichtsrätin Sie will fürs Unternehmertum begeistern

Sarna Röser vertritt die junge Unternehmergeneration in Deutschland und ist mit dem Preis für Soziale Marktwirtschaft ausgezeichnet worden. Foto: Anne Grossann Fotografie

Sarna Röser ist Unternehmerin, Aufsichtsrätin, Beirätin und gern gesehener Gast in Talkshows. Als Verbandsvorsitzende freut sich die 35-Jährige, dass Väter ihren Töchtern mehr zutrauen. Nun wurde sie mit dem Preis der Konrad-Adenauer-Stiftung für ihr Engagement für die Soziale Marktwirtschaft geehrt.

Wirtschaft: Imelda Flaig (imf)

Sie ist offen und direkt und voller Tatendrang. Sarna Röser, die im familieneigenen Unternehmen in Mundelsheim am Neckar aufgewachsen ist, liegt nicht nur die eigene Firma am Herzen, sondern auch der Mittelstand. Als Vorsitzende des Verbands der Jungen Unternehmer ist sie die Stimme der jungen Unternehmergeneration. Im Oktober 2022 wurde sie nun mit dem Preis der Konrad-Adenauer-Stiftung für ihr Engagement für die Soziale Marktwirtschaft geehrt.

 

„Der deutschen Wirtschaft droht der freie Fall“

Röser redet Klartext. „Wir stecken mittendrin in einer Wirtschaftskrise, der schlimmsten seit Jahrzehnten. Nach zwei Jahren Belastungen durch Corona haben sich unsere Unternehmen gerade erst aus der Talsohle herausgearbeitet. Nun kommen neue Nackenschläge: Die kräftige Inflation und die gigantischen Energiekosten setzen unsere Betriebe unter einen enormen Druck“, sagt sie. Außerdem fehlten Fachkräfte an allen Ecken und Enden, Lieferketten brechen, Nachschub könne nicht geliefert und wichtige Produkte könnten nicht mehr hergestellt werden. „In vielen Unternehmen breiten sich Wut über die viel zu langsame Bundesregierung und Verzweiflung über die wirtschaftliche Zukunft aus. Der deutschen Wirtschaft droht der freie Fall. Und nicht alle werden den harten Aufprall überleben“, sagt Röser.

Sie hat die Erfahrung gemacht, dass „die Mühlen in der Politik langsam mahlen“. Dabei ist es die 34-Jährige als Unternehmerin gewohnt, Entscheidungen zügig umzusetzen. Entmutigen lässt sie sich aber nicht, auch wenn das ehrenamtliche Engagement im Verband herausfordernd ist – für sie ist das eher noch zusätzlicher Ansporn.

Gefragte Gesprächspartnerin auch in TV-Talkshows

Röser pendelt viel zwischen ihrem Wohnort Ludwigsburg und Berlin, ist in der Politik gut vernetzt und vielerorts eine gefragte Gesprächspartnerin – auch in TV-Talkshows wie „Hart aber fair“ oder „Maybrit Illner“. Präsenz sei wichtig, dass man gehört werde, sagt die junge Frau, die so viel Energie versprüht. Sie wirkt selbstbewusst, aber nicht überheblich, hat keine Scheu im Umgang mit hochrangigen Gesprächspartnern und punktet mit Fachkenntnis.

Auf ihrer Wunschliste an die Politik stehen Themen, die die jungen Unternehmer umtreiben: „Die Bundesregierung hat wertvolle Zeit verstreichen lassen, um die Explosion der Gas- und Energiepreise zu bekämpfen. Die Entwicklung war schon viel früher absehbar. Deswegen gehen wir junge Unternehmer auch schon mal auf die Straße um Druck zu machen“, sagt Unternehmerin Röser. Denn am Ende werde die Krise nicht nur die energieintensiven Betriebe treffen, sondern auch solche, die auf Vorprodukte aus diesen Industrien angewiesen seien. Sie nennt ein Beispiel: „Wenn schlichtweg keine Dachziegel mehr produziert werden, können auch keine Dächer mehr gedeckt werden und Handwerker keine Aufträge mehr annehmen.“

„Regierung muss in den Krisenmodus umschalten“

Die Regierung müsse endlich in den Krisenmodus umschalten. Viel zu lange habe sie die Dinge schleifen lassen. „Es ist fatal, ein Industrieland in eine Versorgungskrise hineinlaufen zu lassen“findet sie. 

Sorgen bereitet Röser auch der schwindende Unternehmergeist, weil immer weniger junge Menschen gründen oder ein Familienunternehmen übernehmen wollen. „Ich will fürs Unternehmertum begeistern“, sagt sie. Man müsse die Themen Wirtschaft und Unternehmerbild stärker in den Schulen verankern, um bei den jungen Menschen dafür Interesse zu wecken.

Sie freut sich darüber, dass mehr Frauen die Nachfolge in Familienunternehmen – auch in männerdominierten Branchen – übernehmen. „Das hat auch damit zu tun, dass die Väter ihren Töchtern mehr zutrauen“, sagt sie. Weil allerdings mehr als 300 000 Kitaplätze für unter Dreijährige fehlten, müssten sich viele Frauen immer noch zwischen Familie und Karriere entscheiden. „Beides muss möglich sein, da müssen wir an der Betreuungsinfrastruktur und an den Rollenbildern arbeiten “, findet sie.

Aufsichtsrätin bei der Optikerkette Fielmann

Röser, die Internationale Betriebswirtschaft studiert und später noch ein Aufbaustudium im Bereich unternehmerische Verantwortung an der Hochschule Luzern draufgesetzt hat, weiß, was es heißt, Dinge voranzubringen und mit Ausdauer dabeizubleiben. Ihr Vater traut ihr das zu, denn sie ist seine designierte Nachfolgerin der Zementrohr- und Betonwerke Karl Röser & Sohn in Mundelsheim (Kreis Ludwigsburg). Zudem arbeitet sie in der Geschäftsführung der zur Röser-Unternehmensgruppe gehörenden Röser FAM und ist Start-up-Gründerin.

Neben ihrem Engagement im Verband ist Röser seit 2020 jüngstes Mitglied im Aufsichtsrat der Optikerkette Fielmann und ist auch im Beirat der Deutschen Bank AG aktiv. Zudem ist sie stellvertretende Vorsitzende der Ludwig-Erhard-Stiftung und im Vorstand der Wertekommission – der „Initiative Werte Bewusste Führung“.

Preisträgerin für „Preis für die Soziale Marktwirtschaft“

Auch die Soziale Marktwirtschaft, für deren Engagement sie nun ausgezeichnet wurde, ist ihr ein wichtiges Anliegen. „Gerade jetzt“, so Röser „zeigt sich die soziale Markwirtschaft in ihrer vollen Kraft. Sie ist ein Erfolgsmodell und hat unser Land bereits nach dem zweiten Weltkrieg aus Trümmern in ein Wirtschaftswunder geführt.“ Sie gebe den Schwächsten Rückhalt sowie allen Aufstiegschancen und die Freiheit sich zu entfalten. Diese Prinzipien seien gerade bei den aktuellen Herausforderungen von entscheidender Bedeutung für die Gesellschaft und die Wirtschaft, sagt Röser.

Wie sie alles unter einen Hut bekommt? „Man braucht ein gutes Zeitmanagement und muss Prioritäten setzen“, sagt sie, „und man muss auch Nein sagen können.“ Unterstützung bekommt sie auch von der Familie, die ihr bei vielem den Rücken frei hält. Auch ihre Schwester ist im Familienunternehmen dabei. „Ich bin leidenschaftliche Unternehmerin, werde aber auch politisch engagiert bleiben“, sagt Röser. Beides ist ihr wichtig.

Ob noch Zeit bleibt für Abende auf der Couch? „Die gibt es“, kontert sie prompt.

Preis für Soziale Marktwirtschaft

Preis
Mit dem Preis Soziale Marktwirtschaft würdigt die Konrad-Adenauer-Stiftung jährlich eine Persönlichkeit, die sich in herausragender Weise für die Soziale Markwirtschaft eingesetzt hat. Der undotierte Ehrenpreis wurde in diesem Jahr zum 19. Mal verliehen.

Preisträger
Aus dem Südwesten gab es schon einige Preisträger in den vergangenen Jahren – darunter Familienunternehmerin Brigitte Vöster-Alber, die jahrelang an der Spitze des traditionsreichen Leonberger Unternehmens Geze (Leonberg) stand, der einstige und mittlerweile verstorbene Trumpf-Gesellschafter Berthold Leibinger, die Familienunternehmer und Geschwister Hans Peter Stihl und Eva Mayr-Stihl, die im April diesen Jahres gestorben ist, sowie der gebürtige Reutlinger und einstige BASF-Chef Jürgen Hambrecht.

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