InterviewJunges Chorprojekt in Freiberg/Neckar „Singen ist nicht out“

Der Freiberger Singkreis möchte junge Menschen fürs Singen begeistern und wirbt auf seiner Facebookseite unter anderem mit diesem Bild. Foto: privat
Der Freiberger Singkreis möchte junge Menschen fürs Singen begeistern und wirbt auf seiner Facebookseite unter anderem mit diesem Bild. Foto: privat

Dem Singkreis in Freiberg fehlen die jungen Mitglieder. Ein neues Projekt mit jungem Chorleiter und modernem Liedgut soll jetzt die Jugend fürs Singen begeistern.

Ludwigsburg: Philipp Obergassner (pho)
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Freiberg/Neckar - Was es nicht alle für wissenschaftliche Studien zum Thema Gesang gibt: so soll Singen wahlweise gesund sein, glücklich machen oder sogar den Sänger klüger werden lassen. In Freiberg am Neckar sind einige Hobby-Sänger derzeit aber nicht besonders froh: die Mitglieder des Chors Cantaris, der vor 23 Jahren gegründet wurde, sind mit ihrem Verein gealtert – und frisches Blut fehlt. Weil man sich um den Nachwuchs sorgt, will man die Jugend jetzt mit einem neuen Projekt für Gesang begeistern. Cordula Sußmann vom Singkreis Freiberg erklärt, wie das klappen soll.

Frau Sußmann, Sie wollen ein Chorprojekt mit jungen Menschen starten. Kann das gutgehen? Singen junge Menschen heute noch?
Ich hoffe doch. Das TV-Format „The Voice of Germany“ zeigt ja, dass Singen nicht out ist. Wir gehen mit unserem Projekt aber einen anderen Weg und wollen junge Menschen zwischen 18 und 35 Jahren dafür begeistern, in der Gruppe zu singen. Einzeleinlagen per Solo sind aber auch möglich.
Das Projekt heißt „Voices of Freiberg“ und ist damit klar an die TV-Show angelehnt.
Nicht ganz. Wir haben uns aus rechtlichen Gründen umbenannt in „Voices in Freiberg“. Wir proben nämlich in Freiberg.
Das bedeutet, ich darf auch mitsingen, wenn ich kein Freiberger bin?
Es darf jeder mitmachen, der den Weg zu uns auf sich nimmt. Es wird auch kein Casting wie bei „The Voice of Germany“ geben.
Ich muss also auch nicht singen können?
Ich formuliere es mal so: Wenn man von sich selbst weiß, dass man die Töne nicht richtig trifft, dann ist unser Projekt nicht der Kurs, bei dem man es lernt.
Das Projekt ist auf einen Auftritt beim Jahreskonzert des Freiberger Chors Cantaris zugeschnitten. Es wird aber keine Mitgliedschaft und kein dauerhaftes Engagement vorausgesetzt. Wollen Sie damit den Bindungsängsten der jüngeren Generation entgegenkommen?
Genau. Junge Menschen von heute schätzen Flexibilität viel stärker. Vor 23 Jahren, als wir den Chor Cantaris als jungen Chor des Singkreis Freibergs gegründet haben, waren Vereine noch nicht so out wie heute. Damals kamen zum ersten Probesingen 25 Frauen und ein Mann. Der Mann kam dann nicht mehr (lacht). Mittlerweile haben wir aber ein ausgewogenes Stimmenverhältnis.
Für den Fall, dass das Projekt gelingt: Ist danach Schluss mit „Voices in Freiberg“?
Es wird nach dem Abschlusskonzert für alle Beteiligten noch einen separaten Abend zum Ausklang geben. Dort werden wir dann ein Resümee ziehen und uns fragen, ob wir in dieser Konstellation weitermachen oder einen eigenen, jungen Chor gründen wollen.
Der Chorleiter von „Voices in Freiberg“ ist selbst erst 27 Jahre alt.
Wir haben mit Erwin Muntaniol einen Leiter gefunden, der genau ins Format passt. Er leitet bereits zwei andere Chöre im Landkreis: die Pflug-Singers in Pflugfelden und den Gospelchor „Voices of Joy“ in Remseck-Hochdorf. Er ist studierter Chorleiter und spielt auch Geige und Bratsche in mehreren Ensembles. Von ihm kamen auch die Vorschläge der Songs. Es sollen moderne Titel geprobt werden, beispielsweise „Happy“ von Pharell Williams oder „Skyfall“ von Adele.
Wie stark ist das Interesse?
Wir brauchen mindestens zwölf Teilnehmer, weil wir auch mindestens dreistimmig singen wollen. Bislang haben sich aber nur sieben Interessenten gemeldet – alle weiblich. Offenbar finden Männer Singen eher uncool.
Dabei wäre das doch die optimale Gelegenheit, Frauen kennenzulernen.
Stimmt. Ich versuche ja auch, meinen Sohn von der Teilnahme zu überzeugen (lacht).




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