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„Jungleland“ von Pale Heart Forsch voran in die Pophistorie

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Die Stuttgarter Band Pale Heart huldigt dem Hardrock der frühen Siebzigerjahre – was zusammen mit der Aufnahmetechnik von heute großes Pop-Kino ergibt. Am Freitag stellt das Quartett sein Album „Jungleland“ in Stuttgart vor.

Das Cover des Pale-Heart-Albums „Jungleland“ Foto: Stone Free Records
Das Cover des Pale-Heart-Albums „Jungleland“ Foto: Stone Free Records

Stuttgart - Kürzlich hat der SWR die Stuttgarter Band Pale Heart besucht und sie zum Thema „Nostalgie“ befragt. Warum sie Musik machen würden, die grob in den frühen Siebzigern verortet sei? Die Antwort, kurz gefasst: Weil der Sound halt geil ist. In unserem „Soundcheck“ hat die Band vor anderthalb Jahren das Debütalbum der Allman Brothers als ihr Lieblingsstück Musikgeschichte genannt: bitte einmal forsch voran in die Pophistorie.

Damit ist schon einmal klar, wo das neue Album „Jungleland“ zu verorten ist und worauf man hören könnte. Klangliche Innovationen sind da weniger im Fokus als entweder zitatereicher oder einfach geschmeidig rollender Hardrock. Dass Marc und Nico Bauer, dem bleichen Doppelherz dieser Band, bei jeder Akkordfolge -zig Songs vor dem inneren Auge aufscheinen, darf angenommen werden. Deshalb ist zu fragen: Kriegt dieses Album sie alle? Also die alteingesessenen Bluesrockfans in den Liveclubs genannten Bluesrockvereinsheimen draußen in der Region Stuttgart, und die immer wieder aufblitzende junge Anhängerschaft retrorockender Muckerexzesse?

Zunächst darf wie immer jeder selbst urteilen – hier das erste Video zum auf Stone Free Records erschienenen Album:

Man hört und sieht: diese Band will beeindrucken, mit Musik und Material. Die Gigs der Band gleichen regelmäßig einer Leistungsschau der Musikalienindustrie, wie dieses Bild unterstreicht. In kleinen Läden wie dem Danziger Stüble (damals noch unter anderem Namen) füllen Instrumente, Verstärker und Musiker schon einmal den halben Laden aus. Schon deshalb drängt diese Band auf die großen Bühnen.

Die Musik gibt das nach Ansicht des Rezensenten auch definitiv her. Pale Heart behandeln die klassischen Topoi der Rockmusik: verzweifelte Seelen, enttäuschte Liebe, Stimmungsbilder zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt, zum Ende ein rockoperhaftes Finale mit „Transcendence“. Da ist alles dabei, inklusive Vintage-Synthesizern und Gitarrenexzessen, umsichtig aufgenommen und gemixt von Jens-Peter Abele. Die Musik ist alte Schule, der Sound der Platte zeitgemäß und das Album besonders am Kopfhöerer oder laut und mit guter Anlage ein Hörvergnügen. Die Refrains laufen einem genauso umstandslos rein wie die Instrumentalsoli und die schmalzige Streicher-Soundfläche in „Little World“ sei Nico Bauer auch verziehen.

Neuer Name, neue Musiker

Das musikalisch tadellose Album hat einen einzigen Geburtsfehler: inzwischen hat ein Musiker (der Schlagzeuger Sebastian Neumeier) die Band verlassen und zwei neue (Marvin Schaber am Schlagzeug sowie Jeff Jefferson am Bass) sind dazugekommen. Vor zwei Jahren hat sich die Band zudem von White Daze in Pale Heart umbenannt. Immerhin hat sich der Sound damals nicht grundlegend geändert.

Unsere Empfehlung wäre dennoch, die Band auf jeden Fall live anzusehen. Am Freitag besteht die Gelegenheit bei der Release-Party im Merlin, übrigens bei freiem Eintritt. Das schont den Geldbeutel, sodass bei Gefallen hinterher „Jungleland“ erworben werden kann – fast schon obligatorisch auf Vinyl, und das sogar in zwei Varianten.

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