Derzeit herrscht kein Freibadwetter. Ist das schlimm? Nein, argumentiert unser Autor anhand der Daten aus der Klimazentrale – denn heiße Tage gibt es ohnehin zu viele.

Digital Unit: Jan Georg Plavec (jgp)

Welches Wetter ist eigentlich normal? Diese Frage stellt sich derzeit oft, zum Beispiel nach der Rekordhitze mit fast 38 Grad in der Stuttgarter Innenstadt am 19. Juni. Solche Werte sind jedenfalls nicht normal. Gerade noch im Bereich des Erwartbaren liegen zu dieser Jahreszeit 30 Grad – aber auch nur, wenn man die letzten dreißig Jahre betrachtet und nicht das, was die heute 60- bis 70-Jährigen in ihrer Jugend kennengelernt haben.

Die Daten stecken in unserer Klimazentrale. Mit dem Projekt schauen wir auf Wetterdaten der letzten sechs Jahrzehnte in der Metropolregion Stuttgart und vergleichen sie mit den aktuellen Messwerten – täglich aktualisiert.

Das neue und alte Normal

In den 1960er bis 1980er Jahren waren 30 Grad im Juni eine absolute Seltenheit, wie auch die Berichterstattung aus der damaligen Zeit zeigt. Als am 18. Juni 1977 ein sintflutartiger Starkregen über Stuttgart niederging, wurde in der Zeitung als ein Grund „Überhitzung“ angegeben – damals empfand man 28 Grad Mitte Juni als viel zu heiß empfunden.

So gesehen ist das Wetter der letzten Tage das, was die heutige Eltern- und Großelterngeneration als normal empfinden dürfte – zwar kein „herrliches Freibadwetter“, wie man die Hitze gern wohlwollend beschreibt, dafür aber auch kein Hitzestress für die Menschen und die Natur.

Dank der Niederschlage der vergangenen Tage ist auch die Regenmenge wieder einigermaßen in dem Bereich, den die Pflanzen in dieser Jahreszeit gewohnt sind. Und auch hier: Es ist kein Wetter, bei dem man sich zum Grillen trifft. Dafür reduzieren die Niederschläge aber auch die Waldbrandgefahr.

Schon 29 Sommertage in Stuttgart

In früheren Jahren hat man es möglicherweise eher genossen, wenn im Juni über einen längeren Zeitraum Freibadwetter geherrscht hat. Man spricht von Sommertagen, wenn die Temperatur 25 Grad oder mehr erreicht. Nach mittlerweile 29 Sommertagen in der Stuttgarter Innenstadt und 20 in den höher gelegenen Stadtbezirken dürfte es künftig eher als erfreuliche Ausnahme gelten, wenn das frühsommerliche Wetter mal so ist, wie man es früher kannte.

Die Klimazentrale beantwortet tagesaktuell die Frage, ob Temperatur und Niederschlag normal sind. Online finden Sie diese und viele weitere Wetterdaten, aufbereitet für Ihren Ort für rund 600 Postleitzahlgebiete in und um Stuttgart. Automatisch erstellte Grafiken und Texte erklären so den Zusammenhang zwischen Wetter und Klimawandel.