Jurorin beim Ehrenamtspreis Stuttgarter des Jahres „The Voice“ hat ihr Leben verändert

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Mary Summer investiert das durch die Show „The Voice of Germany“ verdiente Geld in Bildung und freut sich auf die Jury. Ehrenamtliches Engagement ist für sie einer der Pfeiler unserer Gesellschaft.

Mary Summer hatte als Zweitklässlerin ihren ersten Solo-Auftritt bei einem Dorffest in Uhlbach und  mit 18 Jahren ihre eigene Band. Foto: Getty
Mary Summer hatte als Zweitklässlerin ihren ersten Solo-Auftritt bei einem Dorffest in Uhlbach und mit 18 Jahren ihre eigene Band. Foto: Getty

Stuttgart - Zwischen der Bühne von „The Voice of Germany“ in Berlin und der Hauptstadt des Senegal, Dakar, liegen Welten. Für Mary Summer nicht nur in geografischer, sondern auch in vielerlei anderer Hinsicht. Hier der vordergründige Glamour mit einem Millionenpublikum an den Fernsehgeräten, dort die manchmal mühsame Aufklärungsarbeit in Schulen oder auch einmal im Goethe-Institut, dass das Leben in Deutschland doch nicht so paradiesisch ist, wie es manche Schlepperbanden glaubhaft machen wollen. Die 27-Jährige, die in diesem Jahr über die Stuttgarter des Jahres mitentscheidet, hat beides erlebt, erlitten und gelebt. Der Ehrenamtspreis Stuttgarter des Jahres wird von der Stuttgarter Versicherungsgruppe und der Stuttgarter Zeitung ausgelobt.

Junge Oper, eigene Band – und dann Sozialpädagogik

Mary Summer, Jahrgang 1990, wuchs in einer Adoptivfamilie auf, „weil meine leibliche Mutter nicht die Unterstützung hatte, die sie gebraucht hätte“, wie sie in einem Gespräch mit der Stuttgarter Zeitung sagte. Das hat sie mindestens genauso geprägt, wie die Musik, die für sie so wichtig ist. Als Zweitklässlerin hatte sie ihren ersten Soloauftritt bei einem Dorffest in Uhlbach; im Jugendorchester des Musikvereins spielte sie später Tenorhorn; sie gehörte zum Ensemble der Jungen Oper, hatte mit 18 ihre erste eigene Band.

Sie hat aber nicht etwa Musik studiert, sondern Sozialpädagogik mit den Schwerpunkten Psychologie und Philosophie. „Andere zu unterstützen, erfüllt viel mehr, als selbst im Rampenlicht zu stehen“, sagt sie heute, nach der „The Voice“-Erfahrung. Die Künstlerin und Pädagogin fing früh damit an, betreute einen Kinderchor in Uhlbach, gründete 2011 die gemeinnützige Organisation „Music for Life“, organisierte Projekte für und mit Kindern in Deutschland, Kenia, Südafrika und Kambodscha. Und sie arbeitete als „Personal Life Coach“ und psychologische Beraterin in ihrer Privatpraxis an der Wagenburgstraße.

Zum ersten Casting ging sie heimlich

Ihr Leben sollte ein buntes Kunstwerk sein, schon mit Mitte 20 richtete sie es entsprechend vielfältig ein – und dann kam „The Voice of Germany“, jene mit so vielen Träumen, Hoffnungen und auch Enttäuschungen verbundene Musiktalente-Show von ProSieben. Schon als Zwölfjährige hatte Mary Summer davon geträumt, einmal bei der Konkurrenzshow „Deutschland sucht den Superstar“ mitzumachen. Aber ihre Adoptivmutter wollte das nicht.

Später sah auch Mary selbst diese Art der Fernsehunterhaltung kritisch: „Castingshows sind das Gegenteil von dem, was ich eigentlich mit Musik verbinde und was ich in der Arbeit mit den Kindern vermittle“, sagte sie kurz vor ihrem ersten Auftritt in einer der Live-Shows im Dezember 2015. Aber Freunde und Bekannte überzeugten sie, es doch einmal zu probieren. Einen Kindheitstraum vergisst man halt nie so ganz.

Sie ging heimlich zum ersten Casting, kam immer weiter, wurde erst von Michi Beck und Smudo von den Fantastischen Vier, dann von Rae Garvey gecoacht und kam bis ins Halbfinale. „Insgesamt hat sich in dieser Zeit der Fokus verändert“, sagt sie heute. „Während ich vorher mit anderen Menschen beschäftigt war, in der Beratung und mit den Kindern, ging es jetzt eben um mich. Das war ungewohnt und auch kein schönes Gefühl. Ich habe mich nicht wohl gefühlt.“ Andererseits: „Die Live-Shows waren eine tolle Erfahrung und später die Deutschlandtournee war auch der Wahnsinn.“ Sie musste raus aus ihrer Komfortzone und sei erwachsener, reifer geworden. Und sie bekam mehr Aufmerksamkeit, für sich und für ihre sozialen Projekte.

Viel gefragt als Studiosängerin

Das Geld, das sie durch „The Voice“ verdiente, investierte Mary Summer in ihre Weiterbildung. Sie macht gerade per Fernuni in Hamburg einen Master in Wirtschaftspsychologie, weil sie glaubt, dass vielen Menschen mit sozialer Ader das Verständnis für die Wirtschaft fehle. Da will sie Brücken schlagen. Außerdem ist sie seit „The Voice“ viel als Studiosängerin und auch für Firmenveranstaltungen gefragt. Sie verbringt viel Zeit in Studios in Berlin oder für das Studium in Hamburg; ihren Uhlbacher Kinderchor musste sie deswegen schweren Herzens aufgeben. Ihre Beratungspraxis läuft aber weiter und auch ihr soziales Engagement.

Vor einigen Monaten war sie im Auftrag des Auswärtigen Amtes mit einem sechsköpfigen Team um Saliou Gueye, den jetzigen Koordinator für kommunale Entwicklungszusammenarbeit in Ludwigsburg, in Dakar. Summer: „Es gibt viel zu viele junge Menschen, die dort ihr gutes Leben einem falschen Traum opfern. Wenn sie es überhaupt bis nach Deutschland schaffen, merken sie erst, dass es nicht das Paradies ist, das sie sich erträumt haben und von dem in der Heimat viele sprechen. Wenn die Menschen wüssten, was sie erwartet, würden sie nicht ihr Leben aufs Spiel setzen.“ Das versuchte sie als Moderatorin, Pädagogin, Sängerin und Fotografin zu vermitteln.

Auf ihre Rolle als Jurorin beim Stuttgarter des Jahres freut sich Mary Summer. „Ich halte ehrenamtliches Engagement für einen wichtigen Pfeiler unserer Gesellschaft“, sagt sie. „Es wäre großartig, wenn weitere Menschen durch diese Aktion dazu inspiriert werden, auch selbst aktiv einen Beitrag zu leisten.“

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