JVA Bruchsal Justiz untersucht zweiten Todesfall

In der JVA kam es zuletzt zu zwei Todesfällen. Foto: dpa
In der JVA kam es zuletzt zu zwei Todesfällen. Foto: dpa

Zwei tote Häftlinge binnen weniger Monate: Das Gefängnis Bruchsal steht wieder im Fokus der Öffentlichkeit - und Justizminister Stickelberger unter Druck.

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Bruchsal - Nach dem Hungertod eines Häftlings im Gefängnis Bruchsal hat die Staatsanwaltschaft Untersuchungen wegen eines zweiten Todesfalls eingeleitet. Ein am Donnerstag gestorbener Häftling erlitt sehr wahrscheinlich einen Herzinfarkt. Konkrete Hinweise auf Fehler innerhalb der Haftanstalt gebe es nicht, berichtete die Staatsanwaltschaft. Es wird aber überprüft, wie der Mann medizinisch behandelt wurde.

Das Justizministerium muss sich nun mit zwei Todesfällen in dem Gefängnis binnen weniger Monate beschäftigen. Zuvor war in Bruchsal ein Mann in Einzelhaft gestorben, er war zuvor im Hungerstreik.

Vermutlich Herzinfarkt erlegen

Aus dem vorläufigen Obduktionsergebnis zu dem Todesfall am Donnerstag geht hervor, dass der Mann wahrscheinlich einen Herzinfarkt hatte. Das teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Karlsruhe am Freitag mit. Wahrscheinlich sei der Mann nach dem Infarkt gestürzt. Dabei habe er sich dann wohl einen mehrfachen Schädelbruch zugezogen. Ein genaueres Gutachten steht noch aus. Ob der Häftling rechtzeitig medizinisch versorgt worden sei, werde noch geprüft.

Für die JVA Bruchsal und Justizminister Rainer Stickelberger (SPD) dürfte die Sache trotzdem unangenehm sein, weil es sich bereits um den zweiten Todesfall in Bruchsal binnen weniger Monate handelt. Im August war ein Häftling in Einzelhaft gestorben, in der er wegen seiner Aggressivität seit längerem saß. Stickelberger war erst zehn Tage nach dem Tod des Gefangenen informiert worden. Ein Gutachten ergab, dass der Häftling verhungert ist. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in diesem Fall wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung gegen den vorläufig suspendierten Anstaltsleiter und eine Ärztin.

In dem Fall von Donnerstagabend starb ein 52 Jahre alter Gefangener im Flur der Krankenabteilung, in der er sich wegen Schmerzen in der Brust aufhielt. Er war mit einer stark blutenden Wunde am Hinterkopf am unteren Ende einer Treppe gefunden worden. Der Mann hatte in Bruchsal mehrere Ersatzfreiheitsstrafen verbüßt, das heißt, er saß eine Freiheitsstrafe ab, anstatt Geldstrafen zu zahlen.

Stickelberger spricht sein Mitgefühl aus

Stickelberger sagte, sein Mitgefühl gelte vor allem den Angehörigen des Verstorbenen. Die Staatsanwaltschaft gehe der Frage nach, ob alle notwendigen medizinischen Maßnahmen rechtzeitig getroffen worden seien. „Im Interesse der Bediensteten im Justizvollzug, die Tag für Tag eine schwierige Arbeit zu leisten haben, hielte ich es für hilfreich, wenn in der Öffentlichkeit keine vorschnellen Vorverurteilungen getroffen würden“, mahnte er.

Der CDU-Justizexperte Bernhard Lasotta bekräftigte am Freitag seine Forderung nach einer vollständigen Aufklärung des Falls. Die CDU-Landtagsfraktion hat von der grün-roten Landesregierung bereits Auskunft über die medizinische und psychiatrische Versorgung in den baden-württembergischen Gefängnissen verlangt. FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke sagte, nicht jeder Todesfall sei ein Indiz für Defizite in der Justiz. „Es ist aber gut, dass bei unklaren Todesfällen in baden-württembergischen Justizvollzugsanstalten Staatsanwaltschaften und Polizei automatisch tätig werden.“ Die FDP erwarte, dass Stickelberger im Ständigen Ausschuss des Landtags über das Ergebnis berichte.

Unsere Empfehlung für Sie