Kabarett in Renningen Der Kadett liegt unterm Bierzelt

Von Thomas K. Slotwinski 

Politik, Klamauk, Heimathassliebe, Blues und Anarchie: Maxi Schafroths Allgäu-Geschichten sind brillant schräg.

Die Güllegrube ist die Bad Bank des Allgäu: Maxi Schafroth in Renningen. Foto: factum/Bach
Die Güllegrube ist die Bad Bank des Allgäu: Maxi Schafroth in Renningen. Foto: factum/Bach

Renningen - Fahren Sie ein großes Auto, idealerweise einen SUV? Mit LEO-Kennzeichen oder LB, zur allergrößten Not auch mit BB? Tragen Sie einen Daunensteppjacke? Dann sind Sie im Allgäu gerne gesehen. Quasi als zahlungskräftiger Entwicklungshelfer. Wer das noch nicht wusste: Maxi Schafroth hat’s verraten.

Wer das ist? Ein Bauernbub aus Stefansried. 78 Seelen, die sich irgendwie alle ähneln. Aber darüber spricht man nicht so gerne, dort im Dorf in der Nähe von Ottobeuren. Unterallgäu. Strukturschwaches Gebiet nennt sich so was heute.

Als Maxi vor 30 Jahren noch ein kleiner Bub war, sind die Leute einfach arme Bauern gewesen, die rund um die Uhr geschafft haben. Und wenn dann die Touris mit ihren fetten Autos aus Stuttgart oder Leonberg gekommen sind, wurden die Kinder zum Betteln rausgeschickt.

Die Armutsgrenze verläuft längs des Lechs

Das und jede Menge andere ländliche Skurrilitäten erzählt dieser Maxi bei seinem Auftritt in der Stegwiesenhalle. Der Renninger Verein „Kult & Fun“ hat mit dem Engagement des Kabarettisten aus dem Allgäu einmal mehr den richtigen Riecher gehabt. Was Schafroth in mehr als zweieinhalb Stunden, unterstützt von seinem Gitarristen Markus Schalk (natürlich ein Hofnachbar) abzieht, ist eine fulminante Mischung aus politischem Kabarett, Heimathassliebe, Klamauk, Blues und Anarchie.

Sind doch die Allgäuer im Gegensatz zu den schnöseligen Oberbayern – die Armutsgrenze verläuft längs des Lechs – noch ein Urvolk, das sich seine eigenen Regeln aufgestellt hat. Die Oma verbrennt die alten Reifen und die Gummistiefel hinterm Haus. Dann sind sie nicht nur weg, sondern das violett lodernde Asbestfeuer sorgt auch noch für einen schönen Schein.

Für die größeren Entsorgungsfälle wird halt ein Grube ausgehoben, da passt sogar das Wrack des alten Opel Kadetts rein. Erde drüber, Bierzelt drauf, der Fall ist erledigt.

Vergessenmachen durch Bierkonsum

Apropos Bier: Das wird in Bayern nicht nur getrunken, sondern ist Steuerungsinstrument. „Das systematische politische Vergessenmachen durch Bierkonsum“, nennt Schafroth das und schlüpft mal eben in die Rolle eines Staatssekretärs mit wichtig machendem Filzkittel, um den Ministerpräsidenten zu entschuldigen: „Der Horst Seehofer wäre gerne gekommen, aber er ist in Starnberg bei einer Minaretteinweihung.“ War natürlich ein Witz, in Wirklichkeit spielt Seehofer daheim in Ingolstadt mit seiner großen Modelleisenbahn, wo er eine Söder-Puppe von einem Regionalexpress überrollen lässt.

Kein Wunder, dass nicht nur die Schwaben ins urige Allgäu fahren, um sich vom stressigen Geldverdienen zu erholen. Von überall kommen die Touristen, und selbst Manager suchen Erfüllung durch Einfachheit. Die Wurzelbürste auf dem Markt kommt einem Kunstwerk gleich, und die Güllegrube ist die Bad Bank des Allgäus.