Kabarettist im Renitenztheater Was Sebastian Schnoy an Elon Musk gut findet

Sebastian Schnoy Foto: Kerstin Pukall

Der Kabarettist Sebastian Schnoy gibt sich im Renitenztheater als überzeugter Europäer. Aber auch seine Ironie kennt keine Grenzen.

Lokales: Matthias Ring (mri)

Manche Biografien von Kabarettisten der älteren Schule ähneln denen von Politikern der jüngeren Generation. Auch Sebastian Schnoy, Jahrgang 1969, hat viel studiert – Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Politik und Psychologie –, aber keinen Abschluss. Karriere hat er dennoch gemacht: 130 Tage im Jahr steht er auf der Bühne, hat drei „Spiegel“-Bestseller geschrieben, wird von Unternehmen als Keynote-Speaker gebucht und war auch bei Markus Lanz. Mehr geht in Deutschland eigentlich nicht.

 

Das Für und Wider der Digitalisierung

In seinem neuen Programm „Die wunderbare Welt der Demokra KI“ ist das Für und Wider der Digitalisierung der rote Faden, der aber mit sprunghaften Einschüben viel weiter gesponnen wird. Von wegen manche Politiker sind die besseren Kabarettisten – das kann umgekehrt genauso gelten. Sebastian Schnoy lässt sich nicht so einfach ausrechnen, auch nicht mit noch so vielen Nullen und Einsen beziehungsweise „nichts und etwas“, wie er das binäre System erklärt, mit dem sich schon im 17. Jahrhundert Gottfried Wilhelm Leibniz befasste.

Die Ironie kennt bei Schnoy keine Grenzen und regt zum Weiterdenken an. So hat er eine „differenzierte Sicht“ auf den „in Verruf geratenen“ Elon Musk, dem wir nicht nur blitzschnelle Überweisungen mit Paypal und Raketen, die wieder landen können, zu verdanken haben, sondern ebenso mit Neurolink die Option, sich Chips implantieren zu lassen. Schnoy wünscht sich das auch für Scholz („um Erinnerungen zu speichern“) und Baerbock („für englische Vokabeln“), vor allem aber für sich selbst, damit er nicht wieder sein Auto am Flughafen vergisst.

Nicht ganz spontan: Standing Ovations im Renitenz

Bei einer Powerpoint-Präsentation schlüpft er in die Rolle von Steve Jobs, um das neue iPhone 20 vorzustellen: ohne Touchscreen, wegen der fettigen Finger durch „German Bratwurst“, sondern mit Wählscheibelöchern, „always connected“ dank Spiralkabel, und die Dockingstation mit Sessel und integrierter Ablage ist für ihn voller Komfort. So ist das halt in einem Alter, in dem man Werbung für Treppenlifte und Sterbeversicherungen zugespielt bekommt – und für Waschmaschinen. Einmal online eine bestellt, denkt sich die dumme KI wohl: „Vielleicht ist es ein Sammler?“

Beinahe ernst wird Schnoy bei der „Begeisterung in der deutschen Kultur für Diktatur“. So ruft er zum Widerstand auf und dazu, täglich etwas Verbotenes tun. Zum Beispiel nach 19 Uhr grüne Flaschen in den Weißglascontainer werfen. Jeder habe eben einen kleinen Nazi in sich. Das merke er nicht nur bei Auftritten in Thüringen, wo er der Animation „ich will eure Hände sehen“ ein „beide“ hinterherschieben müsse, sondern auch auf der Autobahn, wo alle anderen Raser oder Schleicher seien. Als überzeugter Bürger „der Vereinigten Staaten von Europa“ fordert er am Ende sogar „mehr Brüssel, weniger Berlin“ und lässt das Publikum zu einer Hymne auf Europa mit der Melodie von „Azzurro“ aufstehen. Und das nicht nur, damit der Kritiker von Standing Ovations im Renitenztheater schreiben kann.

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