InterviewKabarettistin Lisa Fitz im Interview „Bei uns gibt’s mehr als nur öde Flachwitze“

Den Flüsterwitz erzählt man sich hinter vorgehaltener Hand: Lisa Fitz sagt aber auch laut, was ihr nicht in den Kram passt. Foto: Dominic Reichenbach
Den Flüsterwitz erzählt man sich hinter vorgehaltener Hand: Lisa Fitz sagt aber auch laut, was ihr nicht in den Kram passt. Foto: Dominic Reichenbach

Auf der Bühne steht Lisa Fitz seit ihrem zehnten Lebensjahr. Ihr derber Humor ist nicht jedermanns Sache, aber das macht der gebürtigen Schweizerin mit dem bayerischen Akzent nichts. Sobald es die Pandemie erlaubt, tritt die 69-Jährige auch in Schmiden auf.

Fellbach: Simone Käser (sk)

Fellbach - Von Altersmilde keine Spur: Die Kabarettistin Lisa Fitz prangert Missstände mit scharfer Zunge und viel Leidenschaft an. Von Corona lässt sie sich dabei nicht aufhalten, auch wenn ihr Auftritt beim „Kultour Schmiden Jubiläumsabend“ an diesem Samstag dem Virus zum Opfer fällt. Im Gespräch erzählt sie von Plänen, Geisterveranstaltungen und wie sie auf keinen Fall genannt werden will.

Frau Fitz, als Grande Dame der satirischen Unterhaltung nehmen Sie kein Blatt vor den Mund, egal ob es um Geschlechterfragen, Politik oder Gesellschaft geht – kein Thema ist vor Ihnen sicher. Darf man sich als Kabarettistin auch über Corona lustig machen?

Die Bezeichnung Grand Dame gefällt mir gar nicht, das klingt nach Zarah Leander oder Queen Mum und passt weder zu meinen Songs noch zu meinen Texten oder zum Image. Sinn des Kabaretts ist es ja, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Dem Dieter Hildebrandt hat mal ein Arzt geschrieben: „Ihnen sollte man Ihr freches Maul zunähen!“ Aber der Kabarettist muss sein „freches Maul“ behalten dürfen, sonst ist er ein stromlinienförmiger, glatter Aal. Und ja, man muss sich auch über Corona lustig machen dürfen. Es geht ja nicht gegen Erkrankte, sondern um die Situation drumherum – was sie mit uns macht, und wer sie so macht und wie man sie anders beziehungsweise das Beste aus ihr machen könnte.

Wirkt sich die Pandemie auf Ihre Arbeit aus oder funktioniert Kabarett auch als Geisterveranstaltung ohne Publikum, das an den richtigen Stellen lacht?

Ich mache keine Geisterveranstaltungen ohne Publikum, maximal beim Fernsehen. Wir sind wieder auf Tour, aber mit weniger Leuten wegen der Corona-Regeln. Ich kann mit und ohne. Ich muss keine Lacher als Bestätigung haben. Aber natürlich ist ein voller Saal mit gut gelaunten Zuschauern am allerschönsten. Wichtig ist derzeit, dass es weitergeht, dass die Kultur lebt, dass Zuschauer den Mut haben zu kommen. Dafür läuft es eigentlich ganz gut.

Wer in den letzten Monaten daheim viel Zeit mit Fernsehen verbrachte, bekam den Eindruck: Fast jeder Feld-Wald- und-Wiesen-Komiker bekommt seine Plattform. Kann sich anspruchsvolles Kabarett überhaupt noch halten?

Kabarett war seit jeher eine Kunstform für Anspruchsvollere. Wir sind nicht bei der Volksmusik und nicht in der Schlagerbranche. Wir arbeiten für ein Publikum, das Freude an kritischer, wacher Unterhaltung hat, die – meines Erachtens – lustiger ist als öde Flachwitze und die die Gehirnaktivität stimuliert. Meine Kollegen Volker Pispers, Hagen Rether und Urban Priol sowie weitere haben auch in großen Hallen mit 1000 Zuschauern und mehr gespielt. Uns ist nur Corona dazwischengekommen.

Leider auch aktuell wieder. Eigentlich wären Sie mit Ihrem Programm „Flüsterwitz“ an diesem Samstag nach Schmiden in die Festhalle gekommen. Wie fühlt es sich an, wenn wegen Corona Veranstaltungen nicht mehr planmäßig stattfinden können?

Das ist natürlich sehr schade, man freut sich ja immer darauf und hat einen Termin fest eingeplant. Es wird aber einen Ersatztermin geben, wir suchen gerade. 2021 ist schon so gut wie voll. Es bleibt also die Vorfreude.

Was macht das mit einem Künstleretat, wie kalkuliert man da, wenn man wie aktuell ständig mit Planänderungen rechnen muss?

Wenn man sich auf Geplantes nicht verlassen kann, ist es auch mit dem Kalkulieren schwierig. Notfalls muss man an die Reserven gehen. Aber bislang hatte ich gottlob immer wieder genug zu tun, auch TV-Produktionen.

Sie haben schon vieles gemacht: Ihre Dschungelcamp-Teilnahme 2004 bezeichnen Sie rückblickend als Fehler. Was hatte Sie damals bewogen, diese Erfahrung mitzunehmen?

Es war damals die erste Staffel, und wir Teilnehmer wussten nicht, was konkret auf uns zukommt. Das Format wurde uns damals als „Spiele- und Abenteuer-Sendung in Australien“ verkauft. Aufgrund dieser verkürzten und irreführenden Beschreibung hatte ich mich damals darauf eingelassen. Aber es wäre schön, wenn man diesen Quatsch nach nunmehr 16 Jahren ruhen lassen könnte. Rest in Peace. In mehr als 50 Jahren Berufsleben sind nun mal auch Fehlentscheidungen dabei. Punkt.

Sie probieren gern Neues aus. Ihr aktuelles Programm heißt „Flüsterwitz“. Was dürfen die Zuschauer, wenn der Termin nachgeholt wird, hinter vorgehaltener Hand erwarten?

Zu viel will ich natürlich nicht verraten, dafür müssen Sie schon ins Programm kommen (lacht), aber mir ist es wichtig, dass dem Zuschauer neben guter Unterhaltung auch was zum Nachdenken geboten wird. In meinen Programmen bekommt der Verstand genauso viel Herausforderung wie die Lachmuskeln. Es gibt Politisches, Mann/Frau-Themen und schöne Songs!

Sie sind Schauspielerin, Autorin, Kabarettistin und geben auf der Bühne richtig Gas. Haben Sie schon jede Menge neue Pläne, in welche Rolle Sie als Nächstes schlüpfen wollen, um Missstände mit scharfer Zunge anzuprangern, oder sind Sie mittlerweile ein wenig altersmilde geworden?

Ich habe immer Pläne! Und nein, altersmilde bin ich nicht, im Gegenteil. Mit den Jahren bekommt man immer mehr Wissen über und Einblick in die Hintergründe der Politik und der Finanzwelt. Und das ist so spannend, das will ich gerne auch weiterhin in unterhaltsamer Form dem Publikum mitteilen.




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