Kabul Mindestens 61 Tote nach Selbstmordanschlag des IS

Bei einer Demonstration in der afghanischen Hauptstadt Kabul hat sich ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Foto: AFP
Bei einer Demonstration in der afghanischen Hauptstadt Kabul hat sich ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Foto: AFP

Die Terrormiliz Islamischer Staat schlägt beim Protestmarsch einer schiitischen Minderheit durch die afghanische Hauptstadt zu. Die Regierung hatte die Organisatoren eigenen Angaben zufolge zuvor vor einer potenziellen Anschlagsgefahr gewarnt.

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Kabul - Ein Selbstmordattentäter hat sich in der afghanischen Hauptstadt Kabul inmitten einer Demonstration in die Luft gesprengt und mindestens 61 Menschen getötet. 207 Menschen wurden bei dem Anschlag am Samstag verletzt, wie das afghanische Gesundheitsministerium mitteilte. Die Terrormiliz Islamischer Staat übernahm in einer Erklärung die Verantwortung. Vor der Demonstration warnte die Regierung die Organisatoren vor einer möglichen Terrorgefahr, wie ein Präsidentensprecher der Nachrichtenagentur AP sagte.

Der Angriff traf Angehörige der schiitischen Minderheit Hasara, die von den sunnitischen Extremisten des IS als Ungläubige angesehen werden. Sie wollten für eine Verlegung einer großen und von der Asiatischen Entwicklungsbank mitfinanzierten Stromtrasse durch ihre Heimatprovinz Bamian demonstrieren. Zuvor hatte sich der Verdacht gegen die afghanischen Taliban gerichtet, die dies aber zurückwiesen.

Warnung im Vorfeld

Zwei Selbstmordattentäter hätten sich den Demonstranten genähert, die sich auf dem Demasang-Platz versammelt hatten, um nach einem vierstündigen Protest dort ein Camp aufzuschlagen, wie Präsidentensprecher Harun Chachansuri sagte. Einer der beiden sei von der Polizei angeschossen worden, der andere habe seinen Sprengstoff gezündet.

Präsident Aschraf Ghani verurteilte die Tat in einer Erklärung und sprach von „Terroristen“, die den Anschlag verübt hätten. Friedliche Demonstationen seien das Recht eines jeden Afghanen, sagte er. Chachansuri sagte, Ghani wollte noch mit den Demonstranten zusammentreffen und eine Fernsehansprache halten. Die Organisatoren seien im Vorfeld von der Regierung gewarnt worden, dass eine Anschlagsgefahr bestehe, fügte er hinzu. Das habe die Auswertung von Geheimdienstmaterial ergeben.

Verstreute Leichenteile

Augenzeugen berichteten, nach der Explosion hätten Polizisten in die Luft geschossen, um die Menge zu vertreiben. Videos und Bilder zeugten von dem Horror und dem Chaos auf dem Platz, mit zahlreichen Leichen und verstreuten Leichenteilen.

Die millionenschwere Stromtrasse sollte ursprünglich durch Bamian im zentralen Hochland Afghanistans verlaufen, doch die vorherige Regierung in Kabul hatte sich für eine andere Strecke entschieden. Dadurch sehen sich die Hasara und ihre Provinz, eine der ärmsten des Landes, benachteiligt. Unter dem Regime der sunnitischen Taliban 1996 bis 2001 waren die Hasara im besonderen Maße verfolgt worden.

An einer ersten Demonstration mit demselben Ziel hatten im Mai Zehntausende teilgenommen. Kabul war für den Protestmarsch am Samstag weitgehend abgeriegelt worden. Politische Führer fehlten diesmal den Angaben zufolge.




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