Eine Mutter hat im Remsecker Streichelzoo Sonnenhof den Biss eines Ponys eingefangen. Foto: privat
Diese Woche war im Kreis Ludwigsburg tierisch was los – Käfer, Waschbären und ein Pony sorgten für Schlagzeilen. Die Ereignisse zeigen, dass in diesem dicht besiedelten Kreis die Konflikte zwischen Tier und Mensch zunehmen werden und es Verständnis braucht.
So viele tierische Nachrichten aus dem Landkreis innerhalb einer Woche ist eine Seltenheit. Am Dienstag wurde bekannt, dass der Japankäfer nach Kornwestheim eingeschleppt wurde, der es auf Obstbäume und Felder abgesehen hat. Dann meldete sich eine Mutter, deren Kind im Remsecker Streichelzoo Sonnenhof von einem Pony gebissen wurde – die Frau will Anzeige erstatten. Mufflonwidder Phil sorgt zudem im Favoritepark wegen seiner aufdringlichen Art für Aufsehen. Zu guter Letzt ärgern Waschbären wieder einmal die Steinheimer Bürgerinnen und Bürger. Laut Stadtjäger Volker Schiele könnten mittlerweile bis zu 400 Exemplare der invasiven Art in der Stadt leben.
Doch nicht nur der Japankäfer und der Waschbär breiten sich zunehmend aus. Auch die aggressiven Nilgänse und die Biberratte Nutria treten im Landkreis immer häufiger auf. Mehrere Grünen-Landtagsabgeordnete um den Vaihinger Markus Rösler machten in dieser Woche per Pressemitteilung auf das wachsende Problem aufmerksam.
Obwohl die Fälle ganz unterschiedlich sind, zeigen sie alle eines: Wenn der Mensch sich ausbreitet, durch immer schnelleren globalen Handel invasive Arten einschleppt und gleichzeitig mit Wohnungen und Industrieanlagen Grünfläche versiegelt, teilen sich immer mehr Tiere immer weniger Raum. Tier und Mensch kommen sich dadurch unweigerlich näher, die Scheu sinkt – und das Konfliktpotenzial steigt.
Der Mensch rückt den Tieren auf die Pelle
Das Interessante daran ist, dass obwohl wir Menschen doch diejenigen sind, die den Tieren auf die Pelle rücken, wir uns wundern und empören, wenn sie darauf reagieren. Der Mensch hat den Japankäfer und den Waschbären nach Deutschland gebracht und ist derjenige, der Tiere in den Zoo steckt und streicheln will. Eigentlich dürften wir uns nicht über die Konfrontation mit dem Tierreich wundern. So sieht das offensichtlich auch Sonnenhof-Betreiber Lutz Hörr, der gelassen auf den Ärger um sein Pony reagierte: „Wir haben Tiere auf unserem Hof, dass eines beißt, passiert schon mal.“
Klar, die Ereignisse dieser Woche sind für Bürger, Landwirte und Naturschützer problematisch – teils sogar gefährlich. Gleichzeitig ist es ein guter Zeitpunkt, um für ein wenig Verständnis zu werben. In einem immer schneller werdenden Alltag vergessen wir häufiger, dass wir unseren Lebensraum mit Tieren und Pflanzen teilen müssen.
Waschbären bedienen sich auch in den Gärten von Menschen. Foto: privat
Gleichzeitig wird die Anspruchshaltung des Menschen aufgrund immer praktischerer digitaler Lösungen anstrengender. Egal ob Fernsehen, die Work-Life-Balance, der Online-Shop oder auch im Journalismus – alles muss „just in time“, nach unseren Vorstellungen und Geschmäckern ablaufen. Diese Entwicklung ist gesellschaftlich bedenklich, mit Blick auf unsere Umwelt ist sie schlicht inkompatibel.