Vor einem Jahr fand am Schorndorfer Friedhof der erste Kaffee-Treff im Rems-Murr-Kreis statt. Jetzt hat man die Idee auch in Weinstadt-Großheppach und Plüderhausen aufgegriffen.

 Kaffeeduft auf dem Friedhof in Weinstadt-Großheppach (Rems-Murr-Kreis): Erstmals haben auf Initiative der Stadt sowie der evangelischen und katholischen Kirche Ehrenamtliche zum Kaffee-Treff eingeladen. Vor der Aussegnungshalle sind herbstlich dekorierte Klapptische und -stühle aufgebaut, an eine Biertisch als Theke wird als Heißgetränk auch Tee ausgeschenkt.

 

„Es ist schön sich in Gemeinschaft austauschen zu können“, freut sich eine Großheppacherin über das neue Angebot, das künftig einmal im Monat stattfinden soll. „Sonst sieht man sich meist nur zum Gießen im Sommer“, berichtet die Frau Anfang 60, die regelmäßig zur Pflege des elterlichen Grabs auf den Friedhof geht. Dabei komme sie manches Mal mit anderen Besuchern kurz ins Gespräch.

Menschen allen Alters bevölkern die Tische

Im Alltag fehle dafür allerdings oftmals die Zeit. Das Café auf dem Friedhof biete nun Gelegenheit dazu. So habe sie sich an diesem Sonntag nun mit einigen Mitbürgern schon ausführlicher unterhalten können, die sie sonst nur im Vorübergehen auf der Straße grüße. Zum nächsten Café will sie wiederkommen. Das hat sich die Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, fest vorgenommen. Zudem spiele sie mit dem Gedanken, sich ehrenamtlich einzubringen.

Doris Wagner hat sich dazu bereits entschlossen. Die 52-Jährige ist eine von zwölf ehrenamtlichen Helfern, die – in Viererteams aufgeteilt – im Wechsel die nächsten Cafétermine bestreiten wollen. Durch ihren Vater habe sie gemerkt, wie wichtig derartige Angebote sind. Nach dem baldigen Tod ihrer Mutter habe er eine Trauergruppe besucht. „Dadurch hat er viel Halt und Kontakte bekommen. Das fand ich cool“, erzählt die Großheppacherin. Und auch wenn das Café auf dem Großheppacher Friedhof keine Trauergruppe sei, so biete es Menschen, die plötzlich alleine sind, doch die Möglichkeit Menschen zu treffen, die vielleicht auch einsam sind. „Das möchte ich sehr gerne unterstützen.“

So hilft sie an diesem Sonntag nicht nur beim Kaffee und Tee kochen, sondern geht auch aktiv auf Friedhofsbesucher zu, um sie auf eine Tasse einzuladen. „Die allermeisten reagieren sehr aufgeschlossen“, berichtet Wagner, „nur eine Frau hat gemeint, dass es für sie nicht passend ist, auf dem Friedhof Kaffee zu trinken.“ Nicht nur Senioren kommen zum Friedhofscafé. Menschen allen Alters bevölkern die Tische, Alleinstehende ebenso wie Familien. Innerhalb der zweistündigen Veranstaltungszeit besuchen gut 100 Menschen das Café.

Premiere in Weinstadt-Großheppach wir gut angenommen

Christine Hug vom städtischen Amt für Familie, Bildung und Soziales freut sich, dass die Premiere so gut angenommen wird. Wie kam es zu dieser? Nachdem es den einmal jährlichen Seniorennachmittag nicht mehr gebe, habe man in allen fünf Stadtteilen gemeinsam mit örtlichen Vereinen und Organisationen nach neuen Veranstaltungsideen gesucht. Dabei sei es – inspiriert von Friedhofcafés in Schorndorf und Stuttgart – der Wunsch gewesen, Ähnliches für den Großheppacher Gottesacker zu organisieren. Nachdem auch die evangelische und die katholische Kirchengemeinde sich ideell und personell hinter den Vorschlag gestellt habe, habe sie von städtischer Seite her diesen gerne aufgegriffen, sagt Hug: „Die Stadt hat die Initiative ergriffen und die Grundausstattung mit Tischen, Stühlen und Kaffeemaschinen finanziert. Aber künftig soll das Café autonom laufen.“

  • Termine Der Kaffee-Treff auf dem Großheppacher Friedhof, Rebenstraße 15, in Weinstadt, findet auch über die Wintermonate statt – und zwar am 14. Dezember, 18. Januar und 22. Februar, jeweils von 14 bis 16 Uhr.

Plüderhausen hatte für die Totengedenktage zum Kaffee eingeladen

Andernorts findet die Idee bereits weitere Verbreitung. Der Förderverein Diakonie und Gesundheit Plüderhausen hatte für die Totengedenktage in diesem November zum Café am Friedhof eingeladen. „Wir wollen ein Gesprächsforum bieten“, erklärt der Vorsitzende Jürgen Höss auf Nachfrage. Dazu habe das Vorstands- und Beiratsteam des Vereins an Allerheiligen und am Ewigkeitssonntag am Plüderhausener Gottesacker als Pilotprojekt Kaffee ausgeschenkt – unterstützt vom Altenzentrum, das Kuchenspenden stiftete. Ob man weitere Café-Tage als regelmäßiges Angebot veranstalte, werde nun vereinsintern besprochen – allein an Allerheiligen besuchten rund 80 Menschen das Café am Friedhof.

100 bis 150 Menschen besuchen regelmäßig den Kaffee-Treff in Schorndorf

Kathrin Fischer kann aus ihrer Erfahrung heraus nur jeden dazu ermutigen, weiterzumachen. Seit einem Jahr – außer in den Wintermonaten – steht sie an jedem ersten Sonntag im Monat mit ihrem Café-Anhänger, mit dem sie sonst auf dem Wochenmarkt ist und für Firmenevents gebucht wird, vor dem Schorndorfer Friedhof. „Die Idee kam von einer Witwe“, erzählt Fischer. Zunächst habe sie abgelehnt, aber die Frau habe nicht locker gelassen. Jetzt ist sie froh, dass sie sich hat überreden lassen. „Für alleinstehende Menschen ist der Sonntag oft der schlimmste Tag der Woche. Aber durch das Café lernen sich Menschen kennen und treffen sich auf dem Friedhof wieder. Das ist das, was mich glücklich macht“, sagt Fischer. Inzwischen wird der Kaffee-Treff, der regelmäßig von 100 bis 150 Menschen besucht wird, vom Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration finanziell unterstützt.