Kaffeepflanze aus der Wilhelma Karlsruhe stolz auf ersten eigenen Kaffee

Von red/epd 

Geerntet, geröstet und gemahlen: Erstmals wurde in Karlsruhe Kaffee aus dem eigenen, lokalen Anbau verkostet. Und auch Stuttgart hat seinen Anteil daran.

Karlsruhe hat dank der Gewächshäuser im Botanischen Garten seine ersten Kaffeebohnen ernten und rösten können (Symbolbild). Foto: dpa
Karlsruhe hat dank der Gewächshäuser im Botanischen Garten seine ersten Kaffeebohnen ernten und rösten können (Symbolbild). Foto: dpa

Karlsruhe/Augsburg - Wenn in Karlsruhe Kaffeebohnen geerntet werden, liegt das nicht am Klimawandel, sondern an den guten Bedingungen der Gewächshäuser im Botanischen Garten. Die erste Ernte eines Kaffeestrauchs aus eigener Anzucht wurde dort am Dienstag verkostet. „Er schmeckt mild, leicht und hat ein Aroma, das an Erdnüsse erinnert“, sagte Gartenleiter Thomas Huber bei der Präsentation.

Die Kaffeepflanze stammt aus der Wilhelma in Stuttgart und wurde im letzten Jahr nach der Sanierung der Gewächshäuser im Botanischen Garten Karlsruhe eingepflanzt. Rund 1,6 Kilogramm gelblicher Kaffeekirschen wurden Ende Februar geerntet. Nach der Weiterverarbeitung blieben von der ersten eigenen Röstung der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg (SSG) laut Huber gerade einmal 230 Gramm übrig. Daher gibt es den Karlsruher Kaffee auch nicht zu kaufen.

Stolz auf den ersten eigenen Kaffee

„Trotzdem sind wir ungeheuer stolz auf unseren ersten eigenen Kaffee“, sagte Michael Hörrmann, Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. Im Schwetzinger Schlossgarten sei der Kaffeeanbau im 18. Jahrhundert so erfolgreich gewesen, dass damit der gesamte Kaffeebedarf des kurfürstlichen Hofes gedeckt werde konnte. „Dies werden wir nicht erreichen“, stellte er klar. Um in den kommerziellen Kaffeeanbau einzusteigen, sei der Aufwand zu groß.

Auch Finanzstaatssekretärin Gisela Splett (Grüne) schmeckte die Röstung aus Karlsruher Anbau: „Wir knüpfen damit an die Gärtnertradition der Schlossgärten an.“ Als Alternative empfahl sie fair gehandelten Kaffee aus dem baden-württembergischen Partnerland Burundi. Bereits im Mittelalter hätten in den Klostergärten Mönche und Nonnen des Mittelalters ihre botanischen Kenntnisse gepflegt, die bis in die Antike zurückreichten. Im Barock hätten dann auch die Gärtner der Schlossgärten ihr Spezialwissen eingesetzt. Neben Zitruspflanzen, Ananas oder Granatäpfeln seien weitere „Exoten“ wie Kaffeepflanzen gezüchtet worden.

Kaffee aus Äthiopien

Der ursprünglich aus Äthiopien stammende Kaffee kam erst Ende des 16. Jahrhunderts nach Europa. Der Augsburger Arzt, Botaniker und Entdeckungsreisende Leonhard Rauwolf (1535-1596) beschrieb 1582 als erster das Heißgetränk in seinem Buch „Aigentliche Beschreibung der Raiß inn die Morgenländer“. Darin erläuterte er den Genuss und die positive Wirkung des Kaffees, den er auch als besonders gut für den Magen bezeichnete. Das erste deutsche Kaffeehaus öffnete 1673 in Bremen seine Pforten.