Kai Häfner vom TVB Stuttgart Bundesliga-Torschützenkönig? „Wäre eine coole Sache“
Kai Häfner spricht über die Auswärtsschwäche des TVB Stuttgart, die Klasse von Simone Mengon und ein mögliches Comeback in der Handball-Nationalmannschaft.
Kai Häfner spricht über die Auswärtsschwäche des TVB Stuttgart, die Klasse von Simone Mengon und ein mögliches Comeback in der Handball-Nationalmannschaft.
Kai Häfner spielt im Dress des TVB Stuttgart eine überragende Saison in der Handball-Bundesliga. Experten fordern mit Blick auf die Heim-WM 2027 sein Comeback im Nationalteam. Wie sieht es der 36-jährige Linkshänder vor dem Heimspiel an diesem Sonntag (16.30 Uhr) gegen den TBV Lemgo Lippe selbst?
Herr Häfner, wie haben Sie das 29:29 zuletzt bei Schlusslicht SC DHfK Leipzig verarbeitet?
Das war irgendwie ein komisches Spiel, wir waren nicht ganz auf der Höhe, weder vorne noch hinten, und ich habe auch einen ordentlichen Stiefel zusammengespielt.
Sie blieben erstmals zumindest in dieser Saison ohne Feldtor. Gab’s das überhaupt schon mal?
Das weiß ich ehrlich gesagt gar nicht. Dass wir aber trotz allem einen Punkt geholt haben, ist das Positive. Leipzig ist eine gut besetzte Mannschaft, die mit allem, was sie hat, ums sportliche Überleben kämpft.
TVB-Rückraumass Simone Mengon fehlte wegen eines Nasenbeinbruchs. Wie sehr wirkte sich das auf die Mannschaft und Sie persönlich aus?
Er ist ein brutal wichtiger Spieler für uns und natürlich auch für mich, da er ja meistens direkt neben mir im Rückraum spielt. Simone reißt Lücken wie kein anderer – klar, dass auch ich davon profitiere.
Simone Mengon soll bei internationalen Clubs auf dem Wunschzettel stehen. Gibt es im Eins-gegen-eins überhaupt einen Besseren?
Simone gehört zu den Top Drei in der Bundesliga, gemeinsam mit Gisli Kristjansson und Mathias Gidsel. Ich glaube, dass kein Abwehrspieler der Welt gegen einen aus diesem Trio gerne spielt. Umso wichtiger ist es, dass Simone gegen Lemgo wieder dabei sein wird (Anm.: im Bundesligaspiel am 29. März, 16.30 Uhr/Porsche-Arena).
Wie erklären Sie sich, dass es bei 4:22 Punkten für den TVB noch zu keinem Auswärtssieg in dieser Saison reichte?
Stimmt schon, dass es zwischen unserem Heim- und Auswärtsgesicht große Unterschiede gibt. Das beschäftigt uns natürlich. Aber wir haben ja noch ein paar Spiele, um es besser zu machen. So wollen wir die Bilanz natürlich nicht stehen lassen.
Stehen lassen könnte man aus Ihrer Sicht sicher die aktuelle Bundesliga-Torschützenliste. Die führen Sie laut „Handballwoche“ mit 230 Treffern mit einem Tor vor Gidsel an. Holen Sie die Torjägerkanone?
Wäre eine coole Sache (lacht), aber allzu viel beschäftigt habe ich mich damit noch nicht. Aber was Gidsel abreißt, komplett ohne Siebenmetertreffer, ist außerirdisch, er hat ja über 100 Feldtore mehr als ich.
Die Siebenmeter müssen aber auch erst einmal drin sein.
Ich freue mich, dass es so gut läuft bei mir und ich der Mannschaft damit helfen kann. Zumal wir als Folge unserer Spielweise ja auch viele Siebenmeter erhalten.
Nicht nur Ihr Trainer Misha Kaufmann findet es fahrlässig, auf Sie in der Nationalmannschaft zu verzichten. Nationalmannschaftsmanager Benjamin Chatton zum Beispiel sagte, dass man sehe, was Sie leisten, und Ihr Herz immer für den DHB schlägt. Wie stehen Sie dazu?
Natürlich freut es einen, wenn man gut spielt und die gezeigte Leistung Anerkennung findet. Auf der anderen Seite war meine Entscheidung, 2024 aufzuhören, wohlüberlegt. Das DHB-Team hat ja auch bei der EM im Januar einen super Eindruck hinterlassen, Silber geholt und weiter eine tolle Zukunft vor sich.
Vor der EM hatten Sie Ihre Bereitschaft erklärt, im Notfall einzuspringen, und standen für alle Fälle im 35er-Kader. Wären Sie dazu mit Blick auf die Heim-WM 2027 wieder bereit?
Zunächst einmal finde ich, dass Renars Uscins und Franz Semper auf meiner Position im rechten Rückraum ein starkes Duo bilden. Grundsätzlich wäre ich mir für eine erneute Back-up-Rolle nicht zu schade. Aber was in einem Dreivierteljahrjahr ist, kann ich wirklich noch nicht sagen. Wer dann wie in Form ist, lässt sich nicht prophezeien. Gerade im Sport, auch in meinem Alter, kann da so viel passieren. Der DHB und ich werden es wie im letzten Jahr auch handhaben, rechtzeitig offen und transparent miteinander zu kommunizieren.
Eine Heim-WM wäre schon etwas Besonderes?
Natürlich. Jeder weiß, was ein großes Turnier vor eigener Kulisse bedeutet. Diese unfassbar gute, tolle Atmosphäre in den Arenen trägt eine Heimmannschaft. Daher hat das DHB-Team da auch gute Chancen, wieder um die Medaillen zu spielen.
Karriere
Kai Häfner wurde am 10. Juli 1989 in Schwäbisch Gmünd geboren. Seine Stationen: TSB Gmünd (1995 bis 2006), TV Bittenfeld (2006/2007), Frisch Auf Göppingen (2007 bis 2011), HBW Balingen-Weilstetten (2011 bis 2014), TSV Hannover-Burgdorf (2014 bis 2019), MT Melsungen (2019 bis 2023), jetzt TVB Stuttgart. Größte Erfolge: Junioren-Weltmeister 2009, EHF-Pokal-Sieger 2011, Europameister 2016, Olympia-Bronze 2016 und Olympia-Silber 2024. Der Linkshänder absolvierte 154 Länderspiele (361 Tore), er hat seine Nationalmannschaftskarriere 2024 beendet. Sein Vertrag beim TVB läuft bis 2027.
Persönliches
Häfner ist verheiratet mit Saskia. Das Paar wohnt in Lorch und hat zwei Söhne (Levi/5 Jahre und Matti/2). Hobby: Reisen/Städtetrips. Häfners jüngerer Bruder Max spielt ebenfalls beim TVB Stuttgart. (jüf)