Waldenbuch - Für die Herstellung der Schokoladen-Quadrate aus Waldenbuch ist vor allem eine Zutat unverzichtbar: der Kakao. Das Unternehmen investiert deshalb viel in den Anbau und die Beschaffung seines wichtigsten Rohstoffs. Merit Buama steuert als Managerin die Kakaoprogramme von Ritter Sport in Westafrika sowie in Süd- und Mittelamerika. Seit dem Sommer ist sie zudem Vorstandsvorsitzende des Forums Nachhaltiger Kakao. Im Interview gibt die Agarökonomin Einblicke in eine Welt, von der die Schokofans hierzulande nur wenig wissen und in der es auch so manche bittere Note gibt.
Frau Buama, wie sind Sie zur Expertin für Kakao geworden?
Das hat sich über die Jahre so entwickelt. Nach dem Abitur wollte ich raus in die Welt. 2005 war ich zum ersten Mal in Ghana und habe in sozialen Projekten mitgearbeitet. Diese Erfahrung wirkt bis heute nach. Die Landwirtschaft ist in Afrika ein extrem wichtiger Sektor. Die meisten Menschen sind dort beschäftigt. Ich habe später VWL mit dem Schwerpunkt Entwicklung im ländlichen Raum studiert und mich nach dem Master bei der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit, kurz GIZ, beworben. Für die GIZ war ich sechs Jahre lang in Ghana. Das war eine sehr prägende Zeit.
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Warum?
Ich habe mich in Ghana und den Nachbarländern um die betriebswirtschaftlichen Aspekte bei der Förderung von Kleinbäuerinnen und -bauern gekümmert. Am Kakaoanbau kommt man da nicht vorbei. Die Erzeuger kämpfen mit vielen Problemen. Da ist zum einen die große Armut. Aber auch die Abholzung der Wälder, der Klimawandel oder illegale Kinderarbeit sind Themen, bei denen die Menschen vor Ort dringend Unterstützung brauchen.
2018 sind Sie in die Privatwirtschaft gewechselt. Was kann man als Managerin für Kakaoprogramme in diesen Fragen denn überhaupt bewegen?
Ich bin der Überzeugung, dass die nachhaltige Entwicklung dieser Länder nur über die Wirtschaft funktioniert. Sie schafft die Arbeitsplätze, kann für bessere Lebensbedingungen vor Ort sorgen, und ihre Stimme hat Gewicht in den politischen Systemen. Das funktioniert natürlich nur, wenn die Akteure in Generationen denken und nicht alles dem schnellen Profit unterordnen. Deshalb habe ich mich 2018 bei Ritter Sport beworben. Das Familienunternehmen denkt in großen Zyklen, legt Wert auf Nachhaltigkeit und begegnet seinen Partnern auf Augenhöhe. Ich kenne die Akteure vor Ort. Das hat gepasst.
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Was genau sind Ihre Aufgaben bei Ritter Sport?
Bis zu sechsmal im Jahr bin ich vor Ort in Ghana und an der Elfenbeinküste. Ich gehe in die Dörfer und rede mit den Kakaobauern und -bäuerinnen sowie den Erzeugerorganisationen. Über den Kakaoanbau muss ich dort nichts erzählen. Die Menschen wissen, was zu tun ist. Ich sehe mich eher in der Rolle des Beraters für betriebswirtschaftliche Fragen. Ein ganz wichtiges Thema ist im Moment der Klimawandel, der in der Nähe zur Sahelzone schon deutlich zu spüren ist. Die Wüste wandert Richtung Süden. Die Vegetation verändert sich. Die Abholzung der Wälder verstärkt den Prozess. In einigen Regionen lohnt sich der Kakaoanbau schon nicht mehr.
Wie wollen Sie dagegen steuern?
Gemeinsam mit den Partnern vor Ort legen wir Entwicklungsprogramme auf, initiieren Agroforst-Projekte und sensibilisieren die Menschen für das Problem, damit sie die Zusammenhänge erkennen. Das geht bis in die Details, wie zum Beispiel den Einsatz von Öfen, die weniger CO2 erzeugen. Es ist eine Heidenarbeit, und die Zeit läuft uns davon. Vieles davon hat Ritter Sport in Nicaragua in den vergangenen 30 Jahren schon umgesetzt. In Westafrika muss es schneller gehen. Deshalb sind auch wir als mittelständisches Unternehmen auf starke Partner aus der Branche angewiesen. Der Kakaomarkt in Westafrika ist so groß, da hat man allein nur bedingt die Chance, etwas zu verändern.
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Sie spielen sicher auf das Forum Nachhaltiger Kakao an. Seit Juni 2021 sind Sie die Vorstandsvorsitzende. Was sind die Ziele des Vereins?
Das Forum bringt Akteure aus Politik, Industrie, Handel und Vertreter von NGO-Organisationen an einen Tisch. Jeder hat natürlich eigene Interessen, doch in der Summe können wir voneinander lernen und gemeinsam Lösungen entwickeln. Eines unserer Leuchtturmprojekte ist zum Beispiel ProPlanteurs. Ziel des Projekts ist es, 20 000 kakaoproduzierende Familienbetriebe und ihre Organisationen im Süden der Côte d’Ivoire zu professionalisieren. Wir beschäftigen uns aber auch mit der Rolle der Frauen im Kakaosektor, der Biodiversität in den Erzeugerländern und möchten das Bewusstsein für nachhaltig erzeugte Schokolade stärken.
Das klingt nach viel Arbeit. Deshalb noch eine private Frage: Sie sind 34 Jahre alt, haben zwei Kinder, engagieren sich kommunalpolitisch in Ihrer Heimatstadt Wolfsburg. Wie schafft man das?
Wie jede andere Familie auch. Ich bin gut strukturiert und werde von der Firma Ritter in allen Belangen unterstützt. Bei meiner Tätigkeit in Afrika kommt mir zugute, dass ich bei meiner Chefin in der GIZ gelernt habe, wie man sich in patriarchalischen Strukturen die Butter nicht vom Brot nehmen lässt. Außerdem verfüge ich über die Fähigkeit, auch mal Nein zu sagen.
Rund um den Kakao
Herkunft
Für die Herstellung ihrer Schokoladenquadrate bezieht die Firma Ritter pro Jahr rund 10 000 Tonnen Kakaomasse und Kakaobutter. Die Kakaomasse kommt zu etwa 50 Prozent aus den Ländern Nicaragua, Peru, Ghana sowie der Elfenbeinküste. Die andere Hälfte stammt aus Westafrika. Die Kakaobutter wird aus Nigeria (ein Drittel) und Westafrika (zwei Drittel) importiert.
Nachhaltig
Seit dem Jahr 2018 ist der gesamte Kakao, mit dem Ritter Sport produziert, nachhaltig zertifiziert. Schon heute stammen rund 70 Prozent aus Partnerschaften. Das Ziel von Ritter Sport ist es bis zum Jahr 2025 die gesamte Bezugsmenge jeweils bis zur Kooperative rückverfolgen zu können.