Der Fotograf Thomas Renz aus Waiblingen hat einen besonderen Pin-up-Kalender für das Jahr 2026 gemacht. Alle Models tragen Pelz – und werben gleichzeitig für eine gute Sache.

Thomas Renz ist voll des Lobes für die Models, die für seinen neuen Kalender posiert haben. „Sie sind einfach fotogen“, sagt der Fotograf aus Waiblingen (Rems-Murr-Kreis). Manche schauen selbstbewusst direkt in die Kamera, andere hat er im Profil abgelichtet. Die Besonderheit: Für den Kalender im A-2-Format haben ausschließlich Models mit Pelz posiert. Die Farbpalette reicht dabei von Blütenweiß über Karamellfarben bis zu Dunkelbraun und Schwarz. Manche tragen ihr Haar glatt, andere in wilden Locken.

 

Keine Berührungsängste beim Fotoshooting für den Kalender

Berührungsängste beim Fotoshooting? Fehlanzeige! „Es kann passieren, dass sie einem plötzlich ganz nahekommen und kuscheln wollen. Manche möchten einen auch als Kratzbaum ausprobieren“, sagt T homas Renz, dem seine Models sichtlich ans Herz gewachsen sind. Beim Ortstermin am Stettener Schafstall kommt er mit dem Kraulen kaum nach, die Schafe stehen Schlange. Gut die Hälfte der im Kalender abgebildeten Tiere lebt im Haldenbachtal, alle gehören Rassen an, die vom Aussterben bedroht sind.

Und da kommt Christine Brencher ins Spiel. Die gelernte Landwirtin aus Kernen ist die Ideengeberin und treibende Kraft beim Projekt Schafwanderweg, das sie anlässlich der Remstal-Gartenschau 2019 mit engagierten Bürgern und der Gemeinde Kernen ins Laufen gebracht hat. Entlang des etwa fünf Kilometer langen Kerner Schafwanderwegs, der überwiegend durch Streuobstwiesen führt, können Besucher seltene Schafrassen entdecken und beobachten – vom Kärntner Brillenschaf mit dem schwarzen Fleck ums Auge über das rauhwollige Pommernschaf und das braune Bergschaf bis zum Waldschaf und dem englischen Wensleydale-Langwollschaf. „Alle haben keine tolle Wolle und setzen nicht viel Fleisch an“, erklärt Christine Brencher, wieso diese Rassen heute kaum noch gehalten werden.

Zwölf Hektar Weide im Haldenbachtal

Zwei Schafe, die für Thomas Renz posiert haben. Foto: Thomas Renz/cf

Als Weidetiere aber leisteten sie gute Arbeit, was den Flächen anzusehen sei: „Auf diesen Weiden wachsen viel mehr Blumen.“ Brencher setzt auf extensive Beweidung, die rund 60 erwachsenen Schafe haben zwölf Hektar Streuobstwiesen, auf denen sie sich mehr als sattfressen können. So bleiben immer Pflanzen stehen, an denen auch Insekten Nahrung finden. Der Schafwanderweg ist mit dem Kulturlandschaftspreis 2024 ausgezeichnet worden, denn das Projekt trägt zur Erhaltung des wertvollen Lebensraums Streuobstwiese bei.

Der Weg von der Streuobstwiese zum Schaf ist nicht weit

Streuobstwiesen sind auch der Initiative Klimaneutral Waiblingen wichtig. Vor zwei Jahren hatte Thomas Renz, der sich aktiv in der Initiative engagiert, einen Kalender mit alten Streuobstbäumen produziert, der gut ankam. „Für uns ist so ein Kalender eine Möglichkeit, auch Leute anzusprechen, die sich nicht für Vorträge über Photovoltaikanlagen oder Wärmepumpen interessieren.“ Der Weg von der Streuobstwiese zum Schaf war nicht weit, und Christine Brencher hatte keinerlei Bedenken, dass Thomas’ Renz Fotoaktion im Sommer die Tiere beunruhigen könnte.

„Unsere Schafe sind relativ entspannt, weil sie viel Kontakt zu Menschen haben. Ein Problem ist da eher, dass sie zu dicht herankommen“, sagt Christine Brencher, die sich mit rund 15 Ehrenamtlichen um die Tiere kümmert. Die Freiwilligen helfen beim Auf- und Abbau der Weidezäune, kontrollieren Batteriestände, füllen Wasser nach und misten den Stall aus.

Thomas Renz’ Kalender mit den tierischen Pin-up-Models ist zum Preis von 29,95 Euro bei der Buchhandlung Taube in Waiblingen erhältlich, ein Teil des Erlöses kommt dem Projekt Schafwanderweg zugute. Er kann sich ein erneutes Fotoshooting am Haldenbach sehr gut vorstellen. Vielleicht machen dann auch die Waldschafe mit, die bei der Aktion im Juli gestreikt haben. „Denen war es zu warm. Deshalb sind sie nicht aufgestanden, sondern lieber im Schatten liegen geblieben“, sagt Christine Brencher.