Kallenberg’sches Areal in Ludwigsburg 20 Millionen für die Reparatur der Stadt

So stellen sich die Architekten die Fassade an der Leonberger Straße vor. Dass dort dann auch eine Stadtbahn fährt, ist inzwischen aber eher unwahrscheinlich. Foto: D-Quadrat
So stellen sich die Architekten die Fassade an der Leonberger Straße vor. Dass dort dann auch eine Stadtbahn fährt, ist inzwischen aber eher unwahrscheinlich. Foto: D-Quadrat

Neben dem Zentralen Busbahnhof in Ludwigsburg wird bis 2019 ein großer Gebäudekomplex entstehen. Jetzt wurden erstmals Entwürfe vorgestellt. Die Dimensionen provozieren Kritik – und das Projekt hat Auswirkungen auf die Umgestaltung des Bahnhofareals.

Lokales: Tim Höhn (tim)
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Ludwigsburg - Mehr als 2800 Paaren hat das Kinderwunschzentrum Ludwigsburg zu einem Kind verholfen, allein in den vergangenen fünf Jahren. Das ist nicht nur für die glücklichen Eltern, sondern auch für Andreas Ott, den Leiter des Zentrums, eine schöne Zahl. Das Geschäft boomt in einem Ausmaß, dass seine Räume an der Pflugfelder Straße, neben der MHP-Arena, zu klein geworden sind. Jetzt plant er neu und groß – sehr groß.

Ott wird bald Miteigentümer eines Grundstücks an der Leonberger Straße, auf dem bis 2019 ein fünfgeschossiger Gebäudekomplex entstehen soll : Für das dann wesentlich größere Kinderzentrum, ein Hotel, Büros und vermutlich ein Café. Vor wenigen Tagen wurden im Ludwigsburger Bauausschuss erstmals konkrete Pläne vorgestellt und von den Stadräten überwiegend für gut befunden. Auf Kritik stieß allein die Größe. „Ich bin etwas erschrocken über die Baumassen“, sagte der SPD-Stadtrat Dieter Juranek, der selbst als Architekt arbeitet.

Rund 3000 Quadratmeter umfasst das Grundstück neben dem Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) und damit an einer markanten Stelle am Rand der City. Noch gehört die Fläche der Stadt, genutzt wird sie von der Deutschen Bahn als Parkplatz. Bis 1976 stand dort eine Metallwarenfabrik der Firma Kallenberg, ein imposantes Industriegebäude mit Klinkerfassade. „Leider wurde das damals abgerissen“, sagt Anne Mayer-Dukart, die stellvertretende Chef-Stadtplanerin.

Der Neubau soll eine Wunde am Rand der Innenstadt heilen

Seither gilt das Eck als Problemstelle, das von Bäumen eingerahmte und schlecht einsehbare Gelände ist Anlaufstelle auch für eher zwielichtige Gestalten. Hin und wieder kam es dort sogar zu handgreiflichen Auseinandersetzungen. Das Rathaus erhofft sich von dem Projekt daher auch einen „wichtigen Impuls zur Aufwertung der Leonberger Straße“, die Aufenthaltsqualität soll steigen, das Sicherheitsgefühl der Passanten verbessert werden. Als Projektentwickler fungiert das Ludwigsburger Unternehmen D-Quadrat um den früheren Baubürgermeister Hans Schmid. „Wir gehen davon aus, dass wir weit über 20 Millionen Euro investieren“, sagt er.

Jeweils rund 65 Meter lang und 18 Meter hoch sind die drei Gebäudeteile in dem nun vorliegenden Entwurf. Das Hotel soll 80 Zimmer und zusätzlich 30 Boarding-Appartments zur längerfristigen Vermietung bekommen. Die Dächer und der Innenhof zwischen den Blöcken sollen begrünt, die Fassade teilweise mit Klinker aufgehübscht werden. Die Modelle stammen von den Gewinnern eines eigens ausgelobten Architekturwettbewerbs.

Das Projekt stört die Planungen für eine neue Brücke über die Gleise

An der Optik haben die Stadträte wenig zu mäkeln, im Gegenteil. Es handle sich um ein gutes Beispiel für eine gelungene Stadt-Reparatur, sagte Markus Gericke von den Grünen, auch die anderen Fraktionen lobten den Entwurf. Die Höhe der Gebäude aber ist umstritten, weil diese die anderen Häuser im Umfeld teils deutlich überragen. D-Quadrat hat angekündigt, den Entwurf der Architekten in den kommenden Wochen zu modifizieren – „in enger Abstimmung mit der Stadt“, wie Hans Schmid versichert. „Ich denke, dass wir einen Kompromiss finden.“ Spätestens im Herbst 2018 soll Baubeginn, Ende 2019 alles fertig sein.

Die Parkplätze werden unterirdisch ersetzt, in einer Garage mit mindestens 100 Stellplätzen, von denen rund 40 für das Hotel und das Kinderwunschzentrum reserviert und der Rest öffentlich sein wird. „Darüber hinaus stehen Parkplätze in den übrigen Parkhäusern zur Verfügung“, sagt die Stadtsprecherin Meike Wätjen. „Außerdem ist das Bahnhofsareal optimal an den ÖPNV angebunden.“ Schwieriger zu beantworten ist die Frage, was aus der geplanten Rad- und Fußgängerbrücke am Bahnhof wird.

Die Stadt will den ZOB in den kommenden Jahren komplett umgestalten lassen, und ein Vorschlag ist, im Zuge dessen auf Höhe des Kallenberg’schen Geländes eine Querung über die Gleise in Richtung Weststadt zu legen. Damit Radler auf die Brücke kommen, müsste eine lange Rampe gebaut werden – und zwar ungefähr an der Stelle, wo der Gebäudekomplex in die Höhe wachsen soll. Es wird also eng. Und damit ist fraglich, ob beides realisierbar ist, die Brücke und das Gebäude. Die Stadt gibt sich zuversichtlich: „Die Planungen für den Rad- und Fußgängersteg und auf dem Kallenberg´schen Gelände müssen im Weiteren aufeinander abgestimmt werden“, heißt es aus dem Rathaus.




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