Kampagne „Rad nimmt Rücksicht“ Stuttgarter Radfahrer:innen fühlen sich angegriffen

Mit Sprühkreide wurde der Slogan der Verkehrskampagne auf Stuttgarts Straßen gesprüht. Foto: Stadt Stuttgart

Das Netzwerk Critical Mass Stuttgart kritisiert die neue Verkehskampagne der Stadt mit dem Slogan "Rad nimmt Rücksicht". Die Stadt Stuttgart reagiert nun auf die Kritik.

Digital Desk: Katrin Maier-Sohn (kms)

Der zweite Teil der städtischen Verkehrssicherheitskampagne „Miteinander läufts besser“ kommt nicht bei allen gut an. Vor allem Radfahrer:innen fühlen sich durch die Kampagne mit dem Slogan „Rad nimmt Rücksicht“ angegriffen. Die Critical Mass Stuttgart das Konzept der Stadt nun öffentlich.

 

Zurecht hätten sich viele Radfahrende über die Kampagne geärgert, heißt es am Mittwoch auf den Facebook- und Instagram-Seiten des Netzwerks. So arbeite die Kampagne doch mit Framing und Vorurteilen, die dann die selektive Wahrnehmung „alle Radfahrer nehmen keine Rücksicht“ verstärkt, heißt es. 

Nachdem es 2021 im ersten Teil der städtischen Kampagne um den Mindestabstand beim Überholen von Radfahrenden ging, soll dieses Jahr die Rücksichtnahme von Radfahrer:innen gegenüber Fußgänger:innen thematisiert werden. Dafür wurden unter anderem Plakate aufgestellt und der Slogan „Rad nimmt Rücksicht“ mit Sprühkreide auf Stuttgarts Straßen gesprüht.

Fehlende Fakten und Daten werden vorgeworfen

Das führt zu Unverständnis bei den Organisator:innen von Critical Mass Stuttgart. „Dabei sind es gerade Radfahrende, die permanent die Fehler anderer ausbügeln und sich im hohen Maße rücksichtsvoll verhalten“, heißt es in ihrem Post. Das Netzwerk verweist auf einen Artikel aus dem Forbes Magazin, in dem eine Studie aus Kopenhagen zitiert wird, die eine Korrelation von Regelbrüchen und schlechter Infrastruktur herstellt.

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„Die Stadt Stuttgart liefert gar keine Zahlen. Ordnungsbürgermeister Maier will lediglich seit geraumer Zeit beobachten, dass die Beschwerden von Fußgänger:innen über Radler:innen, die sich nicht an die Straßenverkehrsregeln halten, zunehmen", schreibt Critical Mass.

Die Stadt reagiert auf die Kritik

Wir haben die Stadt Stuttgart mit der Kritik konfrontiert. In ihrer Stellungnahme sagt die Leiterin der Abteilung Straßenverkehr des Ordnungsamts Susanne Scherz: „Das Thema hat einen wichtigen Punkt getroffen, der viele beschäftigt. Die Reaktionen verdeutlichen nochmals: Schwächere Verkehrsteilnehmende müssen sich im Verkehr sicher fühlen. Wir begrüßen es deshalb, mit der Kampagne das Gespräch dazu in Gang gebracht zu haben.“

Inzwischen hätten etliche Reaktionen die Stadt erreicht. Sowohl Zuspruch von Fußgänger:innen als auch Kritik von Radfahrer:innen seien darunter gewesen. 

"Gegenseitige Rücksichtsnahme gilt für alle"

Die städtische Fahrradbeauftragte Eva Adam betont darüber hinaus, für die Stadt Stuttgart sei die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer:innen gleich wichtig. Das zeige auch schon das Motto der Dachkampagne „Miteinander läufts besser“.

"Der Gemeinderat hat die Verwaltung im Beschluss zur fahrradfreundlichen Stadt damit beauftragt, für die Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmenden öffentlichkeitswirksame Kampagnen umzusetzen", sagt Adam. "Gegenseitige Rücksichtnahme ist dabei ein entscheidender Punkt, der für alle gilt – auch für den Radverkehr."

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