Das Duell in Las Vegas zwischen Saul „Canelo“ Alvarez (li.) und Terence Crawford interessiert auch den Stuttgarter Supermittelgewichtler Simon Zachenhuber (Bilder rechts) brennend. Foto: Imago/Zuma Press Wire, Imago/Speedshot, Baumann
In Las Vegas treffen am Samstag zwei Box-Legenden aufeinander: Das Duell Saul „Canelo“ Alvarez gegen Terence Crawford könnte die Perspektive von Simon Zachenhuber verändern.
Boxen ist bekanntlich die Sportart der Superlative, weshalb nicht verwundert, dass manche Experten vor dem Duell zwischen Saul „Canelo“ Alvarez und Terence Crawford vom „Kampf des Jahrhunderts“ sprechen. Das mag etwas hochgegriffen sein, ein außergewöhnliches Spektakel aber ist garantiert, wenn am Samstag im Allegiant Stadium in Las Vegas zwei der besten und erfolgreichsten Boxer der Gegenwart in den Ring steigen. Daran hat auch Simon Zachenhuber keine Zweifel.
Der 27-jährige Oberbayer, der seit acht Jahren in Stuttgart lebt und trainiert, ist selbst ein Weltklasse-Boxer, im Supermittelgewicht (bis 76,2 kg) steht er in zwei der vier wichtigen Weltverbände – WBO und IBF – auf Ranglistenplatz sieben. Weshalb das Geschehen in der Glücksspielmetropole auch ihm in die Karten spielen könnte. „Es ist der Kampf des Jahres“, sagt Zachenhuber, „mit dem auch ich persönlich Hoffnungen verknüpfe.“ Weil in Las Vegas nicht nur viel Geld auf dem Spiel steht.
Alvarez und Crawford sind zwei Box-Legenden
Saul „Canelo“ Alvarez (35) hat in seiner Karriere WM-Gürtel in vier verschiedenen Gewichtsklassen gewonnen. Seit fünf Jahren dominiert der Mexikaner im Supermittelgewicht, er ist Titelträger bei WBO, IBF, WBA und WBC – mit Folgen für alle, die in den Ranglisten hinter ihm stehen. Vereinigt ein Boxer alle Gürtel einer Gewichtsklasse, dann gibt es weniger WM-Duelle, weniger WM-Ausscheidungskämpfe und weniger Aufstiegsmöglichkeiten als bei drei oder vier Titelträgern. Das bekommt auch Simon Zachenhuber zu spüren: „Der Weg nach oben ist im Supermittelgewicht besonders schwierig.“ Was sich nun leicht verändern könnte.
Angeblich kassiert Alvarez am Samstag in Las Vegas eine Börse von knapp 130 Millionen Euro. Doch der Einsatz, den er bringen muss, ist hoch: Es geht um seine vier Titel. Und ihm gegenüber steht ein Athlet, der ebenfalls eine Box-Legende ist.
Saul „Canelo“ Alvarez Foto: Imago/Agencia EFE
Auch Terence Crawford (37) zählt seit Jahren zu den stärksten Pound-for-pound-Kämpfern der Welt, zeitweise führte er die Ranglisten, in denen Experten unabhängig von Gewichtsklassen Leistungen bewerten, um die Besten der Besten zu ermitteln, sogar an. Wie Alvarez war der US-Amerikaner Weltmeister in vier verschiedenen Limits, derzeit ist der in 41 Kämpfen unbesiegte Crawford Champion aller vier Verbände im Weltergewicht (bis 66,6 kg). Sein Vorteil: Er riskiert keinen seiner Gürtel. Dafür muss er einen gewichtigen Nachteil hinnehmen: Nachdem er zuletzt für einen Kampf ins Halbmittelgewicht (bis 69,8 kg) aufgestiegen war, tritt er nun noch einmal zwei Gewichtsklassen höher an. Das tut er, um gegen Alvarez kämpfen zu können, und auch, dass seine Börse angeblich bei „nur“ 42 Millionen Euro liegt, stört ihn wenig. „Mir ist nicht das Geld wichtig“, sagt Crawford, „sondern das Vermächtnis.“ Doch nicht nur deshalb drückt Simon Zachenhuber am Sonntagmorgen (live für alle Netflix-Kunden/Beginn nicht vor 6 Uhr MESZ) dem US-Amerikaner die Daumen.
Terence Crawford Foto: Imago/Hoganphotos
Die Rechnung des Stuttgarters, der 2022 Deutschlands Boxer des Jahres war, ist einfach: Sollte Crawford ungeschlagen bleiben und Alvarez die vier WM-Gürtel abnehmen, wäre es keine Überraschung, wenn er diese anschließend nicht verteidigen, sondern wieder in seine ursprüngliche Gewichtsklasse zurückkehren würde. Dann wären plötzlich alle wichtigen Titel im Supermittelgewicht vakant und in den vier Verbänden wäre das Rennen um Ausscheidungs- und WM-Kämpfe neu eröffnet. Das würde auch die Perspektive von Zachenhuber schlagartig verbessern. „Ich hätte eine große Chance, an einem Eliminator teilzunehmen“, sagt er, „vielleicht rollt die Kugel ja auch mal in meine Richtung.“ Sicher ist das allerdings nicht.
Saul „Canelo“ Alvarez ist das Idol von Simon Zachenhuber
Boxerisch sieht Simon Zachenhuber die beiden Konkurrenten auf Augenhöhe. Seit Beginn der eigenen Karriere ist Alvarez sein großes Idol, am Mexikaner gefällt ihm vor allem dessen Schlagkraft, Schnelligkeit bei Kontern und Beweglichkeit im Oberkörper. Crawford bescheinigt Zachenhuber eine „sehr hohe Boxintelligenz“, ihn beeindruckt aber auch dessen technische Versiertheit und die Fähigkeit, in beiden Auslagen gleich stark zu sein. „Es wird ein sehr enges Duell“, sagt er mit Blick auf den Kampf am Wochenende, „ich hoffe, dass Crawford seinen Gegner am Ende technisch auspunktet.“ Dann würde das Box-Roulette im Supermittelgewicht womöglich von vorne beginnen.