Kampf gegen Corona im Landkreis Böblingen Testpflicht für Kitas im Landkreis kommt

Kindergartenkinder werden  im Landkreis demnächst getestet. Foto: dpa/Sven Hoppe
Kindergartenkinder werden im Landkreis demnächst getestet. Foto: dpa/Sven Hoppe

Sobald vorhanden, werden Spuck- und Nasentests eingeführt.

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Kreis Böblingen - Seit rund einer Woche läuft, wie berichtet, das Modellprojekt der Schnelltestungen in 26 Kita-Einrichtungen im Landkreis. Aus jeder Kommune ist eine Einrichtung beteiligt, insgesamt sind 1800 Kinder betroffen. Zwei Mal pro Woche, Montag und Mittwoch, werden – derzeit auf freiwilliger Basis – die Kinder vor Ort getestet. „Die Rückmeldungen sind sehr erfreulich“, sagt Landrat Roland Bernhard. „Die Testungen werden überall in den pädagogischen Kontext eingebaut und die Kinder sind mit Spaß dabei. Insofern sehen wir uns bestätigt, dass dies ein guter Weg ist, und wollen so schnell wie möglich allen Einrichtungen im Landkreis diese Möglichkeit geben.“

Die entstehenden Kosten trägt für die Zeit bis Ende April noch der Landkreis, der die Kommunen auch bei der Beschaffung der Schnelltests unterstützt. Aktuell kommen die Nasal-Tests zum Einsatz, bei denen sich die Kinder „in der Nase bohren“. Bereits ab kommender Woche stehen auch Lutschtests zur Verfügung. Ab Mai übernehmen die Kommunen die Kosten, unterstützt durch das Land, das hier bereits Finanzierungszusagen in Höhe von 50 Prozent gemacht hat.

„Die Testung innerhalb der Kitas funktioniert und wird von den Kindern gut angenommen“, betont Landrat Bernhard. Analog zu den Schulen bestehe in den Kita-Einrichtungen ein hohes Infektionsrisiko. Eine flächendeckende Testung hier ist nach Ansicht Bernhards ein effektives Mittel zur Eindämmung des lokalen Infektionsgeschehens. Zudem könne damit der Kita-Betrieb aufrechterhalten werden. Diese rechtliche Einschätzung stütze eine Testpflicht auf der Grundlage des Infektionsschutzgesetzes.

Nachdem darüber bereits in der regelmäßig tagenden AG Corona, einem Gremium aus verschiedenen Oberbürgermeistern und Bürgermeistern sowie dem Landrat, beraten wurde, gab es im Rahmen der Kreisverbandssitzung des Gemeindetags einen klaren Konsens dafür, die Testpflicht einzuführen, schreibt das Landratsamt. Sobald alle Einrichtungen mit den nötigen Testkits versorgt sind, wird der regelmäßige Test damit bindend für den Kita-Besuch sein. „Es ist wichtig, dass wir flächendeckend die Testung aller Kinder, die eine Kita besuchen, erreichen“, so Bernd Dürr, Vorsitzender des Gemeindetags im Landkreis Böblingen. Landrat Bernhard ergänzt: „Diese Entscheidung haben wir uns nicht leicht gemacht, aber um die Kitas möglichst lange und sicher offen zu halten, sehen wir keine andere Möglichkeit.“ Man werde dies so rasch wie möglich umsetzen.

Da die Nasaltests eine deutlich höhere Sensitivität und Spezifität gegenüber den Lutschtests aufweisen, seien sie das bevorzugte Instrument bei den über Dreijährigen. Bei den jüngeren dagegen seien die Lutschtests das Mittel der Wahl, weil bei ihnen der Nasaltest nicht so gut angewendet werden könne, da sich die kleineren Kinder noch nicht schnäuzen können.

Bislang ist kein positiver Fall aufgetreten. Gibt es einen solchen, sollen die Eltern mit dem Kind unmittelbar einen PCR-Test beim Kinder- oder Hausarzt machen lassen. Bestätigt sich das Ergebnis, müssen das Kind und die häuslichen Kontaktpersonen ersten Grades in häusliche Quarantäne und das Gesundheitsamt bespricht mit der jeweiligen Einrichtung das weitere Vorgehen. „Das Fachpersonal ist geschult, einen positiven Verdachtsfall so zu handhaben, dass ein Kind nicht stigmatisiert wird“, so Wolfgang Trede, Leiter des Jugendamts, das das Modellprojekt koordiniert. Mit den Kommunen im Landkreis wurde vereinbart, dass ab sofort auch weitere Einrichtungen in das Modell einbezogen werden können.

All dies gilt freilich nur, solange im Kreis Böblingen die Sieben-Tages-Inzidenz von 200 nicht gerissen wird. Sollte dies an drei Tagen in Folge der Fall sein, müssten auch im Landkreis die Kindertagesstätten schließen, analog zu den Schulen. „Was das dann für unser Modellprojekt bedeuten würde – damit befassen wir uns zur Stunde nicht“, meint Kreis-Pressesprecherin Simone Hotz auf Nachfrage unserer Zeitung: „Von der maßgeblichen Zahl sind wir mit einer aktuellen Inzidenz von 140,27 aber noch weit entfernt.“ (red/mmü)




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