Kampf gegen Corona-Pandemie Frankreich testet, testet testet

Frankreich setzt auf eine geradezu aggressive Test-Strategie. Auch an der deutsch-französischen Grenze (im Bild) wird vermehrt getestet, da das Département Moselle inzwischen als Hochrisikogebiet gilt. Foto: dpa/Oliver Dietze
Frankreich setzt auf eine geradezu aggressive Test-Strategie. Auch an der deutsch-französischen Grenze (im Bild) wird vermehrt getestet, da das Département Moselle inzwischen als Hochrisikogebiet gilt. Foto: dpa/Oliver Dietze

Seit Monaten können sich alle Franzosen fast an jeder Ecke gratis auf Corona testen lassen. Das bedeutet aber nicht, dass die Infektionszahlen niedrig sind.

Korrespondenten: Knut Krohn (kkr)

Paris - Am Place de Clichy steht das weiße Zelt etwas sperrig am Ausgang zur Métro-Station. „Möchten Sie einen Covid-Test machen lassen?“ fragt ein freundlicher Mann die vorbeihastenden Passanten, bevor sie im Pariser Untergrund verschwinden. Die häufigste Gegenfrage lautet: „Was kostet das?“ Die Antwort des jungen Mannes: „Nichts, das zahlt der Staat!“

Seit Monaten setzt Frankreich im Kampf gegen die Corona-Pandemie auf eine geradezu aggressive Test-Strategie. Auf dem Boulevard de Clichy, der leicht ansteigend vom gleichnamigen Platz wegführt, stehen weitere dieser weißen Pavillons. In der Regel organisieren Apotheken die Schnelltests direkt vor ihren Geschäften, denn für sie ist es ein lukratives Geschäft. 34 Euro bekommen sie pro Abstrich, dessen Ergebnis nach rund 20 Minuten feststeht.

Die Tests sind in Frankreich gratis

Die Getesteten müssen in der Regel die Nummer ihrer Krankenversicherung angeben, wer aber keine Versicherung hat oder die Nummer nicht parat, bekommt dennoch ein Wattestäbchen in die Nase geschoben. Dann reicht es, wenn der Name und die Adresse angeben wird. Ist das Ergebnis des Antigen-Schnelltests positiv, muss noch ein zusätzlicher und wesentlich aussagekräftigerer PCR-Test gemacht werden. Auch solche Tests werden inzwischen von zahlreichen Labors angeboten und können ohne Probleme gebucht werden – auch in diesen Fällen zahlt meistens der Staat.

In Frankreich zeigt sich allerdings sehr deutlich, dass viele Tests nicht unbedingt niedrige Infektionszahlen bedeuten. Der Inzidenzwert liegt trotz einer Ausgangssperre ab 18 Uhr landesweit bei rund 220, allerdings sind Schulen und Geschäfte geöffnet. In der Innenstadt von Paris bewegt sich die Zahl der Neuinfektionen auf 100 000 Menschen innerhalb einer Woche sogar bei etwa 320. Aus Seine-Saint-Dénis, einem berüchtigten sozialen Brennpunkt vor den Toren von Paris, wurden zuletzt eine Inzidenz von weit über 400 gemeldet.

Probleme in den Vorstädten von Paris

Ein zentraler Grund für die verheerende Lage in den Banlieue ist die Lebenssituation: in den riesigen Trabantenstädten wohnen in den Plattenbauten dicht gedrängt sehr viele Menschen, darunter zahlreiche kinderreiche Familien, in sehr kleinen Wohnungen. Die meisten Leute arbeiten auf dem Bau, in Pflegeberufen, Supermärkten, bei Security-Firmen oder schlagen sich mit Gelegenheitsjobs durchs Leben – alles Berufe, in denen das von der Regierung geforderte Homeoffice nicht möglich ist.

Natürlich stehen auch in Seine-Saint-Dénis die weißen Schnelltest-Zelte vor den Apotheken, die aber kaum genutzt werden. Allerdings wäre es nach Aussagen von Epidemiologen auch kaum möglich, bei solch hohen Infektionswerten und diesen Lebensbedingungen einzelne Corona-Cluster auszumachen und dann gezielt zu isolieren.

Die besondere Situation in Moselle

Eine Test-Offensive wird aktuell auch im Département Moselle, dem Grenzgebiet zu Deutschland gefahren. Die französische Region wurde wegen der hohen Zahlen von deutscher Seite zum Hochrisikogebiet ernannt. Die 16.000 Pendler dürfen die Grenze deshalb nur noch mit einem Antigen-Test überqueren. Konkret heißt das: würde nicht getestet, kämen zwischen Saar und Mosel manche Lebens- und Wirtschaftsbereiche schlicht zum Erliegen. Inzwischen haben einige Firmen auf deutscher Seite das Testen selbst in die Hand genommen, damit die französischen Mitarbeiter aus Frankreich weiter zur Arbeit kommen können.

Allerdings wird in Frankreich immer deutlicher, dass angesichts einer drohenden dritten Corona-Welle das Testen kein Weg aus der Krise darstellt. Also will die Regierung nun das Impfen mit aller Macht voranzutreiben. Aus diesem Grund wird im gesamten Land in Zukunft nicht nur in Impfzentren und Arztpraxen das Vaccin verabreicht, sondern auch in Apotheken. Zur Spritze greifen dürfen dann Apotheker, Krankenpfleger und auch Hebammen.

Die Tageszeitung „Le Parisien“ schreibt, dass in Frankreich inzwischen mehrere Hunderttausend Impfdosen unbenutzt in Apotheken und Krankenhäusern im Kühlschrank lagern. Philippe Besset, Präsident der französischen Apotheker-Gewerkschaft, erklärte, dass fast 20 000 Apotheken bereit seien mit einer durchschnittlichen Rate von „etwa 20 Injektionen pro Tag“ zu impfen. Auf diese Weise will Frankreich in spätestens sechs Wochen wieder zu einem „normaleren Leben“ zurückfinden, so lautet zumindest das Versprechen von Präsident Emmanuel Macron.




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