Kampf gegen Coronavirus Tübinger Biotech-Firma entwickelt Impfstoff

Mariola Fotin-Mleczek arbeitet als Forschungsvorstand bei CureVac. Foto: CureVac

Während weltweit Tausende von Menschen an dem neuen Coronavirus erkrankt sind, stellt sich die Frage, wann es einen Impfstoff geben könnte. In Tübingen arbeiten Forscher daran – wie schnell sind sie?

Stadtentwicklung & Infrastruktur: Andreas Geldner (age)

Tübingen - Während die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten weiter steigt, entwickeln Forscher Gegenstrategien. So auch bei der CureVac AG in Tübingen – im Interview erklärt Mariola Fotin-Mleczek, worauf es dabei ankommt.

 

Frau Fotin-Mleczek, was entwickeln sie zum Kampf gegen das Coronavirus genau?

Wir sind seit Längerem in der Entwicklung innovativer Impfstoffe tätig, beispielsweise gegen Tollwut, Influenza, Malaria und das Lassafieber. Wir haben auch bereits mit den ersten Arbeiten für einen Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus begonnen, den wir nach erfolgreichen Tests am Menschen untersuchen möchten. Zudem führen wir mit verschiedenen Institutionen intensive Gespräche, wie die Entwicklung und Produktion des Coronavirus-Impfstoffs beschleunigt werden kann, um ihn schnellstmöglich zur Verfügung zu stellen.

Inwieweit ist Ihre Technologie geeignet, um in diesem Fall angewendet zu werden?

Die CureVac-Technologie nutzt Messenger-RNA als Informationsträger, um die Bildung von Proteinen anzuleiten. (Die Messenger-RNA transportiert Erbinformationen vom Zellkern dorthin, wo Eiweißmoleküle hergestellt werden, Anm. d. Red). Diese wirken im Fall von Impfstoffen als Antigene und rufen eine Immunantwort hervor. Wir regen den Körper also an, sein eigenes „Arzneimittel“ zu produzieren. Unsere Technologie eignet sich besonders dafür, schnell auf virale Ausbrüche wie beim Coronavirus reagieren zu können.

Wurde diese Methode schon einmal für ähnliche Fälle eingesetzt?

Bei früheren Arbeiten an MERS, einem anderen Coronavirus, haben wir bereits gesehen, dass unsere Impfstoffe bei diesem Virustyp in Tieren eine Immunantwort erzeugen. Darüber hinaus zeigen unsere jüngsten Ergebnisse aus einer Phase-1-Studie (Frühphase der Wirkstoffentwicklung, die Redaktion) mit einem Tollwutimpfstoff, dass wir bereits mit einer sehr geringen Dosis im Menschen eine Immunantwort hervorrufen können. Diese Resultate und nicht zuletzt unsere Möglichkeiten, den Impfstoff auch in Tübingen produzieren zu können, stimmen uns zuversichtlich, dass unsere Technologie eine Lösung für das aktuelle Coronavirus bietet.

Wie schnell kann es einen Impfstoff geben?

Wenn der Entwicklungsprozess erfolgreich verläuft, könnte unser Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus nCoV-2019 innerhalb weniger Monate soweit sein, dass die klinische Erprobung am Menschen beginnen kann. Ob die klinischen Tests und der folgende Zulassungsprozess beschleunigt werden, hängt im Wesentlichen von der Entscheidung der Behörden ab, mit denen wir derzeit im Austausch sind.

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