Kampf gegen das Coronavirus Curevac will Impfstoff-Produktion deutlich ausweiten

Pharma-Forschung bei Curevac in Tübingen: Das Unternehmen rechnet mit einer Zulassung seines Corona-Impfstoffs im zweiten Quartal 2021. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Das Tübinger Unternehmen kooperiert jetzt auch mit mit den Pharma-Spezialisten Bayer und Rentschler. Der Bundesregierung kommt das sehr zupass.

Berlin - Das Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac verbündet sich mit weiteren Partnern, um seinen in der Entwicklung befindlichen Corona-Impfstoff im großen Stil zu produzieren. Wie Curevac am Montag mitteilte, kooperiert es dazu jetzt auch mit dem Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern Bayer sowie dem baden-württembergischen Spezialanbieter Rentschler Biopharma aus Laupheim (Landkreis Biberach).

 

„Zum Ende des Jahres werden wir mehrere Hundert Millionen Dosen zur Verfügung haben“, sagte Curevac-Chef Franz-Werner Haas. 2022 sollten mehr als eine Milliarde Dosen produziert werden.

Neuartige Technologie

Geplant ist, dass am Rentschler-Standort Laupheim pro Jahr mehr als 100 Millionen Dosen hergestellt werden. Bayer wiederum werde im kommenden Jahr 160 Millionen Dosen des Curevac-Impfstoffs bereitstellen, wie Pharma-Vorstand Stefan Oelrich in einer Video-Pressekonferenz sagte. Produktionsort ist Wuppertal. Erste Mengen könnten möglicherweise bereits Ende 2021 zur Verfügung stehen.

Curevac und Bayer waren bereits zu Beginn des Jahres eine Kooperation eingegangen, um die Entwicklung und Bereitstellung des Impfstoffs voranzutreiben. Neu ist, dass der Leverkusener Konzern jetzt auch in die Produktion einsteigt. Bisher ist er nicht im Impfstoff-Geschäft aktiv. Neben Bayer und Rentschler gehören weitere Firmen zum Curevac-Produktionsnetzwerk.

Curevac arbeitet mit Hochdruck an seinem Impfstoff-Kandidaten. Derzeit laufen die entscheidenden klinischen Studien. Das Vakzin basiert wie die der Anbieter Biontech/Pfizer und Moderna auf der neuartigen Messenger-RNA-Technologie. Das Unternehmen rechnet mit einer Zulassung im zweiten Quartal. Dann soll bereits eine substanzielle Menge des Präparats bereitstehen, um es rasch ausliefern zu können.

Womöglich Auffrisch-Impfungen notwendig

Für die Bundesregierung sind die Kooperationen eine gute Nachricht: Angesichts des schleppenden Impfstarts und des Mangels an Impfstoffen hatten sich zuletzt die Stimmen gemehrt, die ein entschiedeneres Vorgehen gegen die Hersteller forderten – bis hin zum Entzug der Patente. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte am Montag: „Man braucht keine Zwangslizenzen in einem Bereich, in dem Unternehmen eigenständig miteinander kooperieren.“

Der Mangel an Impfstoff wird sich durch das Hochlaufen der Curevac-Produktion kurzfristig nicht beheben lassen. Spahn betonte jedoch, dass auch „über den Sommer hinaus“ viel Impfstoff benötigt werde. „Wir wissen heute noch nicht, ob es Auffrisch-Impfungen braucht.“ Womöglich müssten Präparate auch an Virus-Mutationen angepasst werden.

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