Kampf gegen das Coronavirus in Stuttgart Zahl der Beatmungsplätze wird weiter erhöht

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Die Zahl der verfügbaren Intensivbetten ist entscheidend für die medizinische Bewältigung der Coronakrise. Auch in Stuttgart ist der weitere Aufbau von Beatmungsplätzen in vollem Gang.

Die Zahl der verfügbaren Intensivbetten gehört auch in Stuttgart zu den zentralen Themen in der Coronakrise. Foto: dpa/Bernd Wüstneck
Die Zahl der verfügbaren Intensivbetten gehört auch in Stuttgart zu den zentralen Themen in der Coronakrise. Foto: dpa/Bernd Wüstneck

Stuttgart - Für die Chefs der Stuttgarter Krankenhäuser beginnen die Tage gegenwärtig spätestens um 7.30 Uhr. Um diese Zeit startet die morgendliche Telefonkonferenz, bei der die Kliniken mit dem Gesundheitsamt und der Kassenärztlichen Vereinigung die aktuelle Lage vor Ort in der Corona-Krise besprechen. Ein zentrales Thema dabei seit Wochen: die Zahl der mit Beatmungsgeräten ausgestatteten Intensivbetten.

Wer mit einem der Fachleute darüber spricht, bekommt meist eine geteilte Botschaft: Ob nicht auch das Stuttgarter Krankenhaussystem bei extrem steigenden Infektionszahlen an seine Grenzen gerät, mag niemand ausschließen. Auf die jetzige Lage bezogen aber fallen die Einschätzungen zur Versorgung mit Intensivbetten deutlich positiver aus. „Wir starten in Deutschland im internationalen Vergleich auf hohem Niveau“, sagt Jan Steffen Jürgensen, der Medizinische Vorstand des städtischen Klinikums. „In Stuttgart ist das noch einmal etwas höher.“

Alle Kliniken rüsten auf

Derzeit gebe es in den Stuttgarter Krankenhäusern etwa 250 Intensivbetten, dazu kämen noch rund 50 Beatmungsbetten außerhalb von Intensivstationen, die üblicherweise für die Beatmungsentwöhnung, das sogenannte Weaning, genutzt werden, sagt Mark Dominik Alscher, der Medizinische Geschäftsführer des Robert-Bosch-Krankenhauses (RBK). Von den in einem Meldesystem am Montag aufgeführten 183 Intensivbetten seien 68 belegt gewesen, so Alscher, also etwa ein Drittel.

Bei diesen Zahlen handelt es sich aber um Momentaufnahmen. Tatsächlich läuft seit Wochen der systematische Aufbau von Beatmungsplätzen in den Stuttgarter Krankenhäusern. Beispiel städtisches Klinikum: Man habe zu Beginn der Corona-Krise an den Standorten Mitte und Bad Cannstatt über insgesamt 80 Beatmungsplätze verfügt, sagt Jan Steffen Jürgensen. „Diese Zahl können wir verdoppeln.“ Schon jetzt sei man bei rund 120 Beatmungsplätzen angelangt.

Freie Geräte aus dem OP

Erreicht hat man dies durch eine ganze Reihe von Maßnahmen. So habe man eine Reihe von Transportbeatmungsgeräten erwerben können. Überdies wurden eingelagerte Geräte, bei denen etwa eine Wartung anstand, „wieder startklar gemacht“, so Jürgensen. Und die Beschaffung einer großen Zahl neuer Geräte für den Neubau des Klinikums an der Kriegsbergstraße kann zum Teil vorgezogen werden. Und durch die Verschiebung planbarer Operationen sind die Beatmungsgeräte in ungenutzten OP-Sälen frei geworden.

Was nicht heißt, dass in den Krankenhäusern nicht noch viele notwendige Eingriffe vorgenommen werden. Am Montag etwa waren im städtischen Klinikum 66 Intensivbetten belegt, ohne Covid-19-Fälle. Sechs Stationen werden im Katharinenhospital für nicht intensivpflichtige Covid-19-Patienten frei gehalten, in Bad Cannstatt sind es zwei. Von den 18 Intensivplätzen für Corona-Patienten am Standort Bad Cannstatt waren sieben belegt. Rund 30 für solche Patienten vorgehaltene Intensivbetten waren im Klinikum am Montag noch nicht belegt.

Mehr schwere Fälle

„Wir nutzen diese relative Ruhe, um uns weiter vorzubereiten“, sagt Jan Steffen Jürgensen. So erhalten zum Beispiel Pflegekräfte Auffrischkurse in der Betreuung von Intensivpatienten. Ähnliche Anstrengungen unternehmen auch andere Stuttgarter Krankenhäuser. „Das läuft alles ruhig und geordnet ab“, beschreibt Mark Dominik Alscher die Situation. Dies sei auch auf die frühen Signale aus der Politik und die gute Zusammenarbeit in Stuttgart zurückzuführen. Das Robert-Bosch ist dabei, in einem Stufenplan seine insgesamt 38 Intensivplätze auf maximal 80 erhöhen.

Wie wichtig dies noch werden könnte, kann der Medizinische Geschäftsführer des RBK jeden Tag feststellen. „Die schwierigen Verläufe nehmen stetig zu“, sagt Mark Dominik Alscher. Am Montag wurden im RBK vier Covid-19-Betroffene beatmet. Dort kommen teils auch ganz schwere Fälle von außerhalb an, da das RBK durch seine Herzchirurgie über die intensivmedizinische ECMO-Technologie (extrakorporale Membranoxygenierung) verfügt. Diese übernimmt bei durch Covid-19 schwerstgeschädigte Patienten deren Lungenfunktion, indem das Blut extern mit Sauerstoff angereichert wird.

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