Wie schnell wird derzeit in Deutschland getestet?
Bislang dauert es in Deutschland in der Praxis ein bis zwei Tage, bis Patienten ihre Testergebnisse haben und wissen, ob sie sich mit dem Coronavirus infiziert haben. Zwar beträgt die reine Testzeit laut Robert-Koch-Institut (RKI) nur etwa vier bis fünf Stunden, jedoch dauert es meist zwischen Probenentnahme und Ergebnismitteilung länger, auch weil die Tests oft von externen Labors durchgeführt werden.
Was macht Boschs Schnelltest so interessant?
Der Test von Bosch ist voll automatisiert und kann vor Ort in Arztpraxen, Krankenhäusern, Laboren und Gesundheitszentren eingesetzt werden. Zwischen Probenahme und Ergebnis sollen nur gut zwei Stunden vergehen. „Infizierte Patienten können damit schneller identifiziert und isoliert werden“, sagte Bosch-Chef Volkmar Denner. Zudem könnten mit derselben Probe neben Covid-19 gleichzeitig weitere neun Atemwegserkrankungen wie Influenza A und B untersucht werden, heißt es. „Durch die Differenzialdiagnostik ersparen sich die Ärzte zusätzlich die Zeit für weitere Tests, erhalten rasch eine fundierte Diagnose und können daraus schneller eine geeignete Therapie einleiten“, sagte Marc Meier, Geschäftsführer der Bosch Healthcare Solutions GmbH.
Wie funktioniert der Test genau?
Der Test soll einen direkten Erregernachweis auf Basis der sogenannten PCR-Methode ermöglichen. Verfahren zum direkten Erregernachweis haben den Vorteil, dass sie auch in früheren Phasen der Infektion verlässliche Ergebnisse liefern. Die PCR-Methode wird auch in den Laboren eingesetzt, die mit der Bearbeitung der Corona-Proben kaum noch hinterherkommen. Dabei werden charakteristische Erbgutabschnitte des Virus mithilfe der passenden Gegenstücke aufgespürt, vervielfältigt und nachgewiesen. Durch die sehr effiziente Vervielfältigung reichen schon geringe Mengen an Viruserbgut, um den Erreger aufzuspüren. Als Untersuchungsmaterial dient ein Abstrich aus dem Rachenraum, wo sich die meisten Viren befinden. Bosch hat sämtliche für den Corona-Test erforderlichen Zutaten in eine Kartusche gepackt, die lediglich in das Analysegerät geschoben werden muss. Die Handhabung sei so einfach, dass auch nicht speziell geschultes Personal die Analysen vornehmen könne, heißt es.
Welche Testmethoden gibt es noch?
Die meisten Schnelltests, die bislang angeboten werden, suchen nach Antikörpern gegen das Coronavirus. Sie sind daher gerade in den frühen Phasen der Infektion nicht sehr zuverlässig. Vielversprechender sind Tests, mit denen Teile der Eiweißhülle des Virus nachgewiesen werden. In Taiwan wurde sie bereits erprobt, in Deutschland sind sie bislang noch nicht verfügbar.
Wer arbeitet derzeit noch an Tests und Therapien?
Viele Unternehmen weltweit, mit am bekanntesten ist die Tübinger Firma Curevac. Am Donnerstag kündigten der Schweizer Pharmakonzern Novartis und eine Gruppe von Gesundheitsunternehmen an, gemeinsam die Entwicklung, Herstellung und Bereitstellung von Impfstoffen, Diagnostika und Behandlungen für das Coronavirus zu beschleunigen. Zu der Gruppe gehören außer Novartis unter anderen auch Boehringer Ingelheim, Glaxo Smith Kline, Johnson & Johnson, Merck und Pfizer Sanofi.
Warum steigen branchenfremde Firmen in die Produktion von Mundschutzmasken und Desinfektionsmitteln ein?
Weil es hier derzeit einen Mangel gibt, auch Beatmungsgeräte fehlen. Nach den Textilherstellern Trigema, Mey und Eterna teilte auch der Wäschespezialist Speidel mit, man habe mit der Herstellung von mehrfach verwendbaren Mund- und Nasenschutzmasken begonnen. Der Lichtkonzern Osram kündigte an, sein eigenes Desinfektionsmittel zu mischen und auch Krankenhäuser in der Region zu versorgen. Der Stuttgarter Zulieferer Mahle steigt in Kooperation mit dem Unterwäschehersteller Triumph in die Produktion von Atemschutzmasken ein. „Mahle liefert hierzu ein Filtermedium, das FFP3-tauglich ist und Viren abfängt“, sagte ein Mahle-Sprecher, deshalb könnten die Masken auch im medizinischen Umfeld eingesetzt werden.
Wie sieht es mit der Produktion von Beatmungsgeräten aus?
Hier sind die Möglichkeiten, dass zum Beispiel ein Autozulieferer umrüstet, begrenzt. So teilte die Arbeitsgemeinschaft Medizintechnik beim Maschinenbauverband VDMA mit, dass es bei komplexeren Produkten wie Beatmungsgeräten „nicht realistisch“ sei, Produktionslinien in den nächsten Wochen und Monaten umzustellen. „Wenn das Beatmungsgerät ausfällt, ist der Patient tot“, sagte Geschäftsführer Niklas Kuczaty.
Wie sieht es in anderen Ländern aus?
Auch dort steigen Firmen in die Medizintechnik ein. So hat die britische Regierung bereits Tausende Atemwegsgeräte beim Hausgeräte- und Staubsauerspezialisten Dyson bestellt. Allerdings müssen noch Sicherheitstests erfolgen, und Dyson arbeitet mit einer Medizintechnik-Firma in Cambridge zusammen.
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