Kampf gegen Ebola in Westafrika Aufklärung ist die einzige Lösung

Der erste Schritt: eine Liberianerin liest ein Plakat, das über Ebola informiert. Foto: dpa
Der erste Schritt: eine Liberianerin liest ein Plakat, das über Ebola informiert. Foto: dpa

In Ghana suchen Gesundheitsminister und Experten nach neuen Wegen, um die katastrophale Ebola-Epidemie in Westafrika einzudämmen. Es ist ein langer Kampf gegen Unwissenheit, Angst und uralte Rituale.

Accra/Ghana - Angesichts der „schlimmsten Ebola-Epidemie, die die Welt jemals erlebt hat“, haben sich die Gesundheitsminister von elf afrikanischen Staaten in der ghanaischen Hauptstadt Accra zu einem zweitägigen Krisengipfel getroffen. Auf Einladung der Weltgesundheitsorganisation WHO wollen sie nach Wegen suchen, der Ausbreitung der Seuche zu begegnen, die nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen „vollkommen aus der Kontrolle“ geraten ist.

Nach den jüngsten WHO-Zahlen sind der Epidemie in den drei westafrikanischen Staaten Guinea, Liberia und Sierra Leone bereits fast 470 Menschen zum Opfer gefallen, mehr als 750 Personen wurden von dem meist tödlichen Virus infiziert. Der bisher verheerendste Ebola-Ausbruch hatte sich 1976 in der Demokratischen Republik Kongo, dem damaligen Zaire, ereignet, wo damals 280 Personen starben.

Das Virus hat ganze Dörfer ausradiert

Besonders besorgt sind die Seuchenexperten über die Tatsache, dass die Zahl der Infizierten allein in den vergangenen zehn Tagen um zehn Prozent in die Höhe geschnellt ist. Auch die Zahl der Toten nahm um fast zehn Prozent zu. Als Ursache gilt der Umstand, dass die Seuche inzwischen vor allem in den dicht besiedelten Küstenregionen der drei Staaten auftaucht. Einzelne Dörfer im Osten Sierra Leones seien regelrecht ausradiert worden, sagte der Virologe Robert Garry von der US-Universität Tulane. Allein in einem Dorf hätten Helfer 25 Leichen gezählt, eine siebenköpfige Familie sei ausgelöscht worden.

Zu schaffen macht den ausländischen Teams allerdings auch die Skepsis der Bevölkerung. Das Auftreten der medizinischen Helfer in Ganzkörperschutzanzügen mit Gummihandschuhen und Motorradbrillen lassen diese wie außerirdische Eindringlinge erscheinen. Helfer klagen, in manche Dörfer würden sie nicht einmal hinein gelassen. Aus Angst vor ausländische Ärzteteams wird oft auch die Erkrankung eines Familienmitglieds nicht gemeldet oder werden Infizierte sogar versteckt.

Verstorbene werden gründlich gereinigt – das ist gefährlich

Das vermutlich über Flughunde – ein Leckerbissen unter Westafrikanern – übertragene Virus ist sehr ansteckend. Der Erreger wird bei direktem Kontakt mit Körperflüssigkeiten weitergegeben. Dass Verstorbene in Westafrika gründlich gereinigt werden, verschärft das Problem. Ärzte ohne Grenzen fordert die Minister deshalb zu Aufklärungskampagnen auf. Nur so könne der Seuche Einhalt geboten werden.

Bereits kurz nach dem Ausbruch der Epidemie im Februar war es zum Streit zwischen Ärzte ohne Grenzen und der WHO gekommen. Während die Hilfsorganisation eine schnelle Ausbreitung der Epidemie befürchtete, warnte die UN-Organisation vor Panikmache und versuchte den Vorfall herunterzuspielen. Inzwischen ist auch die WHO von der Dringlichkeit einer koordinierten Reaktion überzeugt. So forderte der Afrika-Direktor Luis Sambo von den in Ghana tagenden Gesundheitsministern „drastische Maßnahmen“.

Wer einen Infizierten versteckt, macht sich strafbar

Ärzte ohne Grenzen ist mit mehr als 300 ausländischen und lokalen Helfern vor Ort und hat vier Quarantänestationen in der Region eingerichtet.   Als erste Regierungschefin hat die liberianische Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf auf die Praxis der Bevölkerung reagiert, Patienten nicht bei den Behörden zu melden. Jeder, der einen Infizierten in seinem Haus verstecke, mache sich strafbar, erklärte sie.




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