Kampf gegen Einwegplastik Vaihinger Getränkehändler schreibt flammenden Appell ins Netz

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Wochenlang haben Hans-Peter Kastner und seine Mitarbeiter Einwegplastikflaschen gesammelt. Das Ergebnis hat der Vaihinger Getränkehändler jetzt ins Netz gestellt – verbunden mit einem Appell an seine Kunden.

Dutzende Säcke mit Einwegplastikflaschen liegen im Hof von Hans-Peter Kastners Firma. Foto: Hans-Peter Kastner
Dutzende Säcke mit Einwegplastikflaschen liegen im Hof von Hans-Peter Kastners Firma. Foto: Hans-Peter Kastner

Stuttgart - Das hat Hans-Peter Kastner nicht erwartet. Am Montag hat der Vaihinger Getränkehändler auf seiner Facebookseite ein offenen Brief veröffentlicht, der bis zum Dienstagmorgen immerhin mehr als 1500 mal geteilt worden ist. Kastner ist sozusagen digitales Stadtgespräch geworden.

Es geht ums Einwegplastik, und wer sich mit Hans-Peter Kastner am Telefon unterhält, merkt schnell, dass dem Kaufmann das Thema am Herzen liegt. Zwölf Wochen lang haben er und seine Mitarbeiter die Einwegplastikflaschen und -dosen in Säcken gesammelt. Eigentlich bietet sein Getränkehandel diese Produkte gar nicht an, gesetzlich ist er allerdings zur Rücknahme verpflichtet. Neben Dosen handelt es sich vor allem um Plastikflaschen, die in Supermärkten in eingeschweißten Sechserpacks verkauft werden.

10.400 Flaschen in zwölf Wochen gesammelt

Das Ergebnis der akribischen Sammlung hat selbst Kastner überrascht: 52 Säcke à 200 Flaschen und Dosen, also insgesamt 10.400 Stück seien zusammen gekommen. Ein Foto von dem Plastikmüllberg hat er am Montag ins Netz gestellt, verbunden mit der Frage: „Wir fragen uns warum?“

Lesen Sie hier den vollständigen Post auf Facebook:

Dann nimmt Kastner seine Kundschaft ins Gebet: „Umweltschutz? Unterstützung der Nahversorgung? Nachhaltiges Denken? Nein, es geht um Bequemlichkeit, Geiz ist Geil und nach mir die Sintflut“, schreibt er in seinem offenen Brief. Es gebe keinerlei Anlass, Getränke in Plastikflaschen zu kaufen, es gebe immer eine nachhaltige Alternative aus Glas. „Als ich 1993 meine Ausbildung angefangen habe, gab es keine Plastikflaschen“, sagt der 41-Jährige am Telefon. „Niemand hat sich beschwert, dass die Wasserkiste zu schwer ist. Es gab nichts anderes.“

Kastner will etwas gegen Plastikmüll tun

Kastner appelliert an seine Kunden: „Wir fordern alle Kunden auf, diesen Wahnsinn zu beenden! Es liegt in Ihren Händen und Sie haben die Wahl: Stärken Sie den Fachhandel. Kaufen Sie Mehrweg anstatt Einweg. Helfen Sie mit die Umwelt zu verbessern. Reduzieren Sie unnötigen Plastikmüll. Sichern Sie die Nahversorgung und somit auch die Nachhaltigkeit.“

Er sehe sich in der Verpflichtung, seine Kunden darüber zu informieren, dass viel zu viel Plastik im Umlauf sein, und das mit Nachhaltigkeit nichts zu tun habe, sagt Kastner. Außerdem wolle er sich nicht von seinen Kindern einmal vorwerfen lassen, er habe nicht versucht, etwas dagegen zu tun.

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