Kampf gegen Müllsünder Fehlendes Verantwortungsgefühl

  Foto: dpa/Martin Gerten

Die Stadt kann sich über mehr geahndete Verstöße nicht wirklich freuen, meint unsere Polizeireporterin Christine Bilger

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Will man einen kostenlosen Parkplatz an der Straße vor dem Haus, ist die Sache klar. Da gehört die Straße allen, man erhebt Ansprüche auf deren Zustand. Aber was ist mit der Sauberkeit dieser Straße, des angrenzenden Gehwegs, der Fußgängerzonen und der Grünanlagen in der Stadt? Da sind viele auf einmal nicht mehr so für die Kollektivlösung. Wie sonst könnte man es sich erklären, dass es dort manchmal aussieht wie bei Hempels unterm Sofa, bei den Verursachenden zu Hause aber tipptopp sauber und reinlich. Natürlich sind nicht alle Menschen gleich, doch wären alle bei Rechten genauso leidenschaftlich wie bei Pflichten, die Welt – oder zumindest das Stuttgarter Stadtbild – würde schon deutlich besser aussehen. Tut es aber leider nicht.

 

Die Stadt hat daher vor vier Jahren ein millionenschweres Sauberkeitsprogramm aufgelegt, die Stellen beim Vollzugsdienst sind nur ein Teil davon. Unter anderem wurde eine Spezialkehrmaschine besorgt, die Kaugummi vom Pflaster lösen kann.

Das Bewusstsein für die Umwelt ist gestiegen. Kaffee to go wird in Pfandbechern gereicht, Taschenaschenbecher sind auch ein löbliches Accessoire. Und dennoch steigt die Zahl der Müllsünden im öffentlichen Raum und die Höhe der Bußgelder. Schöner wäre es, der Kontrolldruck wäre nicht notwendig. Mag die Präsenz der Streifen auch den Effekt haben, dass man in ihrer Gegenwart nichts wegwirft: Das fehlende Verantwortungsgefühl vieler Zeitgenossen ist das Problem, das leider nur über Bußgelder zu korrigieren ist. Der Lerneffekt setzt erst ein, wenn es dem Geldbeutel wehtut, leider.

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