Kampf gegen Raser „Autorennen sind verachtenswert“ – Stadt Ludwigsburg stellt neuen Blitzer auf

Das neue Messgerät an der Schwieberdinger Straße bestraft zu schnelles Fahren und das Missachten des Rotlichts an der Ampel. Foto: Simon Granville

Die Stadt Ludwigsburg reagiert auf die Auswüchse von Raserei auf der Schwieberdinger Straße. Ein neues Messgerät nährt die Hoffnung auf mehr Disziplin.

Ludwigsburg: Oliver von Schaewen (ole)

Probleme mit Rasern gibt es in Ludwigsburg an der Schwieberdinger Straße immer mal wieder. Mit dem kürzlich verkündeten Mordurteil erreichte diese Entwicklung einen traurigen Höhepunkt. Die Stadt arbeitet weiter an einem Konzept dagegen. Sie hat jetzt an der Kreuzung Schwieberdinger Straße/Gänsfußallee eine neue stationäre Überwachungsanlage errichtet.

 

Die Anlage erfasst nicht nur Temposünder, sondern ahndet auch Rotlichtverstöße – ein doppelter Ansatz, der für mehr Sicherheit auf einer der wichtigsten Verkehrsachsen der Stadt sorgen soll. Das Aufstellen der Anlage hat seit dem Beschluss etwa ein Jahr gedauert.

Ein Schulweg verläuft an der Stelle, an der nun der Blitzer steht. Foto: Imago/U. J. Alexander

Das späte Aufstellen hat mehrere Gründe. Man habe ja sowohl die Ampel als auch das Tempo kontrollieren wollen, erklärt die Stadtsprecherin Susanne Jenne. Das sei gerade an dieser Stelle, an der das tödliche Autorennen von G., I. und K. begann, aber auch ein Schulweg verläuft, technisch möglich. Das herauszufinden und umzusetzen, habe Zeit benötigt.

Nach Ausschreibung und Vergabe verzögerten laut Jenne nicht nur lange Lieferzeiten des Herstellers das Projekt, sondern auch niedrige Temperaturen. Das Thermometer müsse für solche Tiefbauprojekte dauerhaft über fünf Grad Celsius anzeigen.

Ergänzend sollen weiterhin mobile Messungen stattfinden

Weitere stationäre Blitzer entlang der rund 3,5 Kilometer langen Schwieberdinger Straße sind derzeit nicht geplant. Stattdessen setzt die Stadt verstärkt auf flexible Kontrollen. Ergänzend zur festen Anlage sollen weiterhin mobile Geschwindigkeitsmessungen stattfinden. Auch sogenannte Enforcement-Trailer, von denen bislang zwei im Stadtgebiet im Einsatz sind, könnten künftig häufiger an bekannten Problemstellen positioniert werden.

Die Diskussion um die richtige Geschwindigkeit bleibt dabei zentral. Seit Herbst 2025 gilt auf Teilen der Strecke Tempo 40 als Lärmschutz. Doch wirkt eine solche Begrenzung tatsächlich gegen Raser? Immerhin gab der schreckliche Unfall den Ausschlag, diesen Standort für einen stationären Blitzer vorzuziehen.

Der Ludwigsburger Oberbürgermeister Matthias Knecht bleibt jedoch realistisch: „Eine reduzierte Geschwindigkeit kann helfen, Risiken zu minimieren, wir dürfen uns aber nichts vormachen: Wer rast, ignoriert jegliches Tempolimit bewusst.“

Mit deutlichen Worten verurteilt der OB illegale Autorennen als „verantwortungslos und gesellschaftlich absolut verachtenswert“ und fordert ein Umdenken: Prävention sei nicht nur Aufgabe von Behörden, sondern der gesamten Gesellschaft.

Neuer Raserfall: Staatsanwaltschaft wertet Ermittlungen aus

Für Aufmerksamkeit sorgte zuletzt ein Fall Ende Februar, als zwei junge Männer im Alter von 23 und 26 Jahren auf der Schwieberdinger Straße mutmaßlich ein Rennen gefahren haben sollen. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart wertet derzeit die Ergebnisse der polizeilichen Ermittlungen aus. Solche Vorfälle erhöhen den Handlungsdruck auf die Stadt, die bereits länger über zusätzliche Maßnahmen nachdenkt.

Technisch ist die neue Anlage kein Novum für Ludwigsburg. Vergleichbare kombinierte Systeme existieren bereits, etwa an der Stuttgarter Straße auf Höhe des Forums. Neu ist jedoch die strategische Einbindung in ein Gesamtkonzept, das neben festen Anlagen verstärkt auf flexible Kontrollen und gesellschaftliche Sensibilisierung setzt.

Klar ist: Der neue Blitzer allein wird das Problem nicht lösen. Doch er ist ein sichtbares Signal, dass die Stadt gewillt ist, konsequent gegen Raserei vorzugehen – auf einer Straße, die längst mehr ist als nur eine Verbindung zur Autobahn.

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