Der Entführungsfall Lea zieht sich weiter hin. Die Mutter darf nun eine Stunde pro Woche mit der Tochter telefonieren. Das Leben im Ausnahmezustand zehrt an ihr.

Familie/Bildung/Soziales: Viola Volland (vv)

Es ist ein kraftraubender Kampf, den Elsa Pfeiffer führt. Er dauert jetzt schon ein Jahr und bald zehn Monate. Noch habe sie die Hoffnung nicht aufgegeben, Lea wieder zu sich zu holen, sagt die 36-Jährige, die im Altkreis Leonberg wohnt. Am 7. Oktober hatte ihr Ex-Partner David K. die damals zehn Jahre alte Tochter in dessen Heimatland Slowenien entführt – obwohl die Mutter das alleinige Sorgerecht hat. Aber es wird schwerer weiterzumachen. „Ich habe oft das Gefühl, ich pack’s nicht mehr“, sagt Elsa Pfeiffer. Das Leben im Ausnahmezustand, es zehrt an ihr.

 

Lea soll es psychischgar nicht gut gehen

Slowenien gehört eigentlich zu den Ländern, die das Haager Kindesentführungsübereinkommen unterzeichnet haben. Dennoch zieht sich der Fall schon lange hin. Ein gerichtlich verfügter Rückführungsversuch im Frühsommer 2024 war abgebrochen worden. Seither hätten die slowenischen Behörden nichts mehr in dieser Richtung unternommen. Die „Verzögerungstaktik“ habe sich für David K. ausgezahlt, meint Elsa Pfeiffer. Denn je mehr Zeit verstreiche, desto wahrscheinlicher werde es, dass er allein darüber Fakten schafft. David K. hat die Gerichtsurteile, die alle zugunsten der Mutter ausfielen, durchweg angefochten. Er soll hauptsächlich argumentiert haben, dass die Sicht der Tochter zu wenig gehört worden sei.

Damit hat er in Slowenien im vergangenen Herbst einen Teilerfolg erzielt: Das oberste Gericht habe mit knapper Mehrheit befunden, dass das Gericht, das Leas Rückführung verfügt hatte, diesen Vorwurf ausräumen muss. Eine Folge dieser Entscheidung: Die Richterin bestellte psychologische Gutachten über Mutter, Vater und Tochter. Erneut sei viel Zeit verstrichen. Erst im Juni habe sie den Termin mit der vom Gericht bestellten Psychologin und einer Dolmetscherin gehabt, berichtet Elsa Pfeiffer. Der sei zwar gut gelaufen, doch wie sehr kann sie ihrem Gefühl vertrauen?

David K. habe in seiner Muttersprache mit der Psychologin sprechen können, was natürlich ein Vorteil sei. Was Elsa Pfeiffer zudem nicht mehr loslässt: Die Psychologin habe ihr gegenüber erwähnt, wie „emotional kaputt“ ihre heute zwölfjährige Tochter sei. Elsa Pfeiffer schluckt, als sie das sagt.

An der Tür ihres Zimmers hängt ein Foto von Lea. Foto: Simon Granville

Einmal die Woche kann sie inzwischen mit ihrer Lea telefonieren. David K. darf den Kontakt nicht mehr unterbinden. Auch das ist eine Entscheidung des Gerichts. Einmal im Monat, wurde ebenfalls richterlich festgelegt, darf sie Lea für zwei Stunden im dortigen Jugendamt treffen oder mit ihr per Videotelefonie sprechen. Nicht nur, dass die monatlichen Reisen für sie als Mutter eines 18 Monate alten Kleinkinds schwer umsetzbar sind – sie könne es sich auch gar nicht leisten, jeden Monat nach Slowenien zu Lea zu fahren.

Die vergangenen Monate haben sie gelehrt: Nur wer vermögend sei, könne diesen Kampf überhaupt führen. Sie steht vor einem Schuldenberg, der „immer größer wird“. Sie habe irgendwann aufgehört, alle offenen Rechnungen zusammenzuzählen. Jeden Monat zahle sie an ihre deutschen und ihre slowenischen Anwälte so viel es ihr möglich ist – ohne die tatsächlich in Rechnung gestellten Beträge noch bedienen zu können.

Weil der Rechtsweg so langwierig und teuer ist, rät auch das Auswärtige Amt betroffenen Eltern „nach Möglichkeit“, außergerichtlich eine „einvernehmliche Lösung“ anzustreben. Würde sie monatlich für die zwei Besuchsstunden nach Slowenien fahren, müsste sie sich pro Fahrt drei bis fünf Tage freinehmen, je nachdem, ob sie alleine oder mit Baby reist. Das bedeutete entsprechend Verdienstausfall und Reisekosten. Das sei gerade finanziell nicht möglich. 

Im Juni haben sich Mutter undTochter mal wieder gesehen

Elsa Pfeiffer hat das Gefühl, nichts und niemandem mehr gerecht zu werden: Lea nicht, dem Kampf um sie nicht, ihrem kleinen Sohn nicht, ihrem Partner nicht, ihrer Arbeit nicht. Alles, was zusätzlich anfällt, erscheint größer, als es ist. „Es ist so viel, das passt alles nicht in 24 Stunden“, sagt sie erschöpft.


Anfang Juni hat sie ihre Tochter endlich mal wieder getroffen. Sie haben Uno und das Brettspiel Carcassonne gespielt. Es sei gut gelaufen. Auch bei ihren Telefonaten versucht sie, mit Lea zu spielen. Und sie freut sich, wie positiv Lea auf ihren kleinen Halbbruder reagiert, wenn sie per Video sprechen. Mit dem Kleinen gehe sie ganz unbefangen um. Bei einem ihrer letzten Telefonate haben sie ein bisschen herumgesponnen. Der Fantasie ihren Lauf gelassen. Sie würde sich gerne „überall hin teleportieren“ können, habe Lea ihr verraten. Eine Antwort, die Elsa Pfeiffer wieder Hoffnung gegeben hat.

Wer die Mutter unterstützen will: Über die Plattform Gofundme läuft schon länger eine Spendenkampagne: https://www.gofundme.com/f/Lea-zurueckholen.