Kampfkandidatur bei Stuttgarter CDU Jungunionist fordert Bundestagsabgeordnete Maag heraus

Karin Maag hat in der Partei einen Herausforderer bekommen. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Am 25. September möchte das Parlamentsmitglied aus dem Wahlkreis Stuttgart II wieder als CDU-Kandidatin für den Bundestag nominiert werden. Ein Jungstadtrat aus den Reihen der Jungen Union will das verhindern.

Stuttgart - Die CDU-Bundestagsabgeordnete Karin Maag bekommt in ihrer Partei Gegenwind: Bei der Nominierung der CDU-Kandidaten für die Bundestagswahl im September 2021 wird auch der Jungstadtrat Maximilian Mörseburg für Maags Wahlkreis den Hut in den Ring werfen. Diese Information unserer Zeitung ist nun vom Kreisvorstand bestätigt worden. Dagegen muss Stefan Kaufmann, der den anderen Stuttgarter Wahlkreis als direkt gewählter Kandidat im Bundestag vertritt, nach jetzigem Stand keinen Gegenkandidaten befürchten.

 

In Parteikreisen ist bereits das Werben um Stimmen in Gang gekommen. Maag und Mörseburg versuchten schon, ihre Truppen für die Wahlkreiskonferenz zu rekrutieren, die am 25. September stattfinden soll, heißt es aus Parteikreisen. Das Ergebnis für diesen Wahlkreis vorherzusagen, traut sich kaum jemand zu. Mörseburg kommt aus der Jungen Union und dürfte vor allem dort seinen Beistand haben, vielleicht auch in konservativeren Teilen der Kreispartei, heißt es. Maag werde aber um die erneute Nominierung kämpfen. Möglicherweise sei sie in den CDU-Bezirksgruppen in Stuttgart in der Breite etwas mehr verankert als Mörseburg.

Maag hat Erfahrung aus Stadt- und Landtagsverwaltung

Die 58-Jährige ist im Wahlkreis Stuttgart II mit den nördlichen und mit östlichen Stadtbezirken seit 2009 die direkt gewählte Abgeordnete. Dort kümmerte sie sich im Auftrag der Fraktion von Anfang an um die Gesundheitspolitik. Seit Beginn der laufenden Legislaturperiode ist sie gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Vor ihrer Wahl in den Bundestag war die Juristin Verwaltungsleiterin des Landtags, zuvor als Stadtdirektorin die Büroleiterin des damaligen Stuttgarter Oberbürgermeisters Wolfgang Schuster (CDU). Angefangen hatte sie bei der Landeshauptstadt 1991 als Justiziarin.

Mörseburg ist 28 Jahre alt und ebenfalls Jurist. Er kam bei der Gemeinderatswahl 2019 in die Ratsfraktion und ist momentan stellvertretender Fraktionsvorsitzender, konnte sich in der Kürze der Zeit aber noch nicht übermäßig profilieren. Sein Programm dort ist: „Stuttgart soll in die digitale Zukunft aufbrechen, ohne dabei seinen Charakter zu verlieren.“

Mörseburg will die nationale Identität wahren

Unserer Zeitung sagte Mörseburg, es gebe bei einer Nominierung keinen Automatismus. Im Sinne der innerparteilichen Demokratie könne sich jeder bewerben. Er zweifle nicht an, dass Maag einen guten Job gemacht habe. Aber die CDU müsse nun deutlich machen, wo es hingehen solle. Sie müsse Signale geben, dass sie mit frischen Köpfen und Dynamik an die Gestaltung der nächsten zehn bis 20 Jahre gehen wolle. Als Punkte der Agenda nannte Mörseburg die Digitalisierung sowie Reformen, damit die deutsche Wirtschaft wettbewerbsfähig bleibe. Außerdem müsse man gegen das weitere Auseinanderdriften der Gesellschaft einschreiten.

Mörseburg hält sich „in manchen Punkten für moderner“ als Maag, in manchen Dingen sei er vielleicht konservativer und pointierter. So sagt er zum Beispiel, man dürfe trotz Zusammenarbeit in Europa die „nationale Identität nicht vergessen“. Er habe eine klare Vorstellung von der Gesellschaft. Die CDU dürfe ihre Werte nicht vergessen. In der Frage der Kanzlerkandidatur ist sich Mörseburg noch nicht sicher, ob er Friedrich Merz oder Markus Söder von der CSU besser findet, auf jeden Fall sei eine gemeinschaftliche Lösung wichtig. Aber sowohl Merz als auch Söder würde er Armin Laschet vorziehen.

Maag sagte unserer Zeitung, Wettbewerb sei nichts Unübliches in Parteien und nicht Schlechtes. Er zwinge einen selbst, sich zu hinterfragen und noch besser zu werden. Die Abgeordnete zieht in dem Fall den Schluss, dass sie selbstbewusst und zuversichtlich in die Nominierungsveranstaltung gehen könne. Sie sei gern Abgeordnete und gern bei den Menschen. Sie könne auf Lebenserfahrung und Fachkompetenz verweisen. Sie habe gewiss eine ordentliche Leistungsbilanz und nehme an, dass die Mitglieder dies wertschätzen. Die Nominierung sei kein Selbstzweck. Am Ende gehe es um die Frage, mit wem der Wahlerfolg am ehesten möglich sei.

Stefan Kaufmann gilt neuerdings als gestärkt

Anders als Maag gilt der Abgeordnete und Kreisvorsitzende Stefan Kaufmann momentan als unangefochten, obwohl bisweilen intern auch er kritisiert worden war. Dass die Kanzlerin Angela Merkel ihn zum Innovationsbeauftragten in Sachen „grüner“ Wasserstoff machte, habe ihn gestärkt, heißt es.

Die Entscheidung, wen die CDU Stuttgart für die Bundestagswahl aufbieten wird, soll am 25. September ab 17 Uhr in zwei direkt aufeinanderfolgenden Wahlkreiskonferenzen fallen. Trotz der Corona-Pandemie sollen das keine virtuellen Veranstaltungen sein. Veranstaltungsort ist das SSB-Zentrum auf der Waldau. Die Kandidaten für den Landtag hatte die Stuttgarter CDU vor kurzem im Gazi-Stadion in Degerloch nominiert, weil das SSB-Veranstaltungszentrum da nicht zur Verfügung stand. Außerdem, sagte Kreisgeschäftsführerin Manon Kalusche, habe man auch mal etwas anderes ausprobieren wollen. Mitstimmen dürfen CDU-Mitglieder aus Stuttgart, die über 18 Jahre alt sind und sich zur Veranstaltung angemeldet haben. Mitentscheiden dürfen sie aber nur für den Wahlkreis, in dem sie wohnen.

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