Kampfkandidatur um Hahns Nachfolge Grüne Ratsfrauen wollen eine Baubürgermeisterin

Von Thomas Braun und Jörg Nauke 

Matthias Hahn geht im August, der Kampf um seinen Posten ist entbrannt: Peter Pätzold bekommt parteinterne Konkurrenz für die Bewerbung um das Amt des Baubürgermeisters: Stadträtin Gabriele Munk fordert ihn heraus.

Matthias Hahn (rechts) wird Ende August als Baubürgermeister aufhören. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski 6 Bilder
Matthias Hahn (rechts) wird Ende August als Baubürgermeister aufhören. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Der Rückzug von Baubürgermeister Matthias Hahn aus dem Amt zum 31. August sorgt bei den Grünen im Rathaus nicht nur für Spannung, sondern auch für Spannungen. Gemessen an ihrer Stärke steht der Ökofraktion schon lange ein zweiter Bürgermeister zu. Neben dem 46-jährigen Fraktionschef Peter Pätzold hat nun auch die Stadträtin Gabriele Munk (57) ihren Hut in den Ring geworfen. Beide kündigten am Donnerstag in der Fraktion ihre Bewerbung an. Die Ambitionen von Pätzold sind seit längerem bekannt. Aber während sich der selbstständige Architekt, seit 2004 Stadtrat und seit 2011 einer von zwei Fraktionssprechern, bedeckt hält, betreibt Munk Werbung in eigener Sache: „Wir wollen das beste Ergebnis für die Grünen aus einem fairen Auswahlprozess“, so die Stadträtin, die seit 2009 dem Gemeinderat angehört. Sie habe Signale „von außen“ und aus der Fraktion erhalten, die sie bestärkt hätten, sich der Herausforderung zu stellen, sagte die Architektin und Stadtplanerin gegenüber der StZ. Die Gefahr einer Spaltung der Fraktion sehe sie nicht.

Zwei Bewerber mit unterschiedlichen Profilen

Ihre Kandidatur gegen Pätzold wird offenbar vor allem aus den Reihen der Fraktionsfrauen befördert. Die Frauenquote spielt bei den Grünen traditionell eine große Rolle; mit Verwaltungsbürgermeister Werner Wölfle stellt die Partei zurzeit einen Bürgermeister. Wie immer bei wichtigen Personalentscheidungen sollen auch das grün geführte Staatsministerium und der Chef der Staatskanzlei, der ehemalige Verwaltungsbürgermeister Klaus-Peter Murawski, in den Auswahlprozess involviert sein. Murawski gilt eigentlich als Förderer vorzugsweise weiblicher Grünen-Talente wie der Co-Sprecherin der Fraktion, Anna Deparnay-Grunenberg, die Munks Bewerbung offenbar positv sieht. Intern soll sich Murawski allerdings klar für Pätzold ausgesprochen haben. In Parteikreisen sorgt Munks Vorpreschen nicht nur für Begeisterung. Pätzold kenne sich im Stadthaushalt aus und habe sich als Wölfles Nachfolger im Amt des Fraktionschefs bewährt. Er habe einen guten Draht in die Verwaltung sowie in die Architektenszene, heißt es. Gabriele Munk dagegen sei in ihren sechs Jahren als Stadträtin nicht durch besondere Initiative oder gar Führungsstärke aufgefallen.

Die Weilimdorfer Stadträtin, die stellvertretende Leiterin des Stadtplanungsamts von Leinfelden-Echterdingen ist, sieht das naturgemäß anders. Sie habe etwa maßgeblich daran mitgewirkt, dass die frühere Stuttgarter Gestapo-Zentrale Hotel Silber erhalten bleibe und das Dorotheenquartier nicht als „Monolith“ bebaut werde. Zudem wisse sie aus ihrer beruflichen Erfahrung, „wie Verwaltung tickt“. Schon vor zwei Jahren habe sie ihren „Marktwert getestet“ – mit einer Kandidatur für den Baubürgermeister-Posten in Ludwigsburg. Munk kam in die Endauswahl, unterlag dann aber dem heutigen Amtsinhaber Michael Ilk deutlich mit neun zu 30 Stimmen. In der 14-köpfigen Stuttgarter Grünen-Fraktion, die den Bewerber kürt, könnte sie nach StZ-Informationen derzeit mit etwa einem Drittel der Stimmen rechnen.

SÖS-Linke fordert parteiunabhängige Kandidatensuche

Unabhängig vom Duell zwischen Munk und Pätzold stellt die SÖS-Linke-Plus den Anspruch der Grünen prinzipiell in Frage. Laut Fraktionssprecher Hannes Rockenbauch wäre seine Gruppierung als viertstärkste Kraft nun an der Reihe, einen Bürgermeister zu stellen. Sich immer auf das Vorschlagsrecht zu versteifen, sei aber „kleinlich“. Er fordert deshalb die Grünen auf, sich im Rat gemeinsam intern und extern auf die Suche nach einer Person zu machen, die ausreichend fachlich qualifiziert sei sowie die konzeptionellen Fähigkeiten aufweise, um die Stadt auch in ökologischer Hinsicht zu entwickeln. Das könne, müsse aber am Ende nicht Peter Pätzold sei – oder der Stadtplaner Rockenbauch, der auch schon OB werden wollte.

Die Ambitionen der Grünen auf den Beigeordnetensitz werfen auch die Frage nach ihrer künftigen Fraktionsspitze auf. Sollte Pätzold nominiert und gewählt werden, muss ein neuer Mann für die Doppelspitze neben der unerfahrenen Deparnay-Grunenberg gefunden werden. Die Auswahl ist begrenzt: Bildungsexperte Vittorio Lazaridis, als Nachfolger gehandelt, verändert sich beruflich nach Karlsruhe, Benjamin Lauber und Björn Petterhoff gelten als zu unerfahren. Jochen Stopper, Referent der Grünen-Landeschefin Thekla Walker, soll auf einen Job beim Land spekulieren. Bleibt der kulturpolitische Sprecher und Geschäftsführer des Freien Musikzentrums Feuerbach, Andreas Winter: Er müsste dann mit der Forstwissenschaftlerin und angehenden Prozessbegleiterin Deparnay-Grunenberg die Grünen in die nächsten Haushaltsberatungen führen.

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