Kampfsport: MMA Die Stuttgarter Weltmeisterin aus dem Käfig

Kämpferin mit Leidenschaft: Die 24-jährige Stuttgarterin träumt von einer Profi-Karriere in ihrer Sportart. Foto: Günter Bergmann

Alina Dalaslan hat in Usbekistan ihren größten Erfolg gefeiert – in einer Sportart, die zu den härtesten der Welt zählt. Was Kunstturnen mit ihrer MMA-Karriere zu tun hat, warum sie keine Angst um ihr Gesicht hat und wie sie mit Kritik an ihrem Sport umgeht.

Sport: Dominik Grill (grd)

Als Alina Dalaslan die behandschuhten Fäuste im usbekischen Taschkent gen Himmel reckte, war es geschafft: Mit einer dominanten Performance kürte sich die 24-jährige Wahl-Stuttgarterin gegen die Südafrikanerin Demi-Shaye Thomas zur Amateur-Weltmeisterin. Die Sparte: MMA, ausgeschrieben Mixed Martial Arts – der wohl härteste Kampfsport der Welt. Verboten ist vergleichsweise wenig im sogenannten Käfig, sprich auf der Wettbewerbsfläche; Möglichkeiten, den Gegner außer Gefecht zu setzen, gibt es dafür umso mehr. Den besagten Finalkampf beendete Dalaslan mit fliegenden Fäusten, gegen die sich ihre Gegnerin nicht mehr wehren konnte, der Ringrichter ging dazwischen und brach den Kampf ab. Das Resultat: technischer K. o. in der dritten Runde.

 

„Der Sport ist mein Leben“, sagt Dalaslan über ihre Leidenschaft, „im Käfig zu stehen und zu kämpfen, entfacht dieses Feuer in mir.“ Seit acht Jahren betreibt die aus Illertissen stammende Frau mit den langen schwarzen Haaren Kampfsport. Dabei hat ihre sportliche Karriere einen deutlich sanfteren Ursprung: Lange Zeit war sie Kunstturnerin, bis ihr kleiner Bruder sie in eine Kampfsporthalle schleppte. Schnell begeistert, betrieb Dalaslan, die in ihrer Freizeit gerne Paulo Coehlo liest, zunächst Kickboxen, vor rund eineinhalb Jahren folgte der Wechsel zu MMA.

Dalaslan träumt von einer großen MMA-Karriere

Überzeugt ist sie: „Durch das Turnen habe ich diese große Disziplin, die mir heute im Leben hilft.“ Und die braucht sie auch, um Alltag und Sport unter einen Hut zu bringen. Dalaslan arbeitet bei der Luxusautoschmiede AMG im Finanzbereich. Darüber hinaus trainiert sie jede Woche mindestens 15 Stunden. „Meine Trainer müssen mich immer wieder bremsen und zu Pausen zwingen“, sagt die ambitionierte Kämpferin und grinst. Längst träumt sie davon, den Sport zu ihrer einzigen Karriere zu machen. Nächstes Jahr peilt sie ihr Debüt bei den Profis an – dort geht es noch deutlich härter zu als bei den Amateuren: Die Handschuhe sind dünner, die Schienbeinschoner, mit denen sie bisher – so auch bei der WM in Usbekistan – kämpfte, fallen weg. Auch die Gangart im Käfig ist eine andere. Bei den Profis ist Ellenbogeneinsatz erlaubt, genauso Knie gegen den Kopf. Schläge auf einen Gegner, der am Boden ist, gehören ohnehin in beiden Varianten zum Repertoire.

So manchem neutralen Zuschauer dürfte spätestens an diesem Punkt flau im Magen werden. MMA ist ein Sport, der kontrovers diskutiert und als ebensolcher hinterfragt wird: Ist es sportlich, einen Gegner am Boden zu schlagen? Oder anders gefragt: Ist „Sport“ hier überhaupt eine passende Bezeichnung? Diesen zentralen Kritikpunkt sieht Alan Omer, Betreiber der Dalaslan-Trainingsstätte Stallion Gym in Zuffenhausen und selbst ein Veteran der Szene, so: „Wenn ein Kämpfer am Boden liegt, ist er nicht wehrlos, wie viele MMA-Kämpfe zeigen. Wenn das aber der Fall ist, geht der Schiedsrichter dazwischen.“ Leute, die jede Form von Gewalt und damit auch MMA prinzipiell ablehnen, kann er verstehen – das müsse dann aber auch für Boxen und andere Kampfsportarten gelten. Die Regeln in seiner Kampfsportschule sind klar: „Jemand, der sich auf der Straße prügelt, hat hier nichts zu suchen.“ Vielmehr sei es wichtig, Demut und Respekt zu lernen.

„Was im Käfig passiert, bleibt im Käfig“

Dalaslan sagt zu Bedenken an ihrem Tun: „Was im Käfig passiert, bleibt im Käfig. Dort gibt es klare Regeln und einen Schiedsrichter. Es ist keine Straßenschlägerei.“ Meistens seien die Leute ohnehin eher beeindruckt: „Viele fragen mich, wie es ist, als Frau MMA zu machen. Andere fragen, ob ich nicht Angst um mein Gesicht habe.“ Denn dass es im Käfig immer wieder blutig zugeht, steht außer Frage. „Kleine Cuts oder mal ein Veilchen gehören dazu“, sagt Dalaslan, „schwerer verletzt habe ich mich in acht Jahren Kampfsport aber noch nie.“ Angst im Käfig kennt sie mittlerweile ohnehin nicht mehr – dafür sei sie dort zu sehr im Adrenalinrausch.

Anders sieht das natürlich in ihrer Familie aus: Während der WM habe ihre Mutter beim Zuschauen fast einen Herzinfarkt bekommen, scherzt Dalaslan. „Vor den Kämpfen sage ich ihr immer: Du brauchst keine Angst zu haben, ich gewinne sowieso“, sagt sie erneut mit einem Grinsen – und sollte bisher recht behalten. In insgesamt 16 Kämpfen, fünf davon im MMA, elf im Boxen sowie Kickboxen, reckte der Ringrichter am Ende stets ihren Arm in die Höhe. Inspiriert wird sie unter anderem von ihrem großen Idol: Amanda Nunes, der wohl besten MMA-Kämpferin aller Zeiten. Kampfname: „The Lioness“. Genauso wie die Brasilianerin strebt Dalaslan eine Karriere in der amerikanischen UFC (siehe unten) an.

Apropos Kampfname – wie es eigentlich mit einem eigenen aussieht? Alina Dalaslans aktueller Favorit lautet „Donner Dalaslan“. Sollte es mit der großen Karriere in Übersee klappen, muss sie sich noch eine englische Variante einfallen lassen.

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