Kandidat für Bundespräsidenten-Wahl Ein Sonneborn for president?

Der Satiriker Martin Sonneborn will die Bundesversammlung vorführen. Foto: AP
Der Satiriker Martin Sonneborn will die Bundesversammlung vorführen. Foto: AP

Kein Mensch kennt Engelbert Sonneborn. Aber er steht bei der Bundesversammlung am Sonntag zur Wahl als Bundespräsident. Ob das ernst gemeint ist? Wie man es nimmt.

Politik/Baden-Württemberg : Bärbel Krauß (luß)
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Berlin - Jetzt ist es auch offiziell: Im Rennen um die Nachfolge von Joachim Gauck als Bundespräsident, gibt es einen weiteren Kandidaten. Engelbert Sonneborn, 78, ist von seinem Sohn, dem Satiriker und EU-Parlamentsabgeordneten Martin Sonneborn in korrekter, schriftlicher Form als Wahlvorschlag für das zwölfte Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland eingereicht worden. Das ist der Internetseite des Bundestags zu entnehmen, auf der diese Mitteilung an diesem Donnerstag um die Mittagszeit veröffentlicht worden ist.

Der Spaßmacher mit nicht nur scherzhaften Absichten schlägt wieder zu

Wer sich nun wundert, dass er noch nie von Engelbert Sonneborn gehört hat, befindet sich in gewöhnlich nicht schlecht informierter Gesellschaft: Google kennt den 78-jährigen Ex-Berufsberater Engelbert Sonneborn auch erst, seit sein Sohn ihn als Gegenkandidaten zu dem SPD-Politiker und Exaußenminister Frank-Walter Steinmeier ins Spiel gebracht hat. Sonneborn-Junior, der in seiner Eigenschaft als Spaßmacher mit nicht nur scherzhaften Absichten auch Vorsitzender der Partei „DIE PARTEI“ ist, wurde von den nordrhein-westfälischen Piraten als Wahlmann in die Bundesversammlung entsandt.

Sonneborn-Junior darf Sonneborn-Senior vorschlagen

Die Frage, ob er darf, was er da macht, ist mit einem klaren Ja zu beantworten: Jedes Mitglied der Bundesversammlung darf laut Paragraf 9 des Gesetzes über die Wahl des Bundespräsidenten Wahlvorschläge abgeben. Ein solcher Vorschlag darf „nur die zur Bezeichnung des Vorgeschlagenen erforderlichen Angaben enthalten“, muss schriftlich erfolgen und eine Zustimmungserklärung des Vorgeschlagenen enthalten. Diese Formvorschriften sind im Fall Sonneborn erfüllt. Das gilt für alle bisher bekannten Bewerber. Neben Steinmeier sind das der emeritierte Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge (66), den die Linkspartei nominiert hat, der Vize-Parteichef Albrecht Glaser (75), der für die AfD antritt, und den Richter Alexander Hold (54), den Bayerns Freie Wähler vorschlagen.

Angeblich nur „ein netter Onkel, der nicht viel zu melden hat“

Angesichts der Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung, in die die Union und die SPD zusammen 923 von 1260 Wahlleuten entsenden, hat außer Steinmeier kein Bewerber eine realistische Chance. Aber Butterwege, Glaser und Hold sind anders als Sonneborn Senior ernsthafte, politische Kandidaten. Martin Sonneborn und die Piraten wollen dagegen ein Signal setzen, dass „die herrschenden Parteien einen netten Onkel“ bestimmen, „der Staatsoberhaupt spielen darf, ansonsten aber nicht viel zu melden hat“ und dies untereinander auskungeln. Das teilt der Piraten-Parteichef Patrick Schiffer mit. Sein Vater „könnte das“, offenbarte Martin Sonneborn in der FAZ; der sei parteilos, eine ehrliche Haut und im besten Präsidentenalter. Im Fall seiner Wahl würde er monothematische Reden zum Thema Freizeit halten nach dem Muster: „Freizeit. Ein Plädoyer“ oder „Freizeit will immer wieder neu errungen sein!“




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