Kandidat fürs Amt des Bezirksvorstehers Einsatz für den Stuttgarter Westen

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Der Grüne Bernhard Mellert soll der Nachfolger von Bezirksvorsteher Reinhard Möhrle im Stuttgarter Westen werden. Ein erstes Gespräch über seine Pläne für den zweitgrößten Bezirk Stuttgarts.

Der Berufschullehrer Bernhard Mellert arbeitet gerne mit Menschen zusammen. Foto:  
Der Berufschullehrer Bernhard Mellert arbeitet gerne mit Menschen zusammen. Foto:  

S-West - Er trete in große Fußstapfen. Das sei ihm durchaus bewusst, sagt Bernhard Mellert (Die Grünen). Sein Vorgänger Reinhard Möhrle habe sein Amt als Bezirksvorsteher „sehr gut und sehr souverän“ ausgeführt, auch weil er so nah an den Parteien und an den Menschen sei. Bereits im Frühjahr, vor der Kommunalwahl, hat Möhrle angekündigt, sein Amt nach knapp 15 Jahren niederlegen zu wollen. Die Grünen haben sich nun darauf geeinigt, Bernhard Mellert als neuen Bezirksvorsteher für den Stuttgarter Westen vorzuschlagen. Der Gemeinderat muss dem Ende Juli noch zustimmen. Die Wahl gilt aber als sicher.

Bernhard Mellert ist seit 1999 im Ortsverband bei den Grünen, später wurde er auch Sprecher der Ortsgruppe. Seit knapp drei Jahren sitzt er dort im Bezirksbeirat. Den Bezirk kennt er also durchaus recht gut. Warum er Bezirksvorsteher werden will? „Joa, gute Frage“, antwortet er da zunächst zögerlich bei einem Espresso im Café Fragola am Bismarckplatz. Er sei damals bei den Grünen eingetreten, um konkret Politik vor Ort zu machen, mit den Inhalten der Partei stimmt er überein.

In der Lokalpolitik zu Hause

Eine große Parteikarriere hat der Berufsschullehrer aber keineswegs angestrebt. „Ich mag es auf lokaler Ebene zu arbeiten“, sagt er. Dort sehe man schnell, was man geplant hat, weil die Umsetzung schneller gehe. Er verweist auf das Café Fragola und die Pläne zur Umgestaltung des Bismarckplatzes. „Da konnte man die Wünsche der Anwohner am Ende doch noch zügig in die Pläne aufnehmen.“

Doch das ist nicht sein einziger Antrieb. „Ich arbeite gerne mit Menschen zusammen, interessiere mich für die Anliegen der Vereine und Einrichtungen im Westen“, sagt Mellert. Zwar sei der Bezirksbeirat „nur“ ein beratendes Gremium, aber Einfluss auf den Gemeinderat über die eigenen Fraktionen sei ja durchaus vorhanden. Wichtig sei für ihn, die bisher sehr sachorientierte Arbeit des Gremiums weiterzuführen, gute Kompromisse mit den anderen Fraktionen zu schließen. „Da können wir dann als Bezirksbeirat durchaus auch etwas bewegen“, sagt Mellert.

Die Bezirksvorsteher in der Innenstadt arbeiten quasi ehrenamtlich. Dabei erfordert das Amt tatsächlich viel Zeit und Einsatz. Wie er das managen möchte? „Ich bekomme viel Unterstützung von meiner Familie und meinem Arbeitgeber, deshalb traue ich mir das zu“, sagt Mellert.

Kommunalpolitik ist mitunter auch mal langwierig

Der 57-Jährige lebt seit 1994 im Stuttgarter Westen. Ursprünglich hat er Gießerei-Technik studiert, entschied sich dann nach sieben Jahren in der Industrie für einen Wechsel ins Lehramt. Seit 1993 ist er Berufsschullehrer an der Wilhelm-Maybach-Schule in Bad Cannstatt. „Den Wechsel in den Schuldienst habe ich nie bereut“, sagt er. Denn gerade als Lehrer habe er gemerkt, wie wichtig, ihm die Zusammenarbeit mit anderen Menschen ist.

Sein Ziel als Bezirksvorsteher ist deshalb auch: nahbar zu sein. Und die politischen Themen des Westens den Menschen näher zu bringen. So könne man zum Beispiel die Flanierrouten noch sichtbarer machen. „Viele Menschen bekommen gar nicht mit, was alles passiert.“ Das liegt vielleicht auch daran, weil politische Prozesse für nicht involvierte Beobachtern mitunter sehr zäh erscheinen. Das weiß Mellert natürlich auch. Mehr als zehn Jahre sei man im Bezirksbeirat mit dem Olga-Areal beschäftigt gewesen, über 15 Jahre mit dem Umzug der Jugendverkehrsschule vom Diakonissenplatz an den Westbahnhof.

Wohnen und Verkehr: Das sind die Themen, auf die er sich fokussieren möchte

Zentrale Themen im Westen sind für ihn weiterhin Schulpolitik, wie zum Beispiel der geplante Campus West, sowie die Dauerbrenner Wohnen und Verkehr. Sein Fokus liege beim Wohnen vor allem auf den frei werdenden Arealen von Wüstenrot und Württembergische sowie von der Allianz. „Da müssen schon Wohnungen für Menschen aller Einkommensgruppen entstehen.“ Beim Thema Verkehr glaubt er, sei man mit dem Unterausschuss Mobilität im Bezirksbeirat auf einem guten Weg und arbeite innerhalb der Parteien gut zusammen. „Es ist natürlich ein Thema, das emotional sehr aufgeladen ist“, sagt Mellert. Aber er habe den Eindruck, in der Stadtgesellschaft steige allgemein die Bereitschaft, alternative Mobilitätsformen zu akzeptieren und neue Wege zu gehen. Für andere seien Veränderungen schwieriger. „Aber auch das muss man dann aushalten.“

Dabei geht es natürlich darum: Wie wollen wir in der Stadt leben? Braucht es das Auto in der Innenstadt überhaupt? „Viele brauchen es“, sagt Mellert klar und ergänzt: „Wobei ich selbst es immer weniger brauche.“ Sinnvoll sei daher, den Menschen bessere Optionen anzubieten, um einen Umstieg interessant zu machen. Genau über diese Themen wolle er mit den Bürgern ins Gespräch kommen.

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