Kandidatenkür bei den Grünen Erst die Lottofee bringt Maier den Sieg

Von  

Historischer Zufall oder Slapstick? Wie vor sechs Wochen hat es bei der Kandidatenkür der Göppinger Grünen für die Landtagswahl ein Patt gegeben. Am Ende entscheidet das Los. Der Ärger dürfte damit nicht zu Ende sein.

Weder der gelbe, grüne, blaue noch der rosafarbene Wahlzettel haben die Entscheidung gebracht. Da muss Kreisgeschäftsführer Joachim Abel die Loszettel vorbereiten. Foto: Horst Rudel
Weder der gelbe, grüne, blaue noch der rosafarbene Wahlzettel haben die Entscheidung gebracht. Da muss Kreisgeschäftsführer Joachim Abel die Loszettel vorbereiten. Foto: Horst Rudel

Rechberghausen - Es ist 22.55 Uhr, da nestelt der eigens aus Stuttgart angereiste Landesgeschäftsführer Matthias Gauger den Namen von Alexander Maier aus einer zur Lostrommel umfunktionierten Papiertüte. Zuvor hatten vier Wahlgänge keine Klarheit darüber gebracht, wer für Göppingens Grüne im nächsten Jahr in den Landtagswahlkampf zieht. Nun aber steht fest: Der amtierende Landtagsabgeordnete Jörg Fritz (55) wird keine Gelegenheit haben, seinen Erfolg von der Wahl vor vier Jahren zu wiederholen. Damals hatte er erstmals in der Geschichte der Grünen im Kreis Göppingen ein Mandat geholt.

Dasselbe in Grün

In einem nervenzehrenden Wahlkrimi war es zwischen Maier und Fritz bereits im zweiten Wahlgang zu einem Patt gekommen. Beide Kandidaten erhielten jeweils 40 Stimmen. Daran änderte sich auch in zwei weiteren Wahlgängen nichts. Kurios: schon bei einer ersten Nominierungsversammlung vor sechs Wochen hatte es bei ähnlich starker Beteiligung ebenfalls ein Patt gegeben, damals zwischen Fritz und der Eislinger Stadträtin Ulrike Haas. Gelost wurde nicht.

Damals hatte Maier seine Bewerbung zurückgezogen, nachdem er im ersten Wahlgang knapp auf Platz drei gelegen hatte. Diesmal schob er sich im ersten Wahlgang mit 25 Stimmen vor Haas, die nur 21 Stimmen erreichte und nun ihrerseits enttäuscht verzichtete. Fritz lag wieder vorne, diesmal mit 34 Stimmen.

Fritz gratuliert und geht

Nach der Losentscheidung gratulierte Fritz kurz und verließ dann den Saal im Roten Ochsen von Rechberghausen. Auch einige Getreue hielt es nicht länger. „Wenn das Los entscheidet, kann wohl kaum die politische Vernunft gesiegt haben“, schimpfte Matthias Weigert, bevor er nach Reichenbach aufbrach. Die Filsgemeinde aus dem Kreis Esslingen gehört zum Göppinger Landtagswahlkreis. Die dortigen Parteimitglieder zählen zu den Anhängern des amtierenden Abgeordneten, der lange im Kreis Esslingen gewohnt hat.

Vor der Nominierung soll vor allem die Göppinger Kreistagsfraktion Stimmung gegen Fritz gemacht haben. Der Abgeordnete vernachlässige die innerparteiliche Kommunikation, hieß es. Der gab den Vorwurf zurück. Er habe sich immer wieder redlich bemüht, aber nie einen Gesprächstermin bei der Kreistagsfraktion erhalten. Auch vom Kreisvorstand fühlte sich Fritz benachteiligt. So soll der Vorstand noch nach Ablauf einer zuvor festgelegten Frist Neumitglieder aus dem Haas-Lager aufgenommen haben. Zur Aufklärung hatte Fritz sogar das Landesschiedsgericht der Partei angerufen. Böse Briefe kursierten. Mehrmals sah sich der Kreisvorstand bemüßigt, sein Vorgehen in Rundbriefen an die Mitglieder zu rechtfertigen. Zu Beginn der Versammlung teilte Fritz dann aber mit, dass er seinen Einspruch beim Schiedsgericht zurückgezogen habe.

Grüne Jugend hofft auf Maier

Jubel herrschte am Schluss jedoch nur bei Maier und seinen Anhängern. „Seine Nominierung ist sehr wichtig für uns. Er ist unser einziger aussichtsreicher Kandidat“, sagte die Landessprecherin der Grünen Jugend, Lena Christin Schwelling. Maier, der als Radiojournalist bei einem Privatsender arbeitet, ist erst 24 Jahre alt, verfügt aber schon über reiche politische Erfahrung. Er war Chef der Grünen Jugend im Kreis und initiierte als Reaktion auf die Neonazi-Aufmärsche den Verein Kreis Göppingen nazifrei. Seit dem vergangenen Jahr sitzt er im Göppinger Gemeinderat.

Er wolle auch auf die Mitglieder zugehen, die ihn nicht gewählt hätten, sagte Maier. Ziel müsse es sein, die CDU in der Opposition zu halten. Seine Nominierung per Losentscheid sei kein Makel. Das unterstrich auch der Landesgeschäftsführer Gauger. „Es waren einfach zwei starke Kandidaten.“ Der Kreisvorsitzende Berthold Frieß atmete derweil durch. „Wir haben trotz der Vorgeschichte Ruhe reingekriegt.“ Am Schluss war es sogar fast harmonisch. Da kürte die Partei mit übergroßer Mehrheit Maiers Nebensitzerin im Gemeinderat, die 51-jährige Apothekerin Christine Lipp-Wahl, zur Zweitkandidatin.




Veranstaltungen