Kandidatur als Oberbürgermeister Der Oberbürgermeister umwirbt die CDU-Basis

Von Jörg Nauke 

Oberbürgermeister Wolfgang Schuster gibt am 9. Januar bekannt, ob er noch mal antritt. Seine Parteifreunde bereitet er schon jetzt vor.

Macht er weiter, hört er auf? Das weiß im Moment nur Schuster selbst. Foto: Michael Steinert
Macht er weiter, hört er auf? Das weiß im Moment nur Schuster selbst. Foto: Michael Steinert

Stuttgart - Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) lädt am 9. Januar überraschend zu einem Neujahrsempfang ein. Der Begleittext der Einladung informiert leitende städtische Mitarbeiter und Fraktionschefs darüber, dass im Großen Sitzungssaal nicht nur auf das Jahr 2012 angestoßen wird, das „vielfältige Herausforderungen“ bereit halte, sondern auch auf das 15-Jahr-Dienstjubiläum des Stadtoberhaupts. Für den OB wird dieser Vormittag – wie berichtet – aber auch den Rahmen bilden, die Spekulationen über seine berufliche Zukunft zu beenden. Seit Monaten hat er auf die Frage, ob er ein drittes Mal antreten wird , ob er also die Mühen eines intensiven Wahlkampfs noch einmal auf sich nehmen wird, den 9. Januar als Verkündungstermin genannt.

Bis dahin steht Schuster folglich unter Beobachtung, werden Äußerungen und Verhaltensmuster darauf abgeklopft, ob sie einen Hinweis auf seine Entscheidung geben könnten. Ein gewisses Desinteresse an den wichtigen Haushaltsberatungen lasse darauf schließen, dass er nicht mehr antrete, hieß es dieser Tage im Rathaus. Andererseits hat der OB stets betont, er werde sich erst zwischen den Feiertagen nach einer Beratung im Familienkreis entscheiden. Und hat er nicht nach der für ihn als Stuttgart-21-Befürworter erfolgreichen Volksabstimmung am 27. November den Eindruck erweckt, von einer Last befreit zu sein, die seine Entscheidung, sich noch einmal ins Bewerberrennen zu stürzen, bis dahin negativ beeinflusst haben dürfte?

So deutlich geworden wie nie zuvor

Die Vorwürfe von Teilen der Bürgerschaft, er sei maßgeblich für die Spaltung der Stadtgesellschaft verantwortlich, hatten ihn jedenfalls ebenso wenig kalt gelassen wie die anonymen Drohungen, die ihm zeitweise Personenschutz bescherten. Die Kritik an seiner Haltung hat ihn freilich nie daran gehindert, sich auf eine Seite zu schlagen. Ob er dabei die Grenzen des Erlaubten überschritten hat, indem er für 130.000 Euro Pro-S-21-Flyer verteilen ließ, prüft derzeit gar die Staatsanwaltschaft.

Zugleich bekundet der OB, allerorten von Bürgern zur erneuten Kandidatur aufgefordert zu werden . Passend dazu heißt es in Parteikreisen, nicht nur Schusters ehemalige Büroleiterin, die Bundestagsabgeordnete Karin Maag, bastele schon an einer Strategie für die Wahl, auch Schuster formuliere im kleinen Team Themen für die Zukunft. Was seine Ambitionen angeht, ist er dieser Tage in einem Brief an seine „lieben Parteifreunde“ von der CDU so deutlich geworden wie nie zuvor. Darin deutet Schuster gleich mehrfach an, in den nächsten fünf Jahren bis zum Erreichen der Altersgrenze in Stuttgart aktiv bleiben zu wollen. Er verweist auf anstehende Aufgaben wie die „Gestaltung der Energiewende“ mit künftig eigenen Stadtwerken sowie auf die „Anstrengungen für die kinderfreundliche Stadtgesellschaft“. – „Ich würde mich freuen, wenn ich auch hier weiterhin auf Ihre Unterstützung setzen darf“, schreibt Schuster unverblümt. „Die städtebauliche Jahrhundertchance können und werden wir gemeinsam mit allen Stuttgartern ergreifen.“ Dann redet er schon mal die CDU stark: „Wir sind wieder im Aufwind.“

Intimfeind Roland Schmid

Auffällig ist allein schon der Umstand, dass es diesen Brief überhaupt gibt. Die Partei mit ihrem Vorsitzenden Stefan Kaufmann und das Stadtoberhaupt gehen sich meist aus dem Weg. Als die CDU-Basis unlängst, mit Schusters Cannstatter Intimfeind Roland Schmid vorneweg, beschloss, künftig selbst zu entscheiden, wer für die OB-Wahl kandieren dürfe, glänzte der Amtsinhaber bewusst durch Abwesenheit.

Für einen Wahlkampf bräuchte Schuster freilich jeden aktiven CDUler, weshalb es sich schickte, jenen für den Einsatz bei der Volksabstimmung zu danken, die 2012 für ihn Plakate kleben könnten. Den schriftlichen Dank für den Einsatz bei der Volksabstimmung empfindet deshalb so manches Mitglied als wohlkalkuliert.

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