Im Sommer bietet sich in Esslingen eine besondere Möglichkeit, die Stadt zu entdecken: Die vielen Kanäle laden zu einer Kanu-Ausfahrt ein. Dabei gilt es aber ein paar Dinge zu beachten.
In Esslingen ist man dem Wasser nie fern. Das Zentrum ist von Kanälen durchzogen, wobei in der Altstadt vor allem Roß- und Wehrneckarkanal das Panorama prägen. Da verwundert es nicht, dass man vom Kesselwasen aus auch auf „Klein-Venedig“ blicken kann. „Es gibt kaum eine schönere Stadt mit vergleichbarem Altstadtflair“, sagt Marc Schmitt. Er leitet das Unternehmen nexTour, das einer der Anbieter von geführten Kanufahrten in Esslingen ist.
Wieso eine Kanutour in Esslingen?
Wer die Fachwerkfassaden und gepflasterten Gassen nicht einfach nur auf sich wirken lassen, sondern auch noch aktiv werden will, für den sei eine Kanutour durch Esslingen genau das richtige, erklärt Schmitt. „Man ist draußen, und es bildet sich meist eine tolle Dynamik in der Gruppe“, sagt er. Obwohl man als Kanufahrer in der Stadt manchmal mit kleinen Widrigkeiten zu kämpfen habe, sei allein der Ausblick das Ganze schon wert. „Die Stadt ist wie eine Diva – wunderhübsch, aber manchmal auch zickig“, resümiert Schmitt.
Was muss man mitbringen?
„Festes Schuhwerk und Spaß“, lautet Schmitts Antwort auf diese Frage. Die meisten Kanufahrer seien im Erwachsenenalter, gerade an den Wochenenden würden sich aber auch mal Familien an den Touren versuchen. Trotz Schwimmweste sollten die Kanufahrer natürlich schwimmen können. Das gilt auch dann, wenn man einfach selbst mal auf eigene Faust in ein Kanu steigen will.
Wann ist Kanusaison in Esslingen?
Schmitt und seine Kollegen bieten die Touren jedes Jahr vom letzten Aprilwochenende bis einschließlich erstem Oktoberwochenende an. „Dann geht es in den Winterschlaf“, sagt Schmitt. Wobei das meist nicht bedeutet, dass gar nichts passiert. Der Winter werde vor allem dafür genutzt, Boote und Equipment zu reparieren. Vor allem bei den Motoren, mit denen die Kanus der Guides ausgestattet sind, müsste öfter etwas getan werden, erklärt Schmitt.
Auf welcher Strecke verläuft die Tour?
Der Startpunkt der Kleinkanadier, Kanus mit bis zu vier Plätzen, liegt am Maillepark. Schwimmweste an, ins Boot gestiegen und Paddel in die Hand – dann kann es auch schon losgehen. Den Wehrneckarkanal entlang geht es unter der Inneren Brücke hindurch. An der Alten Zimmerei mündet der Wehr- in den Roßneckarkanal. Von hier aus geht es an der Schelztorhalle entlang, bis am Bäckermühlenwehr das erste Highlight ansteht: die Bootsrutsche. Mutige Freiwillige dürfen im Kanu die Rampe am Wehr hinabrutschen. Da ist Abkühlung vorprogrammiert.
Und wie geht es dann weiter?
Vom Roßneckarkanal aus blicken die Kanufahrer auf „Little Manhattan“ und fahren durch „Klein-Amazonas“, bis sie sich schließlich auf dem Neckar wiederfinden. Flussaufwärts geht es an der Baustelle am Esslinger Bahnhof und am Pliensauturm vorbei. Mit etwas Glück darf man sogar in der großen Schleuse mitfahren, ehe es dann durch das Wasserhaus und über den Hammerkanal wieder zurückgeht. Der krönende Abschluss ist die Abfahrt der Rampe beim Wehr am Hammerkanal.
Wie sieht es mit Streckensperrungen aus?
Die eingangs erwähnten kleinen Widrigkeiten in Esslingen sind verschiedener Natur. Baustellen gibt es in der Stadt zuhauf. Das Bäckermühlenwehr ist beispielsweise momentan aufgrund von Bauarbeiten nur für Kleinkanadier freigegeben. „Das Wehr soll laut Tiefbauamt gegen Mitte August wieder freigegeben werden“, erklärt Schmitt. Die Großkanadiertouren verlaufen deshalb zurzeit in Richtung Oberesslingen. Doch nicht alle Baustellen führen gleich zu einer Sperrung. „Am Kesselwasen wird gerade an der Brücke über den Wehrneckarkanal gebaut“, erklärt Schmitt. Hier müsse man je nach Wasserstand auch mal den Kopf einziehen und vor allem den nötigen Abstand zu den Gerüsten wahren.
Auf was müssen Kanufahrer in Esslingen sonst noch achten?
„Wir haben auch teils unterschiedliche Strömungsverhältnisse auf den Kanälen“, sagt Schmitt. Auch beim Wasserkraftwerk auf den Pulverwiesen müsse man diesbezüglich ein wenig aufpassen. Auf dem Neckar selbst sollte man im Kanu immer ein Auge offen halten. „Wir haben hier Wasserschifffahrt“, erklärt Schmitt. Die großen Kohle- und Schrottschiffe fahren meist den Neckar hinauf in Richtung Altbach beziehungsweise Plochingen. „Falls es vorkommt, dass man einem Schiff begegnet, sollte man einfach ausweichen und auf die Wellen aufpassen. Es ist aber bei uns noch nie etwas passiert“, sagt Schmitt.
Was tun, wenn es regnet?
„Die meisten Touren werden bei schönem Wetter gebucht“, erklärt Schmitt. Sobald die Wettervorhersage Regen vermuten lässt, komme es zu Unsicherheiten, ob die Tour noch stattfindet. „Wir fahren grundsätzlich bei jedem Wetter“, sagt Schmitt. Mit Regenponchos ausgestattet geht es auch an regnerischen Tagen in die Kanus. Und gerade die Fahrten im Regen seien oft ein besonders tolles Erlebnis. „Sicher die Hälfte aller Regentouren enden damit, dass wir singend den Neckar hochfahren“, erklärt Schmitt. Dann sei das Wetter auch schnell vergessen.
Neckarkanäle in Geschichte und Gegenwart
Historisch
Bereits im Früh- und Hochmittelalter nutzten die Esslinger Neckarkanäle, um Wassermühlen zu betreiben. Auch während der Industrialisierung im 19. Jahrhundert waren die Stadtkanäle ein wichtiger Faktor, um den Betrieb von großen Fabriken zu ermöglichen.
Vielbefahren
„Im vergangenen Jahr sind wir insgesamt 211 Touren gefahren“, erklärt Marc Schmitt. Auf die Saison gerechnet seien das im Durchschnitt knapp zwei Touren pro Tag.
Lehrreich
Die geführten Touren in Esslingen werden von Guides begleitet. Diese übernehmen neben der Einweisung der Teilnehmer und der Navigation auch die Rolle eines Stadtführers. An wichtigen – und in Esslingen oft historischen – Gebäuden gibt es während der Tour interessantes Hintergrundwissen.