Kapitän des VfB Stuttgart Warum wird Waldemar Anton nicht in die Nationalmannschaft berufen?

Der Kapitän Waldemar Anton sagt in der Mannschaft des VfB Stuttgart, wo es lang geht. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Der Abwehrspieler überzeugt beim VfB mit guten Leistungen. Für eine Nominierung reicht das noch nicht. Doch die Dortmunder Mats Hummels und Niklas Süle stehen im DFB-Aufgebot – das wirft vor dem direkten Aufeinandertreffen Fragen auf.

Sport: Carlos Ubina (cu)

Wenn es sein muss, nimmt es Waldemar Anton mit drei Mann auf, drei Heidenheimern zuletzt. Eren Dinkci, Jan-Niklas Beste und Tim Kleindienst stürmten auf den Abwehrchef des VfB Stuttgart zu. Schnell und mit Raum. Doch Anton behielt den Überblick. Taktisch geschickt positionierte er sich zwischen den Angreifern und klärte mit dem linken Bein. Bereits zuvor hatte er mit großem Einsatz gefährliche Situationen bereinigt.

 

Szenen, die viel über Anton, sein Spiel und seine Bedeutung für die VfB-Mannschaft sagen. „Er ist ein richtiger Kapitän“, fasst der Trainer Sebastian Hoeneß seine Wertschätzung in einem Satz zusammen. Leistungs- und führungsstark soll das bedeuten. Ein Vorbild, wenn es um Ehrgeiz und Engagement geht. Der 27-Jährige gilt als Mentalitätsmonster. „Er gibt auch in jedem Training hundert Prozent“, sagt Hoeneß.

So schätzt Sebastian Hoeneß die Lage ein

Dazu ist Anton die Konstante im Stuttgarter Gefüge, seit Hoeneß das Team im vergangenen April übernommen hat. Nur 20 Minuten hat er verpasst. Ausschläge nach unten gibt es bei seinen Auftritten kaum. Das Leistungsniveau in der Bundesliga ist hoch. Auch deshalb musste der Coach zuletzt häufiger die Frage beantworten, ob er den Verteidiger für gut genug hält, um für die deutsche Nationalmannschaft nominiert zu werden. Seine Antwort: Im Prinzip Ja.

Hoeneß ist jedoch viel zu diplomatisch, um eine Berücksichtigung zu fordern. Der Bundestrainer werde genau wissen, was er tut. Und es gäbe auch noch andere Kandidaten, lässt der Vereinstrainer dann wissen. Nun hat Julian Nagelsmann seine Auswahl für die anstehenden Länderspiele gegen die Türkei (18. November in Berlin) und Österreich (21. November in Wien) getroffen.

Anton zählt nicht dazu, dafür sind Mats Hummels und Niklas Süle von Borussia Dortmund berufen. Nico Schlotterbeck aus den schwarz-gelben Reihe gehört diesmal nicht zum Elitekreis. Vor der Begegnung zwischen dem VfB und dem BVB an diesem Samstag (15.30 Uhr) wirft das schon auch die Frage auf, warum der schwankende Süle nominiert wurde und der formstarke Anton nicht. Denn laut Nagelsmann ist „unsere Baustelle stabiles Verteidigen. Das wollen wir jetzt hinkriegen.“ Der Bundestrainer ergänzt dazu in einem Video des Deutschen Fußball-Bunds (DFB): „Wir müssen in der Defensive variabler werden.“

Anton bietet diesbezüglich Optionen, da er hinten praktisch auf jeder Position einsetzbar ist. Dennoch bleibt die Konkurrenz selbst ohne Schlotterbeck in der Innenverteidigung groß. Neben Hummels und Süle stehen noch Antonio Rüdiger (Real Madrid), Jonathan Tah (Bayer Leverkusen) und Malick Thiaw (AC Mailand) für die Abwehrzentrale im DFB-Aufgebot.

Masse statt Klasse in der Innenverteidigung?

Ordentliche Masse statt absolute Klasse? Auf jeden Fall sind es Spieler, die in ihren nationalen Ligen und international zum Einsatz kommen. Letzteres haben sie Anton voraus. Und in der Bundesliga rückt der VfB nach einem starken Saisonstart erst allmählich wieder in den Blickpunkt. Dabei weist Anton überzeugende Statistiken auf. Mit vielen Ballkontakten (im Durchschnitt 90 pro Spiel), einer hohen Passquote (89,4 Prozent), 89 gewonnenen Zweikämpfen, was einer guten Quote von 62,2 Prozent entspricht. Ähnliche Werte wie bei Hummels und Schlotterbeck – und bessere als Süle.

Doch die Zahlen sind das eine, die öffentliche Wahrnehmung in einem Land voller Bundestrainer ist das andere. Nach dem Gipfeltreffen vergangene Woche mit dem FC Bayern musste die Abwehr der Westfalen mit Hummels, Schlotterbeck und Süle nach dem 0:4 nicht nur viel Kritik einstecken, sondern reichlich Häme über sich ergehen lassen.

Mangelndes Tempo, fehlender Fokus, schlampige Zuspiele – eine Empfehlung für die EM im nächsten Jahr war die Vorstellung nicht. Hummels bleibt nach der Rückholaktion des Routiniers jedoch gesetzt. An Schlotterbeck und Süle scheiden sich zudem die Geister. Beim BVB spielt Schlotterbeck mit seinem starken linken Fuß an der Seite von Hummels. Nagelsmann hat den zu oft lässigen 23-Jährigen aus dem Remstal aber nun zum zweiten Mal außen vor gelassen.

Dagegen ist Süle wieder dabei – obwohl sich der 28-Jährige in Dortmund in der Innenverteidigung hinten anstellen muss. Seinen Stammplatz verlor er im September. Auch, weil es bei ihm immer wieder um die Punkte Professionalität und Disziplin geht. Abzulesen an seinem Körpergewicht. Zuletzt beorderte der Borussen-Trainer Edin Terzic den bulligen Abwehrmann wieder auf die rechte Abwehrseite – und Süle spielte in der Champions League beim 2:0-Erfolg gegen Newcastle United gut.

In Stuttgart steht für die BVB-Verteidiger mit den schnellen VfB-Angreifern jetzt der nächste Stresstest an. Vor allem Silas Katompa mit seiner extremen Endgeschwindigkeit und Chris Führich mit seinem enormen Antritt sind da zu nennen. Auf der anderen Seite macht sich Anton zum Kampf bereit. Er will weiter seine Leistungen für sich sprechen lassen. Dabei nimmt es der VfB-Kapitän sicher auch mit drei Dortmundern auf.

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