Kapitalerhöhung bei Lufthansa Neustart mit der Brechstange

Der Kranich will startbereit sein, wenn es wieder bergauf geht Foto: dpa/Andreas Arnold

Die Lufthansa will staatliche Hilfe durch Geld von Investoren ablösen – das zeugt davon, dass der Vorstand an den erfolgreichen Neustart glaubt, meint unser Korrespondent Klaus Dieter Oehler. Über den Kurs freuen sich aber nicht alle.

Frankfurt - Die Lufthansa präsentiert große Pläne. Eine Kapitalerhöhung möchte der Vorstand der angeschlagenen Fluggesellschaft den Aktionären auf der Hauptversammlung schmackhaft machen. Bis zu 20 Milliarden Euro könnten so in die Kasse kommen, wenn alles bestens laufen würde.

 

Auf den ersten Blick hat das den Aktionären nicht geschmeckt – eine Kapitalerhöhung verwässert immer den Wert der Aktien, die bereits auf dem Markt sind. Und verwöhnt wurden die Anteilseigner in den vergangenen Jahren auch nicht gerade, der Faststillstand seit dem Ausbruch der Coronapandemie hat die Sorgenfalten der Lufthansa-Aktionäre vergrößert.

Das Rettungspaket des Bundes ist nicht umsonst

Es geht aber darum, welche Zukunft man der vor der Krise größten Fluggesellschaft Europas zutraut. Ja, die Lufthansa und ihre Tochtergesellschaften brauchten staatliche Unterstützung, als ihre Flieger plötzlich am Boden stehen bleiben mussten, als das Geschäft quasi über Nacht aus dem Wachstumsschub brutal auf null gebremst wurde – so wie alle anderen Fluggesellschaften rund um den Globus auch.

Rund neun Milliarden Euro ist das Rettungspaket schwer, das der Bund und die Regierungen in Österreich, der Schweiz und Belgien geschnürt haben. Aber diese Hilfe gab und gibt es nicht umsonst – bis zu 9,5 Prozent Zinsen verlangt der Bund für seine Einlage, wenn die Lufthansa bis 2027 auf die Hilfe angewiesen wäre.

Investoren sind vorhanden

Daher wollen Vorstandschef Carsten Spohr und sein neuer Finanzvorstand Remco Steenbergen die staatliche Umarmung so schnell wie möglich wieder lösen. Schon vor Monaten ist es gelungen, erste Schritte am Kapitalmarkt zu machen und frisches Geld bei Investoren einzusammeln. Das zeigt, dass es durchaus Investoren gibt, die an den Sanierungskurs von Spohr und Co glauben, die davon überzeugt sind, dass die Lufthansa zu den Fluggesellschaften gehören wird, die nach der Krise wieder richtig durchstarten können, wann auch immer das sein wird.

Es kommt jetzt darauf an, wie gut das Management Aktionäre, aber auch ihre Kundschaft davon überzeugen kann, dass dieses Vertrauen gerechtfertigt ist. Niemand kann derzeit verlässlich sagen, wie die Welt für die Branche nach Corona aussehen wird – aber man muss auf alles vorbereitet sein.

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