Der Mann, der bei der Raddemo am Sonntagnachmittag kurz hinter dem Fellbacher Kappelbergtunnel gestürzt war, hat nach Polizeiangaben eine Kopfplatzwunde erlitten.

Die ersten Beobachtungen von Zeugen, die das Geschehen von einem Feldweg oberhalb der Bundesstraße verfolgt hatten, ließen Schlimmes befürchten. Ein Radfahrer war am Sonntagnachmittag gegen 15 Uhr bei der Radsternfahrt aus dem Rems-Murr-Kreis in die Landeshauptstadt kurz hinter dem Fellbacher Kappelbergtunnel gestürzt.

 

Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Stuttgart erklärte später auf Nachfrage unserer Redaktion, dass der Mann in ein Krankenhaus gebracht werden musste. Er habe sich allerdings entgegen der ersten Einschätzungen der Zeugen nicht schwer verletzt, so der Polizeisprecher am Sonntagabend. Der Sturz habe sich vermutlich ohne Fremdeinwirkung ereignet, womöglich liege ein Fahrfehler vor.

Der Mann geriet wohl in eine Sickerrinne und stürzte

Das entspricht den Beobachtungen der Zeugen. Aus den Gesten anderer Radfahrer, die auf der B 14 angehalten hatten, um dem Verletzten zu helfen, schlossen sie, dass der Mann weit links auf der Bundesstraße unterwegs gewesen war – nahe an der Mittelleitplanke. Möglicherweise geriet er dabei in eine Abflussrinne und stürzte. Sichtbar war, dass er dabei erhebliche Gesichtsverletzungen davontrug.

Am Montagmorgen konnte Stephan Widmann von der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit des Polizeipräsidiums Stuttgart nähere Angaben machen. Demnach ereignete sich der Unfall etwa 100 Meter nach dem Kappelbergtunnel. Bei dem Mann handelt es sich um einen 64-Jährigen, der mit seinem Rennrad unterwegs war.

Radsternfahrt begann bereits am Vormittag

Vermutlich sei er in eine Sickerrinne neben der Leitplanke geraten, dann ins Trudeln gekommen und gestürzt. Die Verletzungen waren nicht so gravierend wie zunächst angenommen: „Er hat sich bei dem Sturz eine Kopfplatzwunde zugezogen und kam vorsorglich in ein Krankenhaus“, erläutert der Polizeisprecher. Ob sich der 64-Jährige noch in der Klinik aufhält, ist nicht bekannt.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) Baden-Württemberg als Veranstalter wollte am Montag auf Nachfrage keine Stellungnahme abgeben. Man werde sich äußern, „sobald wir zu dem Geschehen eine fundierte Rückmeldung geben können“, erläuterte ein Sprecher. Das werde vermutlich am Dienstag der Fall sein

Der Unfall überschattete ein wenig die insgesamt fröhliche Stimmung, die während der Radsternfahrt herrschte. Aus allen Richtungen strebten seit dem Sonntagvormittag die Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer, darunter viele Eltern mit ihren Kindern, nach Stuttgart, wo die Hauptkundgebung auf dem Schlossplatz stattfand.

Bestimmt 1000 Teilnehmer allein aus dem Rems-Murr-Kreis

Auch aus dem Rems-Murr-Kreis waren es geschätzt sicher mindestens 1000 Radelnde, die sich zunächst von Backnang und Schorndorf aus nach Waiblingen auf den Weg machten. Auf dem Parkplatz direkt hinter dem dortigen Radhaus (dem Rad-Parkhaus) fand eine kleine Kundgebung statt. Zu den Rednern gehörte auch Rems-Murr-Landrat Richard Sigel, der erklärte, „ich bin selbst Radsporttrainer“ und später auch die Etappe durch den Kappelbergtunnel bis nach Stuttgart mitradelte.

Sigel verwies dabei auch auf das vom ADFC für die Sternfahrt ausgegebene Motto: „Gemeinsam sicher ankommen!“ Dies sei „in unserer dicht besiedelten Region mit massiven Problemen auf der Schiene, Baustellen und Staus gerade ein ganz brennendes Thema.“ Die steigende Zahl von Radfahrenden wirke sich aber leider auch auf die Unfallzahlen aus: „Die Zahl der getöteten Radfahrenden ist gegenüber 2014 um 11,4 Prozent gestiegen.“

Gerade der Rems-Murr-Kreis mit seinem Landratsamt setze sich „seit Jahren ganz bewusst dafür ein, das Fahrradfahren voranzubringen“. Denn, so Sigel: „Da werden wir uns einig sein: Wir brauchen sichere und komfortable Radwege, damit noch mehr Menschen auf das klimafreundliche Verkehrsmittel Fahrradumsteigen.“

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Waiblinger Gemeinderat, Iris Förster, die zugleich als Repräsentantin von „Waiblingen klimaneutral“ sprach, bekannte: „Ich freue mich auf eine gigantische Fahrt nach Stuttgart – einmal mit dem Rad durch den Kappelbergtunnel, so ein Erlebnis hat man selten.“

Der Kappelbergtunnel als neuer Radschnellweg

Anschließend ging es nach Fellbach, wo der insgesamt bestimmt zwei Kilometer lange, von Polizeimotorrädern und Polizeifahrzeugen eskortiere Zug zunächst am Schwabenlandtower vorbei eine Schleife durch die Stadt zog, allerdings nicht etwa durch die Theodor-Heuss-Straße als Fahrradstraße, sondern über die Esslinger Straße bis zum Bahnhof. Nach kurzer Pause radelten alle über die Ringstraße und Bühlstraße zur Auffahrt Fellbach-Süd der B 14.

Während die Polizei die Autofahrer auf der Bundesstraße und vor den Auffahrten stoppte, radelten die vielen Teilnehmer durch die Nordröhre des Tunnels – ein Ordner des ADFC hatte bei der Kundgebung in Waiblingen den Tunnel zum Gelächter der Zuhörenden launig als „künftiger Radschnellweg Fellbach-Stuttgart“ bezeichnet. Weil es dann recht zügig die B 14 hinunter zum Neckardreieck ging, bekamen die wenigsten Radelnden überhaupt etwas von dem Unfall des 64-Jährigen mit.