Kaputter Aufzug an Esslinger Pliensaubrücke Vandalismus verhindert Barrierefreiheit
Der Aufzug an der Esslinger Pliensaubrücke wurde laut Stadt allein im Jahr 2021 fünf Mal mutwillig beschädigt und für längere Zeit außer Betrieb gesetzt.
Der Aufzug an der Esslinger Pliensaubrücke wurde laut Stadt allein im Jahr 2021 fünf Mal mutwillig beschädigt und für längere Zeit außer Betrieb gesetzt.
Esslingen - Unsere Leserin Maria J. regt sich auf – über die Esslinger Stadtverwaltung. Zurecht, sagt die Esslinger Stadtverwaltung. Auch wenn die berechtigte Empörung eigentlich anderen gelten müsste. Es geht um den Aufzug am innenstadtseitigen Ende der Pliensaubrücke. Maria J. zufolge bietet er sehr häufig nicht die Barrierefreiheit, für die er gebaut wurde, sondern ist defekt. In den viereinhalb Jahren, die sie nun in Esslingen wohne, lege sie den Weg von der Pliensauvorstadt ins Zentrum fast immer zu Fuß über die Brücke zurück. Keine 20 Mal habe sie in der ganzen langen Zeit den Aufzug benützen können, sagt Maria J., „weil er dauernd kaputt ist“.
Die Rathaussprecherin Nicole Amolsch bestätigt auf Anfrage den Eindruck: „Allein im letzten Jahr wurde der Aufzug fünf Mal in größerem Umfang absichtlich zerstört – die vielen kleineren Vandalismusschäden nicht mitgerechnet.“ Letztere konnten die Kollegen vom städtischen Bauhof relativ schnell selbst beheben. Bei größeren Reparatureinsätzen seien hingegen spezialisierte Aufzugsfirmen gefordert. Erschwerend komme hinzu, dass seit Beginn der Corona-Pandemie die notwendigen Ersatzteile „nur sehr schwer und mit langen Lieferzeiten“ erhältlich seien. So komme es „leider auch zu längeren Ausfallzeiten“. Um dem Skandal des Vandalismus – in diesem Fall ein niederträchtiger Frontalangriff auf die Barrierefreiheit – beizukommen, denkt man bei der Stadt über die Installation einer Überwachungskamera am Aufzug nach. Die rechtlichen Hürden seien allerdings hoch, sagt Amolsch. „Das Rechtsamt und unser Datenschutzbeauftragter prüfen, ob in diesem speziellen Fall der Nutzen einer Kamera die Nachteile überwiegt.“
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Jedenfalls hat Esslingen – ebenso wie alle anderen Städte – ein Dauerproblem mit Aufzügen im öffentlichen Raum. Nach den derzeit immerhin funktionierenden Anlagen im Bahnhof, die von der Deutschen Bahn betrieben werden, macht der städtische Fahrstuhl der Pliensaubrücke Ärger – genauer: jene, die ihn mutwillig beschädigen. Zwar kann er durch eine Rampe umgangen werden. Diese ist aber „nicht für alle tatsächlich auch nutzbar“, räumt Amolsch ein. Maria J. schreibt von alten Menschen oder von Müttern mit Kinderwagen, die sich schwer bepackt den steilen, gewundenen Steg hochplagen.
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Endlich oben auf der Brücke angelangt, wird es Maria J. auch nicht richtig wohl. Auf der wichtigsten Fußgänger- und Fahrradverbindung von der Innenstadt über den Neckar und die B 10 grenze es „täglich an ein Wunder“, wenn es vor allem am Pliensauvorstädter Brückenende nicht zu „Rad-Fußgänger-Kinderwagen-Kollisionen“ komme. Dieses Wunder allerdings, wenn es denn eines ist, währt schon lange: Seit 2008 sind laut Stadt keine Unfälle auf der Pliensaubrücke bekannt geworden. Das bestätigt auch die Polizei auf Anfrage unserer Zeitung.