Krimikolumne

Karen Perry: „Was wir getan haben“ Irisch-afrikanische Seifenoper

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Ein irisches Autorenduo hat sich zusammengetan, um Psychothriller zu produzieren. Ihr zweites Werk ist vor allem etwas für die Freunde melodramatischer Seifenopern.

Karen Gillece und Paul Perry sind das Autorenduo, das sich hinter „Karen Perry“ verbirgt. Foto: Gaby Gerster
Karen Gillece und Paul Perry sind das Autorenduo, das sich hinter „Karen Perry“ verbirgt. Foto: Gaby Gerster

Stuttgart - Luke und Nick sind Brüder, Kate ist einmal ihre beste Freundin gewesen, damals vor 30 Jahren in Kenia, als sie gemeinsam spielten – und das Schreckliche geschah. Seither sind sie und ihre Eltern geflohen vor dem Unaussprechlichen, was damals am Fluss in der afrikanischen Steppe geschehen ist. Ein harmloses Spiel hatten sie gespielt, das tödlich geendet war.

Doch 30 Jahre später holt das Trio die Vergangenheit ein. Die Schuld wuchert in den Herzen und Köpfen, und als plötzlich tote Vögel in der Post liegen, geraten die Dinge ins Rutschen. Luke, eigentlich erfolgreicher Geschäftsmann in Dublin auf dem Sprung in die Politik, verschwindet nachts aus seinem Haus und hinterlässt eine Blutspur.

So beginnt durchaus vielversprechend „Was wir getan haben“ des Autorenduos Karen Gillece und Paul Perry, das sich hinter dem Namen Karen Perry verbirgt. Ein ungenanntes Verbrechen, ein Unbekannter, ein Toter, exotische und abwechslungsreiche Schauplätze in Afrika und Irland – die Zutaten für einen Psychothriller, der einen das Blut gefrieren lässt, sind allesamt im Topf.

Unwahrscheinlichkeiten in der Handlung

Allerdings köcheln Gillece und Perry nicht für die Freunde haarsträubender Racheengelstories, sondern eher für die Liebhaber melodramatischer Seifenopern. Die kapitelweisen Wechsel der Erzählperspektiven versprechen anfangs Spannung, erschöpfen sich aber immer mehr in der redundanten Schilderung innerer Gefühlszustände, die geprägt sind von der Jahrzehnte langen Verdrängung persönlicher Schuld. Was damals 1982 in der afrikanischen Steppe geschehen ist, ist ziemlich bald so offensichtlich, dass die eigentliche Auflösung nicht mehr sonderlich überrascht – da hilft auch die scharfe Wendung auf den letzten Seiten nicht mehr. Bis dahin hat sich die Handlung ohnehin schon allzu weit in Unwahrscheinlichkeiten und Gefühlswirren verloren.

„Was wir getan haben“ ist also leichte Thrillerkost, durchaus in der Tradition etwa einer Charlotte Link, wie auf dem Einband angekündigt, allerdings noch deutlich luftiger. Aber auch diese Geschichten haben ihre Leser. Denn schlecht geschrieben ist die irisch-afrikanische Seifenoper keineswegs.

Karen Perry: „Was wir getan haben“. Roman. Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. Fischer Scherz Verlag Frankfurt/Main 2016. 380 Seiten. 14,99 Euro.